Besser schlafen dank TCM – gegen Schlafstörungen

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Schlafen ist so lebenswichtig wie Atmen, Essen oder Trinken. Wenn wir nicht gut ein- oder durchschlafen können, kann das viele Ursachen haben. Die Traditionelle Chinesische Medizin hat dafür eigene Erklärungen und Behandlungsmöglichkeiten für einen besseren Schlaf.

Schlafen ist ein Vitalbedürfnis. Jeder Mensch wird in schöner Regelmäßigkeit müde. Grund dafür ist unser Biorhythmus, der den Schlaf- und Wach-Rhythmus steuert, und dies alles von einem sehr kleinen Areal in unserem Gehirn aus. Höchstwahrscheinlich muss jedes Lebewesen ausruhen; selbst Insekten fallen regelmäßig in den Schlaf. Der Mensch muss schlafen, damit seine Lebensfunktionen aufrechterhalten werden – im Durchschnitt sollten es sieben bis acht Stunden sein. Schlafen wir über einen längeren Zeitraum ständig weniger oder auch sehr viel mehr, leidet die körperliche und seelische Gesundheit und Alterungsprozesse werden beschleunigt.

Denn Schlafen ist für den Menschen lebenswichtig – wie Atmen, Essen und Trinken. Eine begrenzte Zeit kommen wir alle ohne Trinken, Essen oder auch Schlaf aus, aber eben nur relativ kurz. Wer zum Beispiel an der Letalen Familiären Insomnie (engl. Fatal Familial Insomnia, kurz FFI) leidet, kann gar nicht mehr schlafen. Bei dieser Krankheit zerstören bestimmte Eiweißstoffe das Gehirnareal, das verantwortlich für unsere innere Uhr ist. Die Folge: Die Krankheit führt nach nicht allzu langer Zeit zum Tode.

Solange uns das Schlafen keine Probleme bereitet, machen wir uns darüber auch meist nicht viele Gedanken. Ebenso selten machen wir uns klar, wie viele Stunden unseres Lebens wir gewissermaßen „verschlafen“. Pro Jahr sind es bei einem Erwachsenen etwa 3 000 Stunden, was auf die Lebensdauer des Durchschnittsdeutschen bezogen 24 Jahren entspricht.
Noch einmal anders gerechnet bedeutet dies, dass Sie etwa jede dritte Stunde des Tages bei ausgeschaltetem Bewusstsein verbringen.

Gute Schläfer sind fitter

Dabei ist der Schlaf keineswegs ein passiver Zustand, sondern ganz im Gegenteil ein höchst aktiver Prozess, den Sie allerdings nicht bewusst registrieren – vorausgesetzt, Sie haben keine Ein- oder Durchschlafprobleme. Wer schlecht schläft, schleppt sich oft schlapp und genervt durch den ganzen folgenden Tag. Gute Schläfer hingegen sind fit und leistungsfähig, meistens auch einigermaßen stressresistent und ausgeglichen. Rein physiologisch betrachtet ist der Schlaf ein hochkomplexer Prozess, bei dem zahlreiche Körperfunktionen herabgesetzt, andere hingegen erst jetzt aktiv werden. Blutdruck und Pulsschlag sind verlangsamt, die Verdauung arbeitet auf Sparflamme und die Körpertemperatur nimmt ab. Andererseits werden jetzt eine ganze Reihe von Hormonen hergestellt, die ihrerseits in den Stoffwechsel eingreifen, Reparaturprozesse einleiten oder im Gehirn für Ordnung sorgen. Im Schlaf nimmt der Mensch nichts mehr wahr, ähnlich wie in einem Betäubungszustand – mit dem Unterschied, dass Sie aus dem Schlaf jederzeit geweckt werden können. Wie wichtig guter Schlaf für Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit ist, merkt man immer erst im Wachzustand: Zu wenig oder gestörter Schlaf zeigt spätestens dann seine Folgen, wenn der Morgen graut und Müdigkeit, Schlappheit und Konzentrationsprobleme auftreten. Auch das Aussehen leidet, der Teint ist bleich, die Haut schlaff und die Wahrnehmungsfähigkeit herabgesetzt. Man benötigt mehr Zeit, um auf Signale zu reagieren oder übersieht sie ganz. Weil das Gehirn müde ist, ist auch das Reaktionsvermögen verlangsamt. Dies kann in Extremfällen so weit gehen, dass man sich nicht mehr richtig mitteilen kann. Doch natürlich dauert es ziemlich lange, bis unser Körper aufgibt. Zuerst leidet die gute Laune, müde Menschen sind gereizter und streitlustiger. Man fühlt sich körperlich und geistig immer weniger leistungsfähig. Hobbys und soziale Kontakte werden zunehmend vernachlässigt, das gesamte Aktivitätsniveau nimmt ab. Wer über Wochen und Monate hinweg schlecht schläft, schadet seinem Immunsystem und allen Organfunktionen und erkrankt wesentlich leichter an Depressionen, Herz-Kreislauf-Leiden, Stoffwechselund Autoimmunerkrankungen sowie Krebs. Menschen, die mit starken Schlafstörungen zu kämpfen haben, leiden also keinesfalls nur nachts, sondern geraten häufig in einen Teufelskreis aus Unwohlsein und Erschöpfung, Niedergeschlagenheit und schlimmstenfalls sogar Vereinsamung.

