Ruediger Dahlke über vegane Ernährung

Der Arzt, Bestsellerautor und Seminarleiter Ruediger Dahlke setzt auf eine vegane Ernährung . Hier spricht er über das Geheimnis guten Essens, über die Lebensenergie der Nahrung und darüber, warum Rohkost mit Wärmendem ausgeglichen werden sollte.

Herr Dahlke, Sie sind ein renommierter Verfechter der fleischlosen Ernährung. Verraten Sie uns: Was ist das Geheimnis guten Essens?

Dass es gesund ist und dabei trotzdem sehr gut schmeckt. Ersteres ist wichtig für gute Lebensenergie und letzteres, damit wir auch dabei bleiben.

Mit Ihrem Buch „Peace Food“ hatten Sie einen Bestseller gelandet. Was ist Peace Food und wie wirkt die Peace Food-Kost?

„Peace Food“ ist pflanzlich-vollwertiges Essen, das wissenschaftlich begründet ist. Vegan allein reicht tatsächlich nicht, denn Weißmehl und Zucker, Whiskey und Wodka sind vegan, aber überhaupt nicht gesund. Vollwertigkeit ist also zwingend für gesunde Kost. „Peace Food“ wirkt – medizinisch gesehen – entlastend, senkt die Entzündungs- und Allergiebereitschaft, verbessert die Immunsituation, was auch Autoimmunprobleme wie Rheuma lindert, es schont die Gefäße und senkt das Krebsrisiko. Außerdem beendet es Völlegefühle, entlastet den Darm und führt ihm ausreichend Ballaststoffe zu. Es ist die für mich persönlich beste Maßnahme zur gesundheitlichen Vorbeugung.

Wie sieht eine Ernährung aus, die uns wirklich stärkt und vitalisiert?

Sie sollte sowohl Lebensenergie als auch Lebenswärme vermitteln. Ersteres gelingt über sonnenreiche, d.h. eine Ernährung mit viel Biophotonen. Letztlich läuft das auf möglichst frische Pflanzenkost hinaus. Letzteres ist nur über Wissen bezüglich der thermischen Qualität der Nahrung wie die TCM – Traditionelle Chinesische Medizin – es bereitstellt, möglich, also ganz praktisch: Im Winter brauchen wir mehr wärmendes Wurzelgemüse wie etwa Ingwertee und im Sommer eher kühlende Kost wie sonnengereifte Früchte. In den uralten chinesischen Schriften des gelben Kaisers ist das erstmals beschrieben, und auch wenn es bis heute nicht wissenschaftlich belegt ist, hat doch jeder ein Gefühl dafür.

Wie sollte Rohkost mit warmer Nahrung ausgeglichen werden?

Frische vegane Rohkost enthält tatsächlich am meisten Biophotonen und bringt so die von Prof. Fritz Albert Popp als Biolumineszenz bezeichnete „Qualität des Leuchtens“ des Lebens am besten in uns zum Ausdruck. Dieses Phänomen des Sonnenlichts in der Nahrung und anschließend in uns, ist bisher dramatisch unterschätzt worden, sowohl was die Wirkung der Sonne auf der Haut in Bezug auf Vitamin D als auch in der Nahrung ausmacht. Diese Aufnahme von Licht – der Physiknobelpreisträger Erwin Schrödinger nannte den Menschen einen Lichtsäuger – hat wohl auch mit unserer Ausstrahlung zu tun. Von ihr wissen wir ja doch alle, etwa wenn wir von einem Kind sagen, es sei keine Leuchte, und andererseits aber von leuchtenden Vorbildern sprechen. In den meisten Kulturen und Traditionen ist das Phänomen des Heiligenscheins bekannt, das Zen-Buddhisten etwa das leuchtende „Jadekissen Ju-Zen“ nennen. Wahrscheinlich hat aber auch das im Westen bekannte und geschätzte Charisma hier seine Wurzeln. Allerdings muss solcher Reichtum an Lebensenergie durch ausreichend Lebenswärme ausgeglichen werden. Insofern braucht es hier einen gesunden Kompromiss. Meine in dem Buch „Geheimnis der Lebensenergie“ dargestellte Lösung lautet: soviel Frische und Rohkost wie möglich, soviel gekochte und Yang-haltige Nahrung wie nötig.

Setzen Sie auf spezielle Superfoods?

Um den ersten Platz konkurrieren für mich hier die Brennnessel und der Löwenzahn – gefolgt vom Grünkohl. Die bekommen wir frisch, gratis und in beliebiger Menge – jedenfalls in der entsprechenden Jahreszeit. Natürlich beschreibe ich in meinem Buch „Geheimnis der Lebensenergie“ auch die Potenz von Moringa und Chia-Samen, allerdings sind die in getrockneter Form schon nicht mehr so frisch, dafür relativ teuer und insofern mengenmäßig für die meisten beschränkt. Immerhin ist Trocknung – was die Biophotonen angeht – auch die von der Natur genutzte und damit beste Methode der Haltbarmachung. Ideal wenn wir getrocknete Samen keimen lassen und dann erst essen. Von den exotischen Superfoods finde ich vor allem Kokosöl und Kurkuma unverzichtbar.

Weizen gerät mehr und mehr in den Verruf ungesund zu sein. Was ist nach Ihren Erkenntnissen bei Weizen zu beachten?

Nachdem ich über Jahrzehnte die Winter in Asien verbrachte, weil ich mich dort noch um so vieles besser fühlte im Hinblick auf die Tiefe der Meditation, aber auch die Tiefe der Abstraktion, der Konzentration, habe ich erst vor drei Jahren herausgefunden, woran es lag. Dort aß ich automatisch gluten- und damit Weizen-frei. Seit ich das auch in Europa mache, geht es mir auch hier ungleich besser und tatsächlich richtig gut. Also würde ich jedem raten, mal den Versuch zu machen, einen Monat glutenfrei zu essen, was ja bedeutet auch Roggen, Gerste und Dinkel wegzulassen. Viele werden dadurch immense Verbesserungen erleben im Hinblick auf ihren Geist, aber auch darüber hinaus.

Was sagen Sie zum Thema Kalzium-Zufuhr?

Am wichtigsten ist es, dass wir möglichst keine Milch und auch keine Milchprodukte zu uns nehmen, denn obwohl Milch einiges an Kalzium enthält, nimmt sie dem Organismus unter dem Strich deutlich mehr als sie ihm zuführt. Es gibt genügend Pflanzen, die ausreichend Kalzium enthalten.

Wie wichtig ist das richtige Essen überhaupt für unsere Gesundheit?

Letztlich ist Essen zwar sehr wichtig für unsere Gesundheit, aber natürlich lässt sich über den Darm auch keine Erleuchtung erreichen, es gibt also noch Wichtigeres. Für mich drückt das am besten das Wort Psychosomatik aus, wo die Seele und der Körper nebeneinander stehen, aber auch in der stimmigen Reihenfolge, eben zuerst die Seele und dann der Körper.
Das Gespräch führte Beate Förster

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