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Neue Bücher empfohlen von bewusster leben

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Die beste Auswahl für das Frühjahr 2012

Hier erscheint zwei Mal im Jahr unser BÜCHER-JOURNAL. Wir stellen hier Ihnen gerne unsere beste Auswahl für das Jahr 2012 mit den überzeugensten Neuerscheinungen aus den Verlagen in den Rubriken Lebenskunst, Gesundheit, Ernährung und Spiritualität vor.


 

Die Kraft, die aus der Stille kommt


Die ehemalige EKD-Vorsitzende Margot Käßmann hat mit der Fotografin Monika Lawrenz einen bemerkenswerten Fotobildband mit meditativen Texten herausgebracht margot-kaessmann02

Die Theologin und Pfarrerin Margot Käßmann ist eine der bekanntesten und beliebtesten Gottesfrauen im deutschsprachigen Raum. Auch nach ihrem Rücktritt als Bischöfin sind ihre Bücher echte Bestseller. Jetzt erscheint von ihr der Fotoband „Stille und Weite“. Die eindrucksvollen Landschaftsbilder hat Monika Lawrenz in ihrer Heimat Mecklenburg-Vorpommern gemacht, Margot Käßmann schrieb dazu die Texte. Das Ergebnis ist ein wunderbarer Dialog von Bild und Wort, der dazu einlädt, öfter in die Natur zu gehen, um die eigene Enge zu verlassen, die zarten Töne zu hören und sich wieder auf das äußere und innere Erleben einzulassen. Wir haben mit ihr über die Tiefendimensionen des diesseitigen Lebens und das Jenseits gesprochen und darüber, was man in der Begegnung mit der Natur finden und erleben kann.

bewusster-leben: Sie schreiben in Ihrem Buch „Stille und Weite“, dass Menschen in der Natur, mit dem Rücken zur verwirrenden Welt des Alltags, auf sich selbst zurückgeworfen, wieder neue Orientierung im Leben und im Glauben finden können. Was meinen Sie als bibeltreue Theologin damit genau? Denn auch viele spirituelle Menschen, die nicht gottesgläubig sind, schöpfen Kraft aus der Begegnung mit der Natur, deren Mächtigkeit viele kleine und größere Sorgen relativiert.
Käßmann: Schon die Psalmen können Gott in der Schöpfung preisen. Jesus geht in die Wüste, um herauszufinden, was sein Auftrag ist. Und später wird er die Lilien auf dem Feld als Beispiel für Gottvertrauen nehmen. Das heißt, Natur als Schöpfung kann uns helfen, uns herauszunehmen aus dem Alltagsstress, diesem ständigen Druck, um Abstand zu gewinnen, nach dem Sinn des Lebens zu fragen. Christen werden das immer rückbeziehen auf die Bibel. Aber mir ist wichtig, dass christliche Spiritualität neben dem Wort eben auch sinnliche Erfahrung, Sehen, Tasten und das Staunen kennt.

bewusster-leben: Ein Merkmal der modernen marktorientierten Gesellschaft ist wohl die Verflachung der menschlichen Beziehungen und eine zunehmende Oberflächlichkeit. Können Sie erklären, was einem Menschen Tiefe verleiht und was sie damit meinen?
Käßmann: Es lebt sich sehr schnell und oberflächlich Tag für Tag. Ich habe Menschen erlebt, die ganz erstaunt sind, wenn sie am Ende des Lebens angekommen sind, an der Grenze. Ein Baum nimmt uns hinein in die Abfolge der Generationen. Oft wurde er schon lange gepflanzt, bevor wir geboren wurden, und er wird noch stehen, wenn wir gestorben sind. Tiefe heißt Endlichkeit kennen, mit meiner Grenze leben und doch glauben und hoffen, dass der Endpunkt ein Doppelpunkt ist.

bewusster-leben: Das ist eine schöne linguistische Metapher. Wie stellen Sie sich denn persönlich das Jenseits vor?
Käßmann: Da halte ich mich an die Bibel. Sie erzählt gar nicht so viel konkret darüber, sagt aber, dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen werden (Psalm 85), Gott mitten unter uns wohnen wird (Offb. 21,3) und alle Tränen werden abgewischt werden, Leid, Not, Geschrei haben ein Ende, der Tod wird nicht mehr sein (Offb. 21,4) – das alles sind Bilder, in die ich mich gut hineindenken kann. Wenn es dann noch heißt, dass die Liebe alles überdauert, habe ich auch die Zuversicht, meine Liebsten auf irgendeine Art und Weise wiederzufinden.

bewusster-leben: Kann man aus der Begegnung mit der Natur auch Hoffnung und Zuversicht schöpfen?
Käßmann: Ja, denn der Frühling beispielsweise ist ein Sinnbild für Auferstehung. Die Blütenpracht eines Mohnfeldes steht für Lebenslust und Leichtigkeit. Ein tiefes Einatmen am Meer kann uns ermutigen, neue Wege zu gehen. Das kann auch zu Gotteslob führen, zu Ehrfurcht vor der Schöpfung.

bewusster-leben Auf einer der Fotografien von Monika Lawrenz sieht man eine Schneelandschaft, in der sich eine menschliche Spur verliert. Was sagen Sie Menschen, die aus der Spur geraten sind und nicht weiterwissen?
Käßmann: Dass es im Leben Abzweigungen gibt, die wir nicht verstehen, dass wir in Sackgassen und auch auf Abwege geraten. Damit muss unser Leben aber nicht aus den Fugen geraten. Gerade wenn wir Zeiten von Zweifel, Kummer und Leid erleben, sind das Erfahrungen, die uns Reife geben. Als Christin bin ich überzeugt, dass uns Gott gerade in diesen Phasen Kraft zum Leben, zum Weiterleben gibt.

bewusster-leben: Was raten Sie als Theologin den Menschen? Und was steht in der heutigen Zeit besonders an?
Käßmann: In einer Zeit, in der viele Menschen seelisch erschöpft sind, scheint es mir besonders wichtig, anzuhalten, Zeiten der Stille zu suchen, in denen wir fragen: Was will ich mit der begrenzten Lebenszeit, die mir bleibt, anfangen? Wie will ich für mich sinnvoll leben? Wenn wir uns dieser Frage stellen, findet auch die Seele eine neue Balance, davon bin ich bt_margot-kaessmann01überzeugt. Zur Antwort gehört für mich Gottvertrauen.

Margot Käßmann
Stille und Weite
mit Fotografien von Monika Lawrenz
96 Seiten , €(D) 19,99
ISBN 978-3-451-32489-5
Herder Verlag