Immer mit der Ruhe

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Alle Welt spricht davon, aber immer weniger Menschen finden sie: Ruhe und Gelassenheit. Dabei beginnt die Stressbewältigung im Kopf. Die Frage lautet also: Gibt es eine Möglichkeit unser Gehirn zu mehr Ruhe und Gelassenheit zu erziehen?

Das Warten darauf, dass sich die äußeren Dinge so einrichten und die anderen Menschen so verhalten mögen, dass wir mehr Gelassenheit erlangen können, ist ein immer noch weit verbreiteter Trugschluss. Eine solche Einstellung kann einen sogar ganz schön runterziehen und unausgeglichen machen. Das Geheimnis der Gelassenheit lautet vielmehr: Es geht einzig darum, wie wir selbst der Welt begegnen.

Den lieben Gott einen guten Mann sein lassen

Weshalb fällt es uns so schwer, mehr Gelassenheit zu entwickeln? Wir alle kennen doch diese Momente, in denen es uns rundum gut geht. Wir schwelgen dann einfach ganz in diesem Moment, sind völlig bei uns. Wir wissen also sehr wohl, dass uns das guttut und wie sich das anfühlt. Aber anscheinend befinden wir uns etwas zu selten in einem solch ausgeglichenen Zustand.
Verhältnismäßig viel Zeit verbringen wir stattdessen damit, uns mit äußerlichen Dinge zu beschäftigen und mit Überlegungen dazu, was sich dort alles ändern und/oder bessern müsste. Dazu fällt mir immer das berühmte „Warten auf Godot“ ein: „Ist aussichtslos, kommt nicht!“ Auch das ist nichts Neues, oder?!
Es scheint einfach leichter zu sein, sich mehr mit dem Außen, anstelle dem eigenen Innenleben auseinanderzusetzen. Ist das wirklich so? Da gibt es doch diesen schönen Spruch: „Den lieben Gott einen guten Mann sein lassen“. Er bezeichnet genau jenen Zustand, den wir gemeinhin als Gelassenheit bezeichnen, und verrät gleichermaßen, worum es eigentlich geht: Einfach sein lassen und zwar nichts weniger als die gesamte Schöpfung – und da gehören auch wir dazu.
Die gute Nachricht lautet: Genau dieses Sein-lassen – sich und andere – kann man trainieren! Jeder! Gelassenheit braucht aber wie alles andere auch Übung – oder wie viele kleine Buddhas kennen Sie von Geburt an? Gelassenheit ist nichts weniger als eine wichtige Voraussetzung für ein glückliches Leben. Wenn wir ganz bei uns sind, kann uns nichts so schnell aus der Bahn werfen.

Unser Gehirn sorgt für uns

Unser Gehirn ist ein wunderbares Instrument, immer darauf aus, uns optimal zu versorgen, Vorgänge unseres Körpers zu unserem Wohl zu steuern und zu schützen. Auf Reize von außen reagiert es äußert sensibel, vielleicht nicht immer in dem Maße, das wir als angemessen bezeichnen würden. So haben Messungen ergeben, dass wir beispielsweise auf den Signalton unseres Mobiltelefons mit einer körperlichen Reaktion ansprechen, die mit jener zu vergleichen ist, die unsere steinzeitlichen Vorfahren durchmachten, wenn sie sich der Bedrohung des oft bemühten Säbelzahntigers ausgesetzt sahen. Also allerhöchste Alarmbereitschaft und Überlebensmodus. Dabei werden Stresshormone ausgeschüttet, das Herz pumpt schneller, der Atem wird flacher, Schweißdrüsen sind aktiviert und die Muskulatur spannt sich an. Das ist nur einer der vielen Reize, auf die unser Gehirn anspringt und etwas überzogen reagiert.
Leider ist es mit dem gut gemeinten Hinweis, sich nicht immer alles so zu Herzen zu nehmen und/oder einfach mal etwas entspannter zu reagieren, nicht getan. So einfach ist das eben nicht. Das ist aber gleichzeitig eine gute Nachricht, denn die Information, dass wir nicht alle völlig verkehrt gepolt sind, ist doch schon mal viel Wert. Eine gute Ausgangssituation, die Sache entspannter anzugehen, um eine positive Veränderung, hin zu mehr Gelassenheit einzuläuten. Kathrin Stein

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Den ganzen Artikel mit mehreren Übungen finden Sie unserer bewusster leben Ausgabe 5/2018

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