Achtsamkeit im turbulenten Arbeitsalltag – wie soll das gehen?

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7 Fragen an Justus Ludwig, Experte für Achtsamkeit in Unternehmen und Organisationen

  1. Was ist denn eigentlich Achtsamkeit (engl. Mindfulness)?

Bei Achtsamkeit / Mindfulness geht es um eine Qualität des Erkennens, die nicht zu verwechseln ist mit unserer alltäglichen Bewertung der Dinge. Sie beschreibt ein wertfreies, bewusstes Erkennen von mir, meiner Innenwelt aber auch meiner Umwelt.

  1. Ist es möglich ohne bestimmte Technik Achtsamkeit zu praktizieren?

Die Qualität des „wertfreien Erkennens“, also das achtsame Wahrnehmen, ist nicht an eine Technik gebunden und es ist natürlich möglich, sich daran in den verschiedensten Momenten seines Lebens oder auch z.B. an einem Arbeitstag zu erinnern und diese Haltung auf das gerade Erlebende zu richten. Meditation, im Sinne eines Bewusst-Seins bedarf keiner Technik. Zu Beginn ist es allerdings häufig so, dass wir an diesen Zustand der Wahrnehmung noch nicht gewöhnt sind. Hier können formale Achtsamkeitsübungen, wie die Innehalten-Übung, helfen, den Körper und Geist an diese Haltung zu gewöhnen.

  1. Sie sprechen von formalen Übungen, was sind denn informelle Übungen?

Formale Achtsamkeitsübungen sind z.B. Meditationen in denen wir die Augen schließen können und uns unserer Körperempfindungen oder unserer Atmung gewahr werden. Informelle Achtsamkeitspraxis ist z.B. wenn wir in einer Alltagssituation präsent und bewusst sind. Es gibt einen Stau und wir sitzen im Auto und ärgern uns, dass es nicht weiter geht. Eine informelle Praxis kann jetzt sein: uns in der Situation wahrnehmen, den Kontakt unseres Körpers zum Autositz spüren, die Temperatur im Auto empfinden und unseren Kontakt mit den Händen am Lenkrad. Bemerken, dass wir gerade Zeit geschenkt bekommen – spüren wie wir atmen und präsent und wach den Moment erleben. Und vielleicht können wir sogar diesem Moment wohlwollend begegnen als eine freundliche Einladung unsere Geduld zu trainieren J

  1. Und woran erkenne ich dann, dass ich es richtig mache und die Achtsamkeitsübung wirkt?

Die positiven Auswirkungen von Achtsamkeitsübungen sind meiner Erfahrung nach „Nebenprodukte“, die durch die tägliche Praxis des Erkennens entstehen. Sie sind allerdings nicht das Ziel einer Achtsamkeitspraxis und das fokussieren auf die Erreichung einer Wirkung kann eher dazu führen, dass die erhoffte Wirkung eben nicht eintritt. Man kann auch nicht richtig oder falsch Achtsamkeit praktizieren. Das Gewahrsein der Aufmerksamkeit z.B. auf den Atem, legt vielleicht nahe, daran zu denken, dass „falsch“ praktiziert wurde, wenn man sich durch Gedanken hat ablenken lassen. Doch das wertfreie Beobachten, wie der Geist funktioniert und wie „sich ablenken lassen“ funktioniert ist doch ein schöner Schritt.

  1. Was hat sich bei Ihnen geändert seitdem Sie sich mit Achtsamkeit beschäftigen?

Ich erlebe und erfahre häufiger eine Verbundenheit mit der Situation in der ich mich gerade befinde. Erkenne und spüre was gerade da ist – wieviel Vielfalt und welchen unglaublichen kleinen Sensationen des Lebens um mich herum existieren. Das erzeugt ganz häufig Freude, Staunen und Zufriedenheit. Allerdings – auch das passiert – bemerke ich seit meiner über 15-jährigen Achtsamkeitspraxis auch immer wieder Momente, in denen ich (leider) unglaublich unachtsam bin. Dann unterstützt mich Achtsamkeit dabei, nicht anschließend hart oder abwertend mit mir selbst umzugehen. Achtsamkeit hat deshalb bei mir auch dazu beigetragen, entspannter und liebenswerter mit mir selbst zu sein.

  1. Zum neuen Jahr nehmen sich viele Menschen vor achtsamer zu sein und Veränderungen umzusetzen – kann Achtsamkeit dabei unterstützen?

Ein Tipp für das neue Jahr: Wenn Sie sich Veränderungen zum Neujahr vornehmen und es „schon wieder“ nicht schaffen z.B. mehr Sport zu machen, gesünder zu essen oder eben entspannter im Büroalltag zu sein, erinnern sie sich daran wertfrei zu beobachten, was in diesen Momenten in Ihnen passiert. Bleiben Sie freundlich, wohlwollend mit sich und verständnisvoll. Vielleicht kann es zunächst hilfreich sein, sich seiner inneren Motive für die angestrebte Veränderung bewusst zu werden. Beantworten Sie sich die Frage: was möchte ich wirklich verändern? Was kann mich dabei unterstützen? Was empfinde ich, wenn ich daran denke, mein Vorhaben umzusetzen? Welche Hinweise würde mir mein Körper geben, wenn er sprechen könnte?

Ich wünsche Ihnen alles Gute für ein achtsames neues Jahr 2019 -mit einem Lächeln Ihr Justus Ludwig

J.Rolfes

Justus Ludwig berät und unterstützt mit seinem Team Mehrwert Achtsamkeit deutschlandweit Unternehmen und Organisationen bei der Einführung und Einübung achtsamkeitsbasierter Angebote und Formate.

Weitere Informationen unter:

www.mehrwert-achtsamkeit.de

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