Die Kraft der Zuversicht

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In einer Welt, in der sich uns das Negative ständig aufdrängt, braucht es jede Menge Optimismus, um sich auf das Gute und Positive auszurichten. Worauf können wir in diesen unruhigen Zeiten überhaupt noch vertrauen? Wir haben uns auf die Suche nach dem gemacht, was uns Halt gibt.

Angst und Liebe sind die beiden mächtigsten Kräfte. Sie regieren die Welt. „Jeder von uns hat die Wahl, von Angst oder von Liebe erfüllt zu leben“, schrieb uns Albert Einstein ins Stammbuch. Es ist also an uns zu entscheiden, welche Kraft wir stärken wollen. Geben wir der Angst nach und schüren damit Misstrauen und Missgunst? Oder wollen wir die Liebe stärken und dadurch Hoffnung und Zuversicht in die Welt tragen? Täglich sehen wir: Wer der Angst verfällt, erlebt die Welt als einen gefährlichen Ort. Die Angst zeigt uns die Dinge wie in einem Zerrspiegel – weit bedrohlicher als sie in Wirklichkeit sind.

„Der fallende Baum macht Krach. Der Wald wächst lautlos“, sagt ein tibetisches Sprichwort. Es erinnert uns daran, nicht immerzu wie paralysiert auf die negativen Ereignisse zu blicken und auf die Menschen, die am meisten Krawall machen, sondern unseren Blick auf die zu richten, die tagtäglich in aller Stille und ohne großes Aufheben dafür sorgen, dass die Welt sich weiterdreht. In diesem Sinne ist Zuversicht die Entscheidung, mich vom fallenden Baum nicht erschrecken zu lassen. Eine Haltung, für die wir uns in jeder Lebenssituation neu und bewusst entscheiden können.

Wie nehme ich eine schwierige Situation wahr? Reagiere ich mit Besorgnis, Hilflosigkeit und Wut? Oder bewahre ich meine Zuversicht und erblicke darin eine Herausforderung, die ich in Ruhe bewältigen und an der ich wachsen kann? Machen wir uns bewusst: Jedes Mal, wenn es uns gelingt, der Angst ins Auge zu blicken und eine Herausforderung zu meistern, wächst das Vertrauen ins Leben. Und damit tragen wir unseren Teil zur Heilung der Welt bei, denn Heilung geschieht immer dann, wenn die Liebe an die Stelle von Angst tritt.

Kleine Übung: Geben Sie Ihrem Herzen öfter mal einen Ruck und den Menschen um sich herum einen Vertrauensvorschuss. Indem Sie anderen Menschen vertrauen, stärken Sie nicht nur sie, sondern auch sich selbst. Denn darum geht es doch: Hoffnung in das Leben und die Menschen zu setzen. Die Liebe zu stärken und die Angst zu schwächen. Sich verbunden zu wissen mit anderen. Bereit zu sein, sich fallen zu lassen und dabei zu erfahren, dass das Leben trägt. Sich in einem größeren Ganzen aufgehoben und geborgen zu wissen.

Warum wir uns für die Zuversicht entscheiden können

Wodurch zeichnen sich wahrhaft zuversichtliche Menschen aus? Sie gehen mit einem offenen Geist und einem vertrauensvollen Herzen durchs Leben. Sie nehmen die Dinge ins Blickfeld, die schön sind, erfreuen sich daran und stärken dadurch die positiven Aspekte des Lebens.

Von Schwierigkeiten und Problemen lassen sie sich nicht aus der Ruhe bringen, sondern suchen beherzt nach Lösungsmöglichkeiten. Zuversichtliche Menschen gestalten ihr Leben selbst. Sie wissen: Für das Glück kann ich mich entscheiden. Erwiesenermaßen sind es gar nicht so sehr die positiven Lebensumstände, sondern vielmehr die eigene Lebensanschauung, die zu einem glücklichen Leben führt. Es kommt also weniger darauf an, was in unserem Leben geschieht, als vielmehr darauf, mit welcher Haltung und Einstellung wir darauf reagieren. Zu dieser Erkenntnis gelangte bereits der griechische Philosoph Epiktet vor 2000 Jahren und legte uns damit den Schlüssel für ein gelingendes Leben in die Hand. Auch wenn wir das Leben selbst damit nicht kontrollieren können, so liegt es doch ganz in unserer Hand, wie wir mit seinen Herausforderungen umgehen wollen.

Ein einfaches Beispiel zeigt dies: Ob es heute regnen wird oder nicht, darauf haben wir keinerlei Einfluss. Ob wir uns jedoch von einem Regentag die Stimmung vermiesen lassen oder ihn dafür nutzen, es uns mit einem guten Buch gemütlich zu machen oder wie einst Gene Kelly mit dem Regenschirm durch die Straßen zu steppen, das ist allein unsere Entscheidung. Die Fähigkeit, Perspektiven zu wechseln und positive Blickwinkel zu erkennen und einnehmen zu können, gilt daher als die Schlüsselkompetenz für ein gutes Leben. Die Glücksfaktoren fasst die Psychologin Sonja Lyubomirsky wie folgt zusammen: dankbar sein für das, was man hat, auch in schwierigen Situationen das Positive nicht aus den Augen verlieren, sich nicht mit Menschen vergleichen, denen es besser geht, sich an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen und liebevolle Beziehungen kultivieren.

Wenn Sie sich in einem glücklichen Leben schulen möchten, empfiehlt es sich, die eigenen Lebenseinstellungen zu hinterfragen: Welche meiner Überzeugungen und Blickwinkel tun mir gut und fördern mein Glück und Wohlbefinden? Und welche führen immer wieder zu Problemen in meinem Leben, bringen mich aus dem Gleichgewicht und machen mich unzufrieden und unglücklich.

Was wir von Optimisten lernen können

Optimisten sind nicht nur zuversichtlicher und glücklicher als ihre pessimistischen Zeitgenossen, sie scheinen sich auch mit weit weniger Problemen herumzuschlagen. Das hat jedoch nichts damit zu tun, dass das Schicksal es so gut mit ihnen meint und sie von Krisen verschont blieben – nein, Optimisten gehen sie nur mit einer anderen Einstellung an und lassen sich von Schwierigkeiten nicht entmutigen. Optimisten sind davon überzeugt, dass sich für jedes auch noch so schwierige Problem eine Lösung finden wird. Und selbst wenn es mal knüppeldick kommen sollte, halten sie noch nach dem Quäntchen Guten inmitten des Negativen Ausschau.

Glückspilzen unter