Alles ist gut!

Im Buddhismus ist der Gleichmut eine Voraussetzung dafür, sich nicht von vermeintlich schlimmen äußeren Umständen aus der inneren Ruhe bringen zu lassen. Eine Eigenschaft, die uns heute gut täte. Der buddhistische Mönch Ajahn Brahm erklärt, was es damit auf sich hat.

Sobald wir ganz im Augenblick sind, befinden wir uns in einem Zustand, den wir im Deutschen Gleichmut nennen. Eng damit verwandt ist der Ausdruck Unerschütterlichkeit: Was auch geschehen mag, geschieht, und wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen, verlieren nie die Fassung. Was wiederum mit Distanziertheit und friedvoller Passivität einhergeht. Und darin schwingen Los- und Zulassen mit. Gleichmut wird oft mit Ausgeglichenheit gleichgesetzt, und die schätzen ja viele, wenn auch die meisten nicht ganz so sehr wie Buddhisten. Im Sanskrit heißt Gleichmut upeksha und gehört neben liebender Güte, Mitgefühl und Mitfreude zu den Brahmaviharas beziehungsweise den „vier Unermesslichen“. Aber was ist eigentlich das Besondere am Gleichmut? Nun, ganz einfach: Er bestärkt uns in geistiger Neutralität, Nichtanhaftung und einer Nondualität, die alle Differenzen zwischen diesem und jenem, zwischen hier und da, richtig und falsch, innen und außen, Ihnen und mir auflöst. Alles ist gleich.

Es gibt keine Gedanken, nur den gegenwärtigen Augenblick

In Wahrheit gibt es keinen Unterschied zwischen den Gedanken. Weil es nämlich überhaupt nur einen Gedanken gibt: den gegenwärtigen Moment – ohne Vergangenheit und ohne Zukunft. Ohne Konflikt, ohne Gegensätze, ohne Widersprüche. An deren Stelle empfinden wir Eintracht, Heiterkeit und Ruhe. Alles scheint uns sehr geruhsam und klar. Gleichmut heißt totale – vollkommene und absolute – Entspannung. Keinerlei Grund zur Besorgnis. Alles fühlt sich geregelt an. Im Wald steht jeder Baum an genau der richtigen Stelle. Jedes Blatt ist exakt da, wo es hingehört. Und genauso verhält es sich auch mit den Felsen, den Feldern und Flüssen. Alles ist genau richtig so, wie es ist. Nichts muss hinzugefügt oder entfernt werden. Reines Sitzen, reines Stehen, reines Gehen, reines Trinken, reines Essen, reines Schlafen. Es windet, es donnert und es regnet. Alles ist gut. Genauso, wie es ist.

Zum Weiterlesen: Ajahn Brahm/Master Guojun, “Nur wer loslässt, kann auch fliegen”, Lotos Verlag, 16 Euro

Den ganzen Artikel unserer Ausgabe bewusster leben 6/2019

Diesen Artikel teilen

Schreiben Sie einen Kommentar