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Fluchtpunkt Andalusien
Traumurlaub im subtropischen Gartenparadies der Casa el Morisco mit Yoga, Tanzen, Trommelworkshop, Meditation und Mantrasingen. Barabara Simonsohn hat ihn genossen
Noch eine Woche Resturlaub. Wenn Sie verreisen und Glück haben, kommt Ihnen dies wie mindestens zwei Wochen vor und Sie nehmen den Zauber dieser kostbaren Ferienzeit in Ihren Alltag mit. Ein solches „Glück“ habe ich auf der Casa el Morisco erlebt, 20 Kilometer östlich von Málaga und nur 1,5 km zum nächsten Meeresstrand. Urlaub mit Freunden oder zumindest Gleichgesinnten, unter denen sich nach nur wenigen Tagen Freundschaften entwickeln. Köstliches vegetarisches Essen in einer subtropischen Landschaft mit Meeresblick und einem Licht, das es so nur in Andalusien gibt – dem „Land des Lichts“. Hier werden die meisten Sonnentage auf dem europäischen Festland gezählt.
Málaga ist von vielen Städten als Billigflug zu erreichen, zum Beispiel mit Ryan-Air oder Easy Jet ab 150 Euro. Jeder Gast wird sonntags vom Flughafen abgeholt und hingebracht. Ein Mietauto ist überflüssig. Fast alle Gäste bleiben eine Woche, einige auch zwei oder noch länger.
Nach der Ankunft verschlägt einem die Führung über das weitläufige Gelände über mehrere Ebenen mit subtropischer Vegetation den Atem. Drei sonnendurchflutete Seminarhallen, ein Salzwasser- Swimmingpool, Sauna, ein Riesentrampolin, ein Indischer Garten mit See und Tempel, ein „Garten der Sinne“, von Künstlern nach den Grundlagen des indianischen Medizinrades gestaltet, und eine Vielzahl von Fruchtbäumen wie Avocados, Feigen, Granatäpfeln, Wein, Japanische Mispel. Farbenfroher Hibiskus, Bougainvillea und Oleander verwöhnen das Auge und stolze Pfauen spazieren mit ihren Jungen durch die üppige Gartenlandschaft.
Der Schlüssel zum Glück liegt im richtigen Denken und Essen
| Malerisch gelegen und nur wenige Minuten zum Mittelmeerstrand: die Casa el Morisco. |
Viele kommen allein wegen der köstlichen vegetarischen und veganen Vollverpflegung mit viel frischem Obst und Gemüse aus Bio-Anbau. Andere kommen nur zum Entspannen. Das Frühstücks- und Abendbuffet ist reichhaltig, auch mittags gibt es ein Salatbuffet und warme Speisen. Alle Getränke, auch alkoholische, sind inklusive. Die Küchenphilosophie der Casa el Morisco lautet: „Den Schlüssel zum Glück erhalten wir durch das richtige Denken und Essen, wer glücklich ist, kann besser denken, wird aktiver, fühlt sich wohler und ist gesünder.“ Die gesunde Ernährung fördert das Wachwerden von Körper, Geist und Seele. Das Vollkornbrot wird selbst gebacken und es gibt zu jeder Mahlzeit hausgemachte Brotaufstriche. Wilfried, der Begründer der Casa, hat das Ziel, dass auch Nicht- Vegetarier diese Form der Ernährung ausprobieren und eingefahrene Ernährungsgewohnheiten überdenken. Belohnt wird der Körper mit einem neuen Wohlbefinden.
| Abschalten und Entspannen: in der Hängematte, am Meer oder im Swimmingpool. |
Weil man sich in der Casa el Morisco durch erfrischende Gespräche, gesundes Essen, Sonne und reine Luft so schnell regeneriert, liegen die meisten Gäste nicht allzu lange faul in der Hängematte, sondern bekommen Lust auf das vielfältige Programm, wie es im „Yoga-Wohlfühlprogramm“ angeboten wird. Oder sie lassen sich Massagen und Shiatsubehandlungen geben. Das täglich mindestens dreistündige Angebot des Yoga-Wohlfühlurlaubs umfasst Yoga verschiedener Schwierigkeitsstufen – es gibt hier fünf qualifizierte Yogalehrer – sowie Entspannung, Fantasiereisen, Singen, Trommelworkshops, Mantrensingen und Gesprächskreise. Alle Angebote sind freiwillig. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
In diesem Urlaub soll Yoga nicht nur zu einem Aha-Erlebnis werden, sondern zu einer Haltung von Gelassenheit, Zufriedenheit, innerer Ruhe und Gesundheit, die in den Alltag mitgenommen wird. Therapeutisches Yoga steht im Vordergrund. Die Yogalehrer „verschreiben“ auch in Privatstunden individuell zusammengestellte Übungen für körperliche Probleme wie Rückenschmerzen. Nach nur einer Woche ist das Üben zur Routine geworden, ich praktiziere seither den Sonnengruß und fühle mich damit schon morgens auch ohne Kaffee oder andere Stimulanzien fit.