Wie die chinesische Medizin helfen kann

Im Zentrum der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) steht die Anregung der Lebensenergie Qi. Aus Sicht der chinesischen Medizin ist bei Schlafproblemen die Harmonie zwischen den Energien Yin und Yang gestört, die unseren Körper und Geist bestimmen. Dabei lassen sich das aktive Tagesgeschehen und die zur Erholung und Ruhe bestimmte Nacht selbst den Polen Yin und Yang zuordnen. Das „dunkle, kühle“ Yin steht für die Welt des Schlafs und der Nacht, der Gefühle und Intuition. Das „helle, feurige“ Yang repräsentiert die Welt des Tages und Ihre Aktivitäten sowie den analytischen Verstand. Dringt die Yang-Energie zu weit in die Yin-Welt des Schlafs vor – etwa durch die verschiedenen emotionalen Faktoren wie seelische Belastungen und Stress oder äußere Ursachen wie künstliches Licht, Arbeiten bis in den späten Abend, langes Fernsehen – so stört der Verstand die Yin-Energie der Nacht und es kommt zu Schlafproblemen. Wie bei anderen Beschwerden geht die TCM auch bei Schlafstörungen davon aus, dass sie immer auf einen Mangel (später als Leere-Muster bezeichnet) oder einen Überschuss (später als Fülle-Muster bezeichnet) eines Elements oder Stoffes zurückzuführen sind. Bei Schlafstörungen ergeben sich so eine Reihe von sehr häufigen Diagnose- Mustern, bei denen man in der Regel vier verschiedene Fülle- und fünf Leere-Muster unterscheidet, wobei es auch zu Kombinationen der einzelnen Muster kommen kann. Zungen- und Pulsbefund sind für die Diagnostik von Schlafstörungen die wichtigsten Methoden. Im Folgenden sollen die verschiedenen Muster kurz beschrieben werden:

Die häufigsten Fülle-Muster

(Übermäßiges) Feuer in der Leber
Psychische Ursachen hierfür sind Ärger und Frustration über einen längeren Zeitraum. Auch übermäßiger Alkoholkonsum oder andere Genussmittel können ein Übermaß an Leberfeuer begünstigen. Symptome sind ein sehr unruhiger Schlaf, auch Albträume treten auf. Hinzu kommen u.a. Gereiztheit, Kopfschmerzen, übermäßiger Durst, trockener Stuhl sowie Schwindel.

(Übermäßiges) Feuer im Herzen
Auslöser für den Überschuss an Feuer im Herzen sind große Sorgen, Überanstrengungen und Erschöpfung, sowie die Neigung zu häufigem Grübeln. Dies kann zu Durchschlafstörungen mit nächtlichem Aufwachen und psychischer Unruhe führen. Begleitsymptome sind u.a. Herzklopfen, ein bitterer Geschmack im Mund bis hin zu Zungengeschwüren.

Ein Übermaß an Schleimhitze (im Geist)
Diesem Muster liegt eine falsche Ernährung zugrunde. Zu schweres und zu spätes Abendessen führen zu Einschlafstörungen und oberflächlichem Schlaf. Hinzu kommen ein allgemeines Schweregefühl, Übelkeit und Sodbrennen sowie Schwindel und/oder ein Druckgefühl in der Brust.

Resthitze im Zwerchfell Dieses Muster entsteht durch das Eindringen von Wind-Hitze (Grippe) in den Körper, die sich in innere Hitze umwandelt und nicht ausreichend beseitigt werden kann. Grund hierfür ist häufig der Einsatz von Antibiotika. Die Symptome sind ähnlich wie beim vorangehend geschilderten Muster.

Die häufigsten Leere-Muster

Blut-Mangel in Milz und Herz
Ursächlich für dieses Muster sind emotionale Probleme wie Traurigkeit und Niedergeschlagenheit bei einer bereits vorliegenden allgemeinen Qi-Schwäche. Daraus resultieren Einschlafschwierigkeiten mit Herzklopfen.
Hinzu kommen chronische Müdigkeit, wenig Appetit, leichte Angstzustände und ein schlechtes Gedächtnis.

Yin-Mangel im Herz
Dieses Muster tritt vor allem bei älteren Menschen oder Frauen in den Wechseljahren auf. Die wichtigsten Symptome sind hierbei ein häufiges nächtliches Aufwachen, psychische Unruhe und Nachtschweiß. Hinzukommen ein trockener Rachen, Herzklopfen sowie heiße Fuß- und Handflächen. Herz und Nieren harmonieren nicht Häufige Ursache für dieses Muster ist anhaltender Stress, der zur Erschöpfung der Nieren führt. Die Folgen sind Schlafstörungen sowie häufiges Aufwachen während der Nacht. Hinzukommen können außerdem Schwindelgefühle, Tinnitus und Rückenschmerzen.

Herz- und Gallenblasenschwäche Ursächlich für dieses Muster ist häufig eine chronische Krankheit. Aber die Symptome korrespondieren auch mit einem bestimmten Charaktertypus. Typisch für dieses Muster sind ein Erwachen in den frühen Morgenstunden und die Unfähigkeit, wieder einzuschlafen, außerdem ein oberflächlicher Schlaf mit vielen Träumen sowie Schreckhaftigkeit. Begleitsymptome sind oft Schüchternheit, ein Mangel an Unternehmungsgeist und Selbstvertrauen.

Yin-Mangel in der Leber
Durch einen Mangel an Yin-Energie in der Leber findet diese in der Nacht keine Ruhe und wandert umher. Dies führt zu häufigem Aufwachen, vielen Träumen, Reden im Schlaf, manchmal sogar zu Schlafwandeln. Begleitsymptome sind unscharfes Sehen, Hitzegefühle, trockene, schmerzende Augen.

Den Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 01-2016

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