Top-Heilkraut:
Brennnessel

Von Gartenliebhabern verflucht, von Heilkundigen hochgeschätzt: Die Brennnessel ist ein Top-Heilkraut mit einem breiten Anwendungsspektrum. „Weil die Menschen wegen ihrer brennenden Eigenschaften lieber die Finger von der natürlich wachsenden Brennnessel lassen, gerieten die vielfältigen positiven Wirkungen auf den menschlichen Organismus nahezu in Vergessenheit“, bedauert Naturopathin Josefine Schulz. „Die Brennnessel ist eine als Unkraut verkannte Heilpflanze mit hohem Vitalstoffgehalt. Schon Hippokrates erwähnte sie in seinen Schriften.“

Brennnesseln gehören zu den ersten Pflanzen, die in unseren Breitengraden nach dem Winter sprießen. Ihre jungen Triebe sind besonders nährstoffreich und für den Verzehr in Smoothies oder als gedünstete Beilage geeignet. Sie blühen bereits ab Mitte April und bis in den November hinein. Brennnessel-Hauptsaison ist von Mitte Juni bis Ende August. Verwendet werden kann fast alles: Blätter, Stengel, Wurzel und Samen. „Der Verzehr von Brennnesseln ist ein Allrounder bei Anti-Aging, Schönheit, Vitalität, Sexualität und hilft bei zahlreichen Beschwerden“, so Gesundheitsexpertin Josefine Schulz. „Eine dreiwöchige Brennnessel-Tee-Kur ist ein einfaches Hausmittel für rosige Haut, kräftiges und glänzendes Haar. Im Frühjahr vertreibt sie Müdigkeit und Erschöpfungszustände, sorgt für den Abtransport von Schlacken im Körper. Ihre vitalisierenden Samen stärken Libido, Potenz und Zeugungsfähigkeit.“

Die Brennnessel wird seit Menschengedenken in der Heilkunde eingesetzt. „Ihr Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen ist enorm. Dieser ist im Durchschnitt etwa zehn Mal höher als in unserem gezüchtetem Kulturgemüse aus dem Supermarkt“, weiß Josefine Schulz. So sind Brennnesseln reich an Vitamin C, Vitamin A, Vitamin B und Carotinoiden. Zudem enthalten sie eine ganze Menge Mineralstoffe und Spurenelemente. Darunter vor allem Eisen, Kalzium, Magnesium, Kalium, Phospor, Mangan, Kieselsäure und Silizium. In den Brennhaaren findet man Histamin und Serotonin sowie Ameisensäure. Die Wurzeln enthalten zudem Lektine, Triterpene und weitere Fettsäuren. Das Kalzium der Brennnessel unterstützt beispielsweise besonders die Regeneration von Knochen und Zähnen. Es wird auch für die Immunkraft sowie für die Weiterleitung von Nervenimpulsen benötigt. Während Mangan zum Aufbau von Knochen und Knorpelgewebe dient und damit Bandscheibenproblemen vorbeugt, helfen Silizium und Kieselsäure ebenfalls bei der Bildung von Bindegewebe und Knorpeln. Darüber hinaus fördert es das Haar-Wachstum und verleiht der Haut Festigkeit sowie Schönheit.

Mit ihrem hohen Anteil an Eisen ist die Brennnessel für Frauen empfehlenswert, die unter einem niedrigen Eisenwert leiden. Damit und auch mit ihrem sehr hohen Eiweißgehalt von über 30 Prozent ist das wilde Kraut eine bedeutende fleischlose Eisen- sowie Eiweißquelle. „So können Veganer und Vegetarier auf Brennnesseln zurückgreifen, um ihren Eisen- und Eiweißhaushalt aufrecht zu halten“, rät
Naturopathin Josefine Schulz.

Dank ihrer zahlreichen Inhaltsstoffe vitaminisiert, mineralisiert und entschlackt die Brennnessel den menschlichen Organismus. Sie reinigt das Blut, treibt Harnsäure aus und hilft somit bei Harnwegs- und Blasen-Erkrankungen, bei Prostata-Beschwerden, gegen Arthritis, Gicht und Rheuma und beeinflusst Leber, Magen, Darm und Galle positiv. „Am besten entfalten Brennnesseln all ihre positiven Eigenschaften, wenn Sie als natürliches, saisonales Lebensmittel in eine abwechslungsreiche Ernährung integriert werden“, empfiehlt die auf eine natürliche Gesundheiterhaltung spezialisierte Josefine Schulz. „Als gepresster Saft, roh als Zugabe in Wildkräutersalaten und
Smoothie‘s, kleingeschnitten in Quark oder Kartoffelpüree, blanchiert wie Spinat oder als Tee aufgegossen.“ Getrockneter Brennnesseltee schmeckt angenehm mild, unaufdringlich, frisch-grün mit einem Hauch Meeresaroma. Der Tee aus frischen Brennnesselblättern schmeckt feiner, süßlicher, auch leicht spinatig. „Ganz nach persönlichem Geschmack kann Brennnesseltee auch mit anderen Teesorten
gemischt werden.“

Einen Tipp zur schmerzfreien eigenen Ernte hat die Naturkundige ebenfalls: „Ich stülpe über die Spitze einer 1,5 bis 2 Meter hohen Brennnessel mit ausgebildeten Samen-Ständen eine Tüte. Unterhalb des Tütenrandes schneide ich sie ab und hänge die nach oben geöffnete Tüte zum Trocknen auf. Die Samenkörner sammeln sich durch Schütteln am Tütenboden, können für den späteren Verzehr aufgehoben oder direkt gegessen werden. Getrocknete Blätter und Stängel zerkleinere und verreibe ich für den Tee.“

Grundsätzlich ist der Genuss von Brennnesseln frei von Nebenwirkungen. Doch wie bei allen anderen Teekräutern gilt auch hier: Trinken Sie Brennnesseltee nicht über längere Zeit und nicht in großen Mengen. Auf eine Anwendung sollte bei Wasseransammlungen infolge eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit verzichtet werden. Auch sollten Brennnesseln nicht zusammen mit synthetischen harntreibenden Arzneimitteln, sogenannten Diuretika angewendet werden.

http://josefine-schulz.de

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