Achtsamkeit und Hypnose

0

Achtsamkeit und Hypnose – ein heilendes Tandem

In seinem Buch „Achtsamkeit und Hypnose“ beschreibt der Arzt Michael Harrer das Zusammenspiel und die Anwendung von Hypnose und Achtsamkeit in der Psychotherapie. Er zeigt darin, wie diese beiden komplementären Behandlungsmethoden sich nicht etwa gegenseitig ausschließen, sondern als Tandem in der Psychotherapie wirkungsvoll befördern. Harrer erklärt die Wirkfaktoren, Möglichkeiten und Grenzen einer kombinierten Nutzung von Achtsamkeit und Hypnose und vermittelt gut nachvollziehbar deren praktische Umsetzung. Sie wird erleichtert durch Anleitungen zu Trancen und Achtsamkeitsübungen sowie durch Vorschläge zur wörtlichen Formulierung von Trancen bzw. von Trancebausteinen.
Wir sprechen mit Michael E. Harrer über den neuen Therapieansatz, mit dem er selbst schon zahlreiche positive Erfahrungen gemacht hat:

Herr Harrer, das „Manager Magazin“ titelte neulich erst mit „So geht Achtsamkeit!“ Können Sie uns sagen, wie Achtsamkeit geht?
Achtsamkeit ist etwas einfaches, wobei es oft gar nicht einfach ist, achtsam zu sein. Im Grunde geht es darum, all das beiseite zu lassen, was uns daran hindert, die Welt in jedem Moment so wahrzunehmen und zu akzeptieren, wie sie ist. Oft verhindern Bilder, die wir uns machen, den unmittelbaren Kontakt auch mit uns selbst. Oft sind wir außer uns, arbeiten nur mehr To-do-Listen ab und sind im Kampf- oder Fluchtmodus.

Der andere Stichwortgeber Ihres neuen Buches ist die Hypnose und das Phänomen, mit dem sie arbeitet: die Trance. Was ist eine therapeutische Trance?
Trancen sind jedem Menschen bekannt: Wenn wir ein Buch lesen oder fernsehen ist unserer Aufmerksamkeit so absorbiert, dass wir alles rundherum vergessen. In Problemtrancen hypnotisieren wir uns selbst, indem wir uns von Angst machenden oder depressionsauslösenden inneren Bildern oder Gedanken beherrschen lassen. In therapeutischen Trancen stellen wir uns vor, wie wir uns fühlen, wenn Probleme gelöst sind und welche Schritte wir dorthin gehen. Oder wir gewinnen Abstand von unheilsamen Erinnerungen, indem wir sie aus sicherer Entfernung auf einem inneren Bildschirm betrachten.

Wie sind Sie auf die eigentümliche „Dialektik“ von Trance und Achtsamkeit gestoßen, und wie würden Sie das Zusammenwirken dieser ebenso antagonistischen wie verwandten Bewusstseinszustände beschreiben?
Ich kam über die Körperpsychotherapie und die Hakomi-Methode zur Achtsamkeit. Auf den Punkt gebracht hilft uns die Hypnose, unsere Problemtrancen durch Lösungstrancen zu ersetzen, neue Verhaltensmöglichkeiten zu erarbeiten und zu automatisieren. Die Achtsamkeit wirkt als De-Hypnose, indem sie uns hilft, unwillkürliche Muster zu unterbrechen, aus Problemtrancen „aufzuwachen“, die Welt immer mehr so wahrzunehmen, wie sie ist, und daraus abgeleitet, angemessen zu handeln.

Das Interview führte M. Seul-McGee

BUCHTIPP
Michael E. Harrer
Achtsamkeit und Hypnose
Auer Verlag, € 29,95

 

 

 

 

 

 

 

 

Den ganzen Artikel und das vollständige Interview finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 4/2018

Share.

Hinterlass eine Antwort