Partnerwahl – Wie Sie auch im höheren Alter noch eine neue Liebe finden

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Manfred Hassebrauck ist Deutschlands führender Experte auf den Gebieten Partnerwahl und Liebesleben. Der Professor erforscht seit 30 Jahren, nach welchen Kriterien man sich einen Partner aussucht. Wir haben sieben Fragen aus seinem Buch zusammen gestellt:

Kann ich den passenden Partner im Internet finden?

Die Suche eines Partners im Internet erinnert manchmal durchaus an die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Deswegen bieten verschiedene Internetdienstleister Suchhilfen und Matching-Systeme an, die einen bei der Partnerwahl unterstützen. Meist werden dabei Partner vorgeschlagen, die im Hinblick auf ihre Persönlichkeit zu einem „passen“. (…) Wenn das „Matching“ gut gemacht ist, dann funktionieren Beziehungen, die durch das Internet zustande gekommen sind, auch sehr gut, wie Forscher der New York University festgestellt haben. Von 100 durch Online-Dienste zustande gekommenen Beziehungen bestehen nach zwei Jahren immer noch 75. Im Vergleich dazu schneidet der klassische Beziehungsalltag eher schlecht ab. In meinen eigenen Studien mit Frischverliebten habe ich festgestellt, dass von 100 neu begonnenen Beziehungen nach nur sechs Monaten nur noch 60 bestehen. Nach zwei Jahren sieht die Bilanz noch schlechter aus. Die Forscher der New York University fassen die Vorteile des Internets bei der Partnerwahl und des Kennenlernens ganz plakativ zusammen: schneller, stärker, tiefer, länger!

Kann man auch im höheren Lebensalter einen Partner finden?

Für Männer ist es einfacher als für Frauen, im Alter einen Partner zu finden. Verantwortlich dafür sind zwei Aspekte. Zum einen liegt die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen ungefähr fünf Jahre höher als die der Männer. Das führt dazu, dass es weniger Männer gibt, die für die älteren Frauen als Partner in Frage kommen. Diese ohnehin vorhandene Diskrepanz wird durch die Alterspräferenzen der Männer noch verstärkt. Männer hätten gerne eine jüngere Partnerin. Im statistischen Mittel liegt der Unterschied von Männern und Frauen zum Zeitpunkt der ersten Hochzeit bei 3,2 Jahren. Er wird aber bei der zweiten oder gar dritten Heirat größer. Das führt dazu, dass rein zahlenmäßig das Geschlechterverhältnis zu Gunsten der Männer verschoben ist. Das macht es für die Männer leichter und für die Frauen schwerer, im Alter einen Partner zu finden. Zudem sind die Kontaktmöglichkeiten im höheren Alter nicht mehr so vielfältig und spontan wie in der Jugend, aber diesen Mangel kann man durch die aktive Suche nach Kontaktmöglichkeiten (beispielsweise im Internet) kompensieren. Online- Portale erleichtern da die Partnerwahl und es ergeben sich Möglichkeiten, auch im höheren Alter einen passenden Partner zu finden.

„Gegensätze ziehen sich an“ oder „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ – was stimmt denn nun bei der Partnerwahl?

Seit mehr als 80 Jahren erforschen Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen weltweit, wovon es abhängt, dass manche Menschen mit ihrer Beziehung zufriedener als andere sind, dass manche Beziehungen beendet werden und andere über einen langen Zeitraum stabil sind. Was sie feststellten, ist eigentlich ein ganz einfaches Prinzip. Die Partner in glücklichen und stabilen Beziehungen sind sich in ihrem familiären Hintergrund, ihrer sozialen Stellung, ihrem Bildungsniveau und auch ihrer Gesundheit, ihren Vorlieben und Abneigungen, ihren Interessen und Hobbys und vielen anderen Aspekten ähnlicher als Personen in unglücklichen Beziehungen. Dass sich Gegensätze förderlich auf die Partnerwahl und eine Beziehung auswirken, kann die Forschung nicht bestätigen.

Gibt es den perfekten Partner überhaupt?

Den perfekten Partner gibt es nicht. Potenzielle Partner kommen unseren Vorstellungen vom idealen Partner nur mehr oder weniger nahe. Insofern gibt es zunächst nicht nur einen perfekten Partner, sondern viele. Einer kommt unserem Schönheitsideal sehr nahe, ein anderer entspricht unseren Wünschen nach Wärme und Geborgenheit und ein Dritter vielleicht unseren Freizeitpräferenzen. Auf den einen Partner zu warten, der all unsere Wünsche erfüllt, ist wenig sinnvoll. Einerseits wird es umso unwahrscheinlicher, jemanden zu finden, je mehr Passungskriterien wir zugrunde legen. Andererseits ist unser Partnerideal nicht immer in sich konsistent. Manchmal wünschen wir uns den Draufgänger und Risikobereiten, ein anderes Mal einen Menschen, der zurückhaltend ist und uns Schutz und Geborgenheit bietet. Alles in einer Person zu finden ist schwer, wenn nicht unmöglich. Wie wichtig ist denn der Sex in der Beziehung? Sex ist eine der vier tragenden Säulen einer guten und glücklichen Paarbeziehung. Aber bei Weitem nicht die Wichtigste! Bei Männern rangiert Sex auf Platz drei, nach emotionaler Nähe und Gemeinsamkeiten, aber vor Unabhängigkeit. Bei Frauen ist Sex die am wenigsten wichtige Dimension, was nicht bedeutet, dass Frauen Sex nicht wichtig fänden, sie finden ihn nur weniger wichtig als die anderen drei Bereiche. Dass Sex zu einer guten Beziehung gehört, bedeutet aber nicht, dass die Häufigkeit von Sex der entscheidende Faktor ist. Wichtig ist vielmehr die „sexuelle Zufriedenheit“, und die hängt nicht mit der absoluten Häufigkeit zusammen, sondern damit, ob die gewünschte Häufigkeit und die tatsächliche Häufigkeit übereinstimmen.

