Jeder Augenblick kann dein Lehrer sein

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Unser Verstand ist unablässig damit beschäftigt, das eigene Erleben und Fühlen zu benennen, zu bewerten und zu vergleichen. Dieser Vorgang läuft in rasender Geschwindigkeit ab und ist uns im Allgemeinen nicht einmal bewusst. Er verhindert aber, dass wir den unmittelbaren Augenblick erleben. Die folgende Übung versucht uns diesen Umstand klar zu machen und ein reines Erleben ohne verstandesmäßige Bewertungen zu vermitteln:

• Nimm dir Zeit, dich zu entspannen. Lass Sie alle Anstrengungen zur Ruhe kommen.
• Erinnere dich an eine unangenehme Situation aus der Vergangenheit, die starke Emotionen wie Angst, Wut, Verzweiflung oder Schmerz in dir hervorgerufen hat.
• Vergegenwärtige dir die Situation, lass sie noch einmal ganz lebendig werden. Sie können wie in Zeitlupe den auslösenden Beginn und das weitere Erleben nachvollziehen. Lass den Film langsam ablaufen.
• Was geschah? Wie hast du andere Personen, wie hast du dich in dieser Situation verhalten?
Wie hast du die starken Gefühle in dir wahrgenommen? Welche Empfindungen im Körper hast du gespürt? Wo im Körper und wie zeigten sich die Gefühle? Lassen dir Zeit für dieses Nachspüren.
• Wie hat der Verstand diese Gefühle bezeichnet?
Wie hat dein Denken die Situation bewertet und eingestuft?
Tauchten Impulse auf, die Gefühle zu verleugnen, zu verdrängen oder abzumildern?
Wie sahen diese Gedanken aus?
• Beobachte die Reaktionen deines Geistes, ohne sie zu verurteilen.
• Gab es Reaktionen, die das Auslösen der unangenehmen Gefühle anderen Menschen oder der äußeren Situation zuschrieben? Folgten daraus Vorwürfe oder Schuldzuweisungen an andere?
Wenn ja, wie wurden die Gedanken formuliert?
Oder machtest du dir selbst Vorwürfe?
Wenn ja, welche, und welche körperlichen Reaktionen gingen damit einher?
• Hast du die Gefühle analysiert oder nach Ursachen geforscht? Hast du Überlegungen darüber angestellt, wie du die Situation zukünftig besser kontrollieren oder ganz vermeiden könntst?
• Beobachte die Reaktionen des denkenden Verstandes aus einer Position der entspannten, neutralen Gelassenheit, ohne zu bewerten.

(aus: Torsten Brügge, „Wunschlos glücklich“, Theseus Verlag)

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