Slow Travel

0

„Besuche einmal im Jahr einen Ort, den du noch nicht kennst.“ (Dalai Lama)

Slow Travel? Was ist das schon wieder für ein Trend? Gehören Sie auch zu denen, die finden, dass sie viel zu viel Zeit in sozialen Netzwerken verbringen statt mit realen Freunden in der Kneipe? Die viel öfter auf das Handy schauen als in die Landschaft? Und die sich zuweilen dabei ertappen, die Außentemperatur vom Handy abzulesen, statt einfach mal das Fenster zu öffnen und die Nase rauszuhalten? Mir geht es jedenfalls so. Und immer wieder nehme ich mir vor, künftig weniger Zeit mit den digitalen Medien zu verbringen. Vielleicht sogar mal ein paar Tage ganz darauf zu verzichten. Gelungen ist es mir bislang noch nicht. Jetzt denke ich aber: Der Urlaub wäre eigentlich die beste Gelegenheit dazu.

Datei 20.06.15 15 20 54

Slow Travel: Sich der Langeweile stellen und sie genießen.

Doch auch der Urlaub ist heute oft nur eine Verlängerung der Arbeitszeit. Er wird durchgeplant, soll effektiv sein, und iPhone und Laptop sind meist im Gepäck. So unterscheiden sich Zeiten der Erholung immer weniger von solchen der Arbeit. Auch im Urlaub geht es um Effektivität und darum, möglichst viel in kurzer Zeit zu erleben. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit werden fließend, und deshalb sind wir auch im Urlaub nicht mehr da, wo wir eigentlich sein könnten: in einer ganz anderen Welt, an einem einmalig schönen Strand in einer völlig anderen Umgebung. Doch inzwischen zeichnet sich ein Gegentrend ab.

Immer mehr Stressgeplagte buchen sich deshalb in teure „Black-Hole-Hotels“ ein. Das „schwarze Loch“ in dem Zusammenhang meint: Zeit zu finden für das reine Nichtstun, in der wir uns von nichts ablenken lassen außer den eigenen Gedanken. Doch ist es nicht genau das, was wir fürchten wie der Teufel das Weihwasser?

Wer heute im Urlaub wirklich abschalten und sich erholen will – vor allem von der digitalen Welt – kann Ferien im Funkloch machen, um gar nicht erst in Versuchung zu geraten, ständig auf sein iPhone zu starren. In einem „Black-Hole-Hotel“ bezahlt man dafür, dass man nicht erreichbar ist, keinen Fernseher und keinen Internet-Zugang hat. Auch manches abgelegene Gasthaus wirbt inzwischen damit, eben keinen Internet- und Handyempfang bieten zu können – und macht aus der Not eine Tugend. Aber auch anspruchsvolle Hotels der Fünf-Sterne-Kategorie verzichten bewusst darauf, einen WLAN-Anschluss ihren Gästen anzubieten – damit sich diese ganz und gar erholen sollen. Manche Hotels schnüren ihren Gästen sogenannte Digital-Detox-Pakete, die sie ihnen im Tausch gegen das Smartphone aushändigen. Darin enthalten sind dann zum Beispiel Stadtpläne aus Papier, Zeitungen und Entspannungskerzen. Und wer sich durch die digitalen Medien für akut erholungsgefährdet hält und besonders süchtig nach Facebook & Co. ist, kann in einem kalifornischen Hotel einchecken. Dort werden spezielle Sommercamps für Erwachsene angeboten, bei denen man das Smartphone am Eingang abgibt. Dafür besucht man dann Yogastunden, Meditationskurse und Handarbeits-Workshops und schreibt Nachrichten an die Lieben daheim mit der Schreibmaschine.

IMG_0607

Slow Travel: Die einzig richtige Art zu reisen ist die langsame.

Wer einen Urlaub der ganz anderen Art erleben möchte, der findet in dem Buch „Slow Travel“ des britischen Reiseschriftstellers Dan Kieran eine Philosophie des Reisens, die sich jenseits von Massentourismus und Top-Ten-Attraktionen abspielt. Kieran hat ganz unterschiedliche Fortbewegungsmethoden erprobt: zu Fuß gehen, mit Bummelzügen fahren, auf einem Floß treiben und sich dabei ganz bewusst dem Zufall, dem Chaos, der Natur ausgeliefert. Seine Erkenntnis lautet in etwa so: Die einzig richtige Art des Reisens, die den ganzen Blick auf die Welt ändert, ist die langsame. Und bei dieser Art des Reisens geht es vor allem um die innere Haltung.

