Selbstfürsorge – Mein Date mit mir

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Es ist ein Balanceakt, die äußeren Ansprüche mit unseren inneren Bedürfnissen in Einklang zu bringen. Das Zauberwort heißt: Selbstfürsorge.

Ist das nicht oft so: Wir scheuen keine Mühen, um für andere da zu sein, uns selbst aber stellen wir hinten an. Aufopferung gilt noch immer als ehrenwerte und selbstlose Tat. Doch es ist kein Egoismus, sich selbst auch mal an die erste Stelle zu setzen, nichts, für das wir uns schämen oder schlecht fühlen müssten. Ganz im Gegenteil: Wenn wir uns selbst zu wenig schätzen, werden wir uns früher oder später richtig schlecht fühlen. Das Zauberwort heißt: Selbstfürsorge

Selbstfürsorge: Was genau ist das?

Bei der Selbstfürsorge handelt es sich um einen konkreten Akt der Liebe, der Liebe zu uns selbst. Dabei lernen wir, gut für uns zu sorgen und auf das zu hören, was wir brauchen. Selbstfürsorge bezieht sich sowohl auf unser leibliches mentales als auch seelisches Befinden. Daher gilt es, sich gleichermaßen um alle drei Aspekte zu bemühen und zu verstehen, dass sie nicht isoliert voneinander existieren, sondern sich gegenseitig beeinflussen. Warum es so wichtig ist, dass wir uns unserer Gefühle bewusst werden, und wie wir unser Leben positiv und achtsam beeinflussen können, das können Sie hier lesen http://www.bewusster-leben.de/sei-achtsam-sag-ja-zu-dir/. Vernachlässigen wir einen Aspekt unseres Befindens, so leiden früher oder später auch die beiden anderen darunter. Stellen Sie sich einmal die folgenden Fragen, um zu erfahren, wie es momentan in den drei erwähnten Bereichen um Sie steht:

Auf der körperlichen Ebene:
Schlafe ich genug?
Esse ich regelmäßig Nahrungsmittel, die gut für mich sind?
Trinke ich ausreichend?
Sorge ich für Ruhephasen?
Auf der geistigen Ebene:
Mit welcher Nahrung füttere ich meinen Geist?
Was für Bücher lese ich? Welche Sendungen und Filme sehe ich mir an?
Auf der seelischen Ebene:
Erlaube ich mir Raum für das, was mir wichtig ist?
Pflege ich Kontakte oder nable ich mich ab?
Schenke ich mir selbst genug Abwechslung und Inspiration?
Gestatte ich anderen mir nahezukommen?

Selbstfürsorge: Wann wird sie notwendig?

Wann genau sollten wir mit unserer Selbstfürsorge beginnen? Auf jeden Fall, wenn uns bei der Antwort auf die vorgenannten Fragen ein ungutes Gefühl beschleicht. Dann scheinen wir nicht mehr „ganz rund zu laufen“, sind vielleicht müde und ausgelaugt, irgendwie ständig gereizt und dünnhäutig geworden.
Mit der Selbstfürsorge sollten wir nicht erst anfangen, wenn unser Akku bereits in hellstem Rot aufleuchtet. So lange sollten wir nicht warten – und so weit muss es auch gar nicht kommen, wenn wir regelmäßig auf unser inneres Gleichgewicht und Wohlbefinden achten und entsprechende „Inseln“ in unseren Alltag einplanen. Ein Signal dafür, dass es uns an Selbstfürsorge mangelt, kann es sein, wenn wir keine Lust mehr haben, um dem nachzugehen, was wir eigentlich sehr gerne tun.

Achtsamkeit & Innenschau

Eine bewährte Methode, um sich in Balance zu halten und vorbeugend dafür zu sorgen, dass wir gar nicht erst aus unserer Mitte fallen, ist es, wenn wir beginnen ein Tagebuch zu führen. Dabei geht es weniger um das Festhalten äußerer Ereignisse, sondern mehr um unsere Gefühle und Gedanken, die wir bei dem haben, was gerade passiert. Denn es ist doch so: Andere Menschen fragen wir gerne „Wie geht es dir?“, uns selbst stellen wir diese Frage aber meist nicht. Anfangs mag uns das Beschreiben eigener
Gefühle und Gedanken schwerfallen oder lästig erscheinen, doch wenn wir es tun, dann kommen wir nach und nach tiefer mit uns selbst in Kontakt. Wir geben unserer Seele jenseits des hektischen Alltags eine Möglichkeit zu Wort zu kommen und uns auf Dinge aufmerksam zu machen, die uns entgangen sind.