Das Internet ermöglicht neue Optionen bei der Partnerwahl

Das Internet bietet neue Möglichkeiten bei der Partnerwahl.

Halten zweite Ehen länger als erste?

Aus Erfahrung wird man klug und aus seinen Fehlern lernt man bekanntlich. Wenn dem auch in Beziehungen so wäre, würden in der Tat zweite Ehen eine bessere Prognose und mehr Stabilität als erste haben. Die Fakten sprechen leider gegen diese Vermutung. Ein gutes Vorhersagekriterium einer Scheidung ist der Umstand, ob jemand schon einmal geschieden war. Verantwortlich dafür, dass bereits Geschiedene ein höheres Scheidungsrisiko haben, sind mehrere Faktoren. Zunächst die Persönlichkeit der Geschiedenen. Es gibt Persönlichkeitseigenschaften, die zu Beziehungsproblemen und letztendlich zur Trennung führen. Personen, die bereits geschieden sind, weisen daher in höherem Maße solche potenziell beziehungsschädlichen Merkmale auf. Und beim einmaligen Scheiden bleibt es oft nicht. Bei Personen, die bereits zweimal geschieden sind, ist das Scheidungsrisiko darum noch größer.

Wie wichtig ist denn der Sex in der Beziehung?

Sex ist eine der vier tragenden Säulen einer guten und glücklichen Paarbeziehung. Aber bei Weitem nicht die Wichtigste! Bei Männern rangiert Sex auf Platz drei, nach emotionaler Nähe und Gemeinsamkeiten, aber vor Unabhängigkeit. Bei Frauen ist Sex die am wenigsten wichtige Dimension, was nicht bedeutet, dass Frauen Sex nicht wichtig fänden, sie finden ihn nur weniger wichtig als die anderen drei Bereiche. Dass Sex zu einer guten Beziehung gehört, bedeutet aber nicht, dass die Häufigkeit von Sex der entscheidende Faktor ist. Wichtig ist vielmehr die „sexuelle Zufriedenheit“, und die hängt nicht mit der absoluten Häufigkeit zusammen, sondern damit, ob die gewünschte Häufigkeit und die tatsächliche Häufigkeit übereinstimmen.

Ist Männern bei der Partnerwahl das Aussehen bei Frauen wichtiger als die inneren Werte?

Nein, das ist eines der größten Missverständnisse der Beziehungsforschung, das man immer wieder in der Presse oder auch in Ratgebern lesen kann. Der vermutliche Hintergrund dafür ist eine Studie, die der amerikanische Psychologe David Buss in den 1980er Jahren durchgeführt hat und die auch in Deutschland durch sein Buch „Die Evolution des Begehrens“ sehr bekannt ist. Buss hat in 37 verschiedenen Ländern, die über alle Kontinente verteilt waren, darunter so unterschiedliche wie Deutschland, Indien, Nigeria, Bulgarien oder Schweden, um nur einige zu nennen, mehr als 10.000 Menschen gefragt, wie wichtig ihnen 18 verschiedene Merkmale eines potenziellen Partners bei der Partnerwahl sind. In allen 37 Ländern messen Männer dem Aussehen mehr Bedeutung bei als Frauen das tun. Das sagt aber nichts darüber aus, wie wichtig das Aussehen absolut ist, nur eben, dass es Männern wichtiger – oder vielleicht auch nur etwas weniger unwichtig – als Frauen ist. In der Rangreihe der 18 Merkmale rangiert bei den Männern Aussehen auf Platz 10. Wichtiger als das Aussehen ist ihnen beispielsweise Verlässlichkeit, Gesundheit, zumindest unter solchen solchen Idealbedingungen, wenn man also den eigenen Wünschen freien Lauf lassen kann. Im Ernstfall, wenn es um die konkrete Partnerwahl geht, sieht es allerdings doch etwas anders aus, und das Aussehen gewinnt für beide Geschlechter an Bedeutung. Das Aussehen ist wichtig, aber die Behauptung, Männer würden primär auf das Aussehen achten, ist überzogen.

Wie Sie auch im höheren Alter mit Yoga anfangen können, lesen Sie hier. Probieren Sie auch unsere Übungen für Späteinsteiger http://www.bewusster-leben.de/yoga-fuer-spaeteinsteiger/

Auszug aus dem Buch „Der kleine Liebesberater“ von Manfred Hassebruck

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