Raufen macht Spaß

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Spielerisches Balgen erinnert uns an die Lebendigkeit und Ungezwungenheit unserer Kindheit, an die Kraft und das Potential, an das Unterdrückte, das in uns schlummert.

Als Kinder waren wir noch voller Kraft, Lebensfreude und voller Optimismus. Doch dann im Laufe des weiteren Lebens haben wir viel davon verloren. Beim spielerischen Balgen und Raufen kann all das wieder lebendig werden. Wir können uns selbst und die Welt neu entdecken. Wir lernen, mit den Widerständen des Lebens spielerisch und doch kraftvoll umzugehen. Unsere ungelebten Möglichkeiten kommen wieder zum Vorschein.

Ich raufe, also bin ich!

Kaum etwas macht uns unsere körperliche Existenz so bewusst wie das spielerische Herumtoben mit einem Gegenüber. Wie ich die Welt erfahre, und wie die anderen mich erfahren, diese essentiellen Fragen lassen sich beim Raufen relativ einfach beantworten. Doch leider haben wir als Erwachsene in unserer berührungsfeindlichen Gesellschaft dazu kaum eine Möglichkeit. Jeder Ausdruck von Aggressivität stößt auf Ablehnung und natürlich wird Gewalt zurecht geächtet.
Doch heute gilt vielen schon ein „normaler“ Körperkontakt als fragwürdig – ganz im Gegensatz zu den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft, die die positiven Wirkungen verschiedener Berührungsformen auf Körper, Geist und Seele inzwischen intensiv erforscht haben.
Manche Therapieformen nutzen diese Erkenntnisse schon seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und auch in den Erziehungswissenschaften ist das Thema längst angekommen. Wegen seiner positiven Wirkung auf das Sozialverhalten von Kindern und Jugendlichen ist Raufen in den Lehrplänen etlicher Bundesländer inzwischen fest verankert – und zwar für Jungen wie für Mädchen. Nur außerhalb dieses Unterrichts, da sieht es heute meist schlechter aus als früher: Ohne pädagogische Anleitung einfach so zum Spaß zu raufen, das wird in der Regel kaum noch akzeptiert.

Einsatz in Therapie und Pädagogik

Der Grund dafür liegt – abgesehen von der völlig veränderten Situation in Familie, Schule und Gesellschaft – in einem Missverständnis begründet: Raufen wird häufig mit Gewalt assoziiert. Raufen in dem hier verstandenen Sinne hat aber mit Gewalt gar nichts zu tun. Im Gegenteil: Raufen ist ein Spiel, das für die gesunde soziale Entwicklung eines Menschen sehr wichtig ist. Wer keine Chance hatte, den spielerischen Umgang mit dem Thema Kämpfen zu erlernen, kann auch nicht die Grenzen zwischen Spaß, Wettkampf und Brutalität erkennen. Es bleiben dann wirklich nur Gewalt oder Hilflosigkeit.
Gerade für Eltern, Erzieher/innen und Lehrkräfte ist also der vertraute Umgang mit dem Thema Raufen sehr wichtig, und zwar nicht nur zum Wohle der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Von den positiven Wirkungen des Raufens können alle profitieren – vor allem auch diejenigen Personen, die in ihrer Kindheit oder Jugend wenig, gar keine, oder hauptsächlich schlechte Erfahrungen damit gemacht haben … Gerhard Schrabal

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer bewusster leben Ausgabe 2/2017
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