Bandscheibenvorfall: Konservative Behandlung genauso erfolgreich wie operative

Untere Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit, an der weltweit Millionen von Menschen leiden. Teils mit der Diagnose Bandscheibenvorfall

Schon im Jahr 2006 kam die Vergleichsstudie Spine Patient Outcomes Research Trial (SPORT) zum Schluss, dass Patienten mit Rückenschmerzen zu häufig operiert werden. Konservative Behandlungsansätze sind Operationen laut den Studienergebnissen in keiner Weise unterlegen. Operierten Patienten geht es zwei Jahre nach der Operation offenbar nicht besser als auf andere Weise behandelten. Zu den verbreitetsten Ansätzen des natürlichen Therapiezweigs zählen im Falle von Bandscheibenleiden Bewegungstherapie und Stressabbau. Die genannte ist nicht die einzige Studie, die für nichtoperative Behandlungswege spricht. Auch alternative Therapien wie Akupunktur haben sich in Studien als effektiv erwiesen.

Entlastung, Bewegung und Entspannung

Stechende Schmerzen, die in den Rücken einschießen und von dort aus bis ins Bein ausstrahlen. Diese sogenannte Ischialgie ist oft das Hauptsymptom des Bandscheibenvorfalls. Sich zu bücken ist vielen Patienten kaum noch möglich. Sowohl in sitzender als auch liegender Position erleben die meisten anhaltenden Leidensdruck mit Bewegungsbeeinträchtigungen. Obwohl Behandlungsansätze für Bandscheibenvorfälle seit Jahrzehnten erforscht werden, sind sich Experten zur besten Therapie noch immer uneinig. Fest steht, dass sich die Rückenoperationen in Deutschland häufen. Hunderttausende werden laut dem Statistischen Bundesamt jährlich operiert. Viele davon unnötigerweise, wenn es nach Studien wie der SPORT-Vergleichsstudie geht.

Laut den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie sind bis zu 90 Prozent aller Bandscheibenvorfälle konservativ behandelbar. Insgesamt geht es bei den natürlichen Behandlungsansätzen um Bewegung, Entlastung und Entspannung. Die verbreitetste Ursache für degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule sind Überlastungen, wie sie durch langes Sitzen, falsches Liegen und Bewegungsmangel entstehen. Auch Stress gilt als Ursachenfaktor, weil in Überlastungssituationen die Rücken- und Nackenmuskeln verkrampfen.

Aktiv bleiben dank natürlicher Schmerztherapie

Vor Jahrzehnten wurde Menschen nach Bandscheibenvorfällen noch Bettruhe verordnet. Heutzutage weiß man, wie wichtig Bewegung bei Rückenbeschwerden ist. Je passiver man wird, desto schwächer wird das Gewebe. Dadurch können sich Probleme mit den Bandscheiben verschärfen. Um trotz Schmerzen aktiv an Bewegungstherapien teilnehmen zu können, stehen von Massagen bis hin zu physikalischen Therapieansätzen unterschiedliche Schmerzbehandlungen zur Verfügung. Auch Ultraschalltherapie und Entspannungsübungen können die Schmerzsymptomatik lindern. Alternativmedizinische Ansätze wie Akupunktur und Reiki tragen in vielen Fällen zur Entspannung und Entlastung bei.

Unmittelbar nach starken Schmerzattacken begeben sich Bandscheibenpatienten am besten in schonende Liegepositionen. Viele Betroffene halten die Stufenlagerung für die angenehmste Haltung. Die Unterschenkel liegen hierbei auf einer Ablage, die zu den Oberschenkeln einen 90-Grad-Winkel bildet. Von besonderer Bedeutung ist auch die Wahl der richtigen Matratze. Vielfach ist zu vernehmen, dass eine recht harte Unterlage am besten für den Rücken sei. Diese pauschale Sicht gilt heute als überholt. Wichtig ist vielmehr, dass die Matratze gut zum Körper des Liegenden passt, damit sie einerseits nicht zu weich ist, sich andererseits aber auch an dessen Silhouette anpasst. So ist sichergestellt, dass die Matratze dort nachgibt, wo es nötig ist, aber zugleich wichtige Körperpartien stützt. Auch ein Wasserbett lässt sich gut an die natürliche Wirbelsäulenkrümmung anpassen, indem der Wasserdruck variiert wird. Ein angenehmer Nebeneffekt ist hierbei die wohltuende Wärme, die sich einstellen lässt.

Vor Operationen zweite Meinung einhole

In vielen Fällen heilt sich der Körper nach einem Bandscheibenvorfall innerhalb einiger Wochen selbst, solange Patienten aktiv bleiben. Dauern die Beschwerden länger an, schlagen Ärzte häufig Operationen zur Entlastung der betroffenen Nerven vor. Weil in Deutschland nach Auffassung vieler Fachleute zu viele Bandscheiben-Operationen durchgeführt werden, holen Patienten vor der Entscheidung für einen Eingriff im Idealfall eine zweite Meinung ein.

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