Zu ihr gehört es für den 1975 geborenen Briten, dass wir uns gerade im Urlaub ganz auf die Zeitvorstellung des Kairos einlassen. Kairos ist ein alternativer Zeitbegriff der alten Griechen, der eben nicht die lineare Zeit meint. Kairos ist derjenige griechische Gott, der für die nicht messbare, subjektiv erlebte Zeit zuständig ist, für die „göttlichen Momente“ in unserem Leben, für den einen Moment, die Gelegenheit, die alles verändert, den richtigen Zeitpunkt. Gerade im Urlaub sollten wir uns diesem Gott ganz hingeben. „Wenn man ihn kommen sieht, muss man ihn beim Schopfe packen, um ihn aufzuhalten und die flüchtige Gelegenheit zu ergreifen, die er mit sich bringt. Wenn man aber zögert und nicht handelt, läuft er vorbei, man kann ihn nicht zurückholen, und der Augenblick ist für immer verloren.“, schreibt Kieran. Was er damit meint und was für ihn das Wesentliche des langsamen Reisens ist, kann so umschrieben werden: Wir sollen unsere Urlaubstage nicht verplanen, sie nicht in Hektik ausarten lassen, nein, wir sollen offen sein für die Zufälle, die passieren, uns treiben lassen von den Ereignissen, die einfach um uns herum geschehen. Wir sollen uns im Urlaub bewusst einlassen auf das, was uns widerfährt, auf das Ungeplante, Unvorgesehene, Spontane. Auf Begegnungen, Landschaften, Farben, Geschmäcker. Und wir sollen uns einlassen auf uns selbst und unser Inneres. „Die richtigen Erlebnisse passieren immer zufällig. Man geht mit Plänen los, aber es geht nicht darum, das zu sehen, von dem man schon vorher wusste, dass es da ist. Die Dinge, an die man sich erinnern wird, sind diejenigen, die man nicht vorhersehen kann.“

IMG_0625

Slow Travel: Einfach nichts tun, den Gedanken nachhängen, aufs Meer schauen.

Für mich geht es jetzt für eine Woche nach Fuerteventura. An einen Ort, den ich noch nicht kenne. Ob mir mein Vorsatz diesmal gelingt? Kein Handy, dafür den eigenen Gedanken nachhängen, aufs Meer schauen und vor allem: nichts planen, mich den “Zufällen” ausliefern. „Es gibt keine besseren Reisebegleiter als die unausweichlichen Gedanken und Empfindungen der eigenen Seele.“ (Paul Theroux). In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schöne Urlaubstage. Vielleicht erzählen Sie mir etwas von Ihrem letzten Urlaub.

Hier meine Tipps für einen Urlaub der etwas anderen Art:

  • Machen Sie keine Pläne darüber, was Sie alles machen wollen im Urlaub. Erwarten Sie nichts Bestimmtes. Lassen Sie sich dagegen auf alles ein, was Ihnen zufällig „passiert“.
  • Machen Sie in Ihrem Urlaub einmal keine Fotos, kaufen Sie keinen Reiseführer, lassen Sie alle Sehenswürdigkeiten weg und die Uhr im Hotelzimmer.
  • Heißen Sie unvorhergesehene Ereignisse und Katastrophen willkommen. Die Abenteuer kommen dann ganz von allein.
  • Lassen Sie iPhone und Laptop zu Hause. Und er zählen Sie allen, dass Sie nicht erreichbar sind.
  • Verschwenden Sie im Urlaub Ihre Zeit und üben Sie sich in der Kunst der Langeweile.
  • Schreiben Sie Ansichtskarten an Ihre Liebsten. Vergessen Sie nicht einen Füller mitzunehmen.

Lesen Sie dazu auch den Blog von Monalisa zu meinem Buch “Slow”.
Das Buch von mir “Slow – Die Entscheidung für ein entschleunigtes Leben” können Sie hier bestellen!
Übrigens: Das Buch “Slow Travel” können Sie hier bestellen!

Share.

Hinterlass eine Antwort