Praktische Umsetzung der Selbstfürsorge

Bei der Selbstfürsorge geht es darum, nach innen zu lauschen, eine Bestandsaufnahme zu machen und nachzuspüren, was jetzt – genau in dem Moment – wichtig ist. Folgende Fragen können Ihnen dabei helfen:

  1. Wie geht es mir momentan?
  2. Wie fühle ich mich?
  3. Bin ich zufrieden oder brauche ich etwas?
  4. Was geht gerade in mir vor?
  5. Wie fühlt sich mein Körper an?
  6. Was brauche ich jetzt, was tut mir gut?
  7. Und was tut mir nicht gut

Nehmen Sie sich für die Antworten ein bisschen Zeit und gönnen Sie sich etwas Abstand, Ruhe und Besinnung. Und dann geben Sie sich das, was Sie brauchen. Immer wieder. So lange, bis es sich richtig gut anfühlt. Manchmal geben wir für Freunde oder die Familie viel Geld aus. Fast immer sind wir aber knausrig, wenn es um uns selbst geht. Dann überlegen wir doppelt und dreifach, ob wir dieses oder jenes
auch wirklich brauchen, und greifen häufig zur günstigen Variante, obwohl uns die teurere besser gefallen hätte. Machen Sie sich deshalb immer wieder klar: Sie sind der wichtigste Mensch in ihrem Leben und deshalb verdienen Sie das Beste. Sie müssen nicht warten, dass jemand anderes Sie beschenkt. Sie können und dürfen sich selbst eine Freude machen, unabhängig von einem besonderen
Tag, Ereignis oder Fest. Einfach deswegen, weil es Ihnen gerade gut tut. Das ist Grund genug. Seelenschmeichler können beispielsweise sein: ein bunter Strauß Blumen für den Ess- oder Schreibtisch, ein Stück Ihres Lieblingskuchens, ein großer Eisbecher, die neue Ausgabe Ihrer Lieblingszeitschrift, ein paar warme Socken, ein frischer Farbton für Ihre Wände. Es kommt nicht darauf an, wie groß oder klein, teuer oder billig etwas ist. Vielmehr ist es die Geste und das Genießen, auf das es ankommt. Fragen Sie sich also jeden Tag: Womit könnte ich mir heute eine kleine Freude machen?

Wenn es um Selbstfürsorge geht, können wir viel von Tieren lernen. Sie tun und lassen meist das, was ihnen gerade gut tut.

Wenn es um Selbstfürsorge geht, können wir
viel von Tieren lernen. Sie tun und lassen
meist das, was ihnen gerade gut tut.

Gelebte Selbstfürsorge

Haben Sie eine Katze, einen Hund, einen Hasen oder ein Meerschweinchen? Wenn ja, dann nutzen Sie Ihr Haustier als persönlichen Coach, der Ihnen ein paar Kniffe beibringen kann. Tiere leben nämlich sehr instinktiv und intuitiv. Wenn sie müde sind, machen sie ein Nickerchen. Wollen sie spielen, dann
spielen sie. Wenn der Magen knurrt, wird gefressen. Davon können Sie sich etwas abschauen, indem wir einfach das tun, was wir gerade möchten und Arbeit, Sorgen und Ärger für den Moment sein lassen (sie laufen uns garantiert nicht davon). Ihre Katze rollt sich schnurrend auf der Couch zusammen? Legen Sie sich doch dazu und gönnen Sie sich eine Stunde Nachmittagsruhe. Der Hund liegt ausgestreckt auf der Terrasse und sonnt sich? Schnappen Sie sich eine Liege oder einen Stuhl und genießen Sie die Sonne. Notfalls können Sie sogar Ihre Arbeitsunterlagen mit nach draußen nehmen. Hase & Co verlangen unüberhörbar nach ihrem Mittagessen? Wäre das nicht der perfekte Zeitpunkt, um eine kleine Auszeit-Pause einzulegen und ebenfalls etwas zu essen? Eine wunderbare Möglichkeit, sich mehr um sich selbst zu kümmern, ist eine Selbstfürsorge-Woche. Die Heilpraktikerin und Autorin Karin Wylicil weiß, was Sie dazu brauchen:

1. Sie benötigen einige kürzere feste Zeitfenster, in denen Sie Zeit für sich zur freien Verfügung haben, und zwar täglich. Legen Sie diese Zeiten in Ihrem Terminkalender fest. Außerdem legen Sie einen längeren Zeitraum für sich fest, etwa einen Abend pro Woche.

2. Überlegen Sie sich dann, wie Ihre Selbstfürsorge-Woche aussehen soll. Was wollen Sie sich gönnen, was lässt Sie auftanken? Machen Sie sich eine Liste mit Dingen, mit denen Sie Ihre „Treffen mit mir“ füllen wollen: ein warmes Bad nehmen, eine Stunde auf dem Sofa mit Ihrer Lieblingsmusik verbringen,
einen Spaziergang machen, sich mit einer Freundin treffen, einfach nichts tun.

3. Gewöhnen Sie sich an die Selbstfürsorge: Verschieben Sie keinen Ihrer Selbstfürsorge-Termine. Allmählich wird es Ihnen zur Gewohnheit werden, sich selbst gut zu tun.

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Auch die Selbstfürsorge will erst (wieder) gelernt sein. Es braucht Zeit bis wir uns neue positive Verhaltens- und Lebensweisen angeeignet haben, bis wir intuitiv spüren, was uns gut tut und was weniger, wann eine Auszeit oder eine große Portion Seelenschmeichler fällig ist. Im Zweifelsfall ist unser Gefühl das Barometer, auf das wir achten sollten. Meist wissen wir selbst am besten, was in diesem Moment richtig und gut für uns ist. Wir müssen es nur tun.

Susan Freytag

 

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