Jeder kann sich bei der Gartenarbeit in Karma- Yoga üben
| Yoga gehört zum täglichen Programm. |
Ich finde es nur ein paar Tage schön, in der Hängematte mit einem guten Buch zu „chillen“. Irgendwann reicht es! Ich frage Herbert, den Gärtner, ob er für mich Aufgaben im Garten hätte. Daraufhin zeigt er mir, welche Beete zu pflegen sind und wo die Gartengeräte stehen. Mit Wasserflasche und Strohhut „bewaffnet“, mache ich mich an die Arbeit. Ich finde gleich eine wunderschöne Pfauenfeder. Ich schenke sie einem sympathischen Gast.
| Auch ein wichtiger Wohlfühlfaktor: das Erleben von Gemeinschaft. |
Die ersten beiden Beete gehen flott von der Hand. Beim Abknipsen der vertrockneten Blüten kommt mir die Idee, dass Gärtner wohl das Thema „Vergänglichkeit“ und damit Tod ausblenden. Als Herbert noch mal vorbei kommt, sagt er, dass das Abknipsen der alten Blüten deshalb so wichtig ist, weil sonst die ganze Kraft der Pflanze in die abgestorbenen Blüten geht. Er zeigt mir üppig blühende gelbe Büsche und nicht so prächtig blühende von der gleichen Sorte daneben, bei denen tatsächlich noch die alten Blüten dran sind. Und wirklich: Diese Büsche scheinen zu leiden, sie sehen müde und alt aus. Ich mache mir die neue Sichtweise zu eigen, dass es sinnvoll ist, das Alte zu entfernen, und fühle mich gut beim Ausknipsen vertrockneter Blüten. Das Unkrautrupfen fühlt sich mehr an wie Straßenbauarbeiten. Mit einer Art Spitzhacke hacke ich in den knüppelharten, total verdichteten Boden. Das Unkraut hat tiefe und nach allen Seiten verzweigte Wurzeln. Es sieht harmlos aus wie Grünlilien, ist es aber nicht. Ich erlebe, wie Aggressionen in mir aufsteigen. Giersch und Quecke, die ich aus meinem Garten kenne, sind nichts dagegen. Vollmundig hatte ich zunächst versprochen, ein etwa 20 qm großes Beet von Unkraut zu befreien. Am Ende habe ich vielleicht ein Fünftel geschafft, bei vollem Körpereinsatz. Ich bin aber trotzdem zufrieden, habe ich doch alles, und damit mein Bestes, gegeben! Die Rosen strahlen wieder in voller Farbenpracht, die Agaven und Aloe-Pflanzen sehen aus wie stolze Statuen. Ein Wermutstropfen: Am Ende nutzt eine der vier Katzen das unkrautfreie Zentrum als Toilette. Ein Gast tröstet mich: Das solle ich als Kompliment dafür auffassen, wie gründlich ich gearbeitet habe. Beim Karma-Yoga soll man nicht auf die Ergebnisse und schon gar nicht auf Belohnung schielen. Trotzdem bin ich froh, als Herbert am letzten Tag nach einer anstrengenden Yoga-Session auch mich dankend und lobend erwähnt. Weil dies so unerwartet kommt, treten mir Tränen in die Augen.
Ein Highlight: Ausflüge in die wunderschöne Umgebung
| Wer durch dieses Tor geht, vergisst den Alltag und schöpft neue Kräfte. |
Ausflüge und mehrstündige Wanderungen stehen das ganze Jahr über auf dem Programm. Eine Vollmondwanderung in einem Kalksandsteingebirge in der Nähe von Málaga unter der Leitung von Eberhard, Wilfrieds Bruder, wird mir ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Dabei unterhält er uns mit kleinen Anekdoten, netten Geschichten, Witzen und Insider-Informationen und verteilt auf der Fahrt köstliche Bonbons. Der Mond geht orangefarben auf, die Venus wirkt ganz weiß dagegen. Das Gebirge sieht aus wie ein kleiner Gran Canyon. Oben begrüßt uns ein junger Fuchs im Mondlicht, einfach magisch. Weiter unten sehen wir ihn noch einmal. Einige Teilnehmer sind nicht ganz schwindelfrei und werden von den Casa-Mitarbeitern unter die Arme genommen und fast den Gipfel hinuntergetragen.
Auch der Ausflug zu einer kristallklaren Bucht mit der Möglichkeit zum Schnorcheln ist ein Highlight meines Aufenthalts. Den Marktbesuch finden meine Kinder attraktiv, die sich T-Shirts und Ledergürtel für zwei Euro kaufen. Doch schnell sind mir die Menschenmassen, das Gewusel, Gefeilsche und das Angebot schreiend bunter Billig-Waren vor allem aus Fernost zu viel, und ich sehne mich nach der idyllischen und friedvollen Casa el Morisco zurück.
Der Begründer der Casa, Wilfried, hatte mit Mitte vierzig alle möglichen Zipperlein und stellte als Konsquenz daraus seine Ernährung auf Vegetarisch um. Nach einer Heilpraktikerausbildung wusste er: „Ich will etwas mit Gesundheit machen. Aber nicht helfen oder heilen, sondern andere Menschen in die Lage versetzen, gesünder zu leben.“ Nur gesunde Ernährung, das reichte in seinen Augen nicht, und so ließ er sich als Yogalehrer ausbilden. Heute geht sein Konzept eines Wohlfühlurlaubs in Andalusien auf und er ist selbst ein Beispiel dafür, was jeder mit einer gesunder Lebensweise erreichen kann: stabile Gesundheit, eine ansteckend gute Laune, nicht nur vom Leben träumen, sondern seine Träume verwirklichen. Für Wilfried gehört jetzt, mit Mitte sechzig, das Abenteuer Vaterschaft dazu. Für seine entzückende kleine Tochter, die er mit einer Spanierin hat, will er noch lange fit und gesund sein.
INFOCasa el Morisco, Benajarafe/Málaga
Tel. 0034-952 51 33 14
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
www.morisco.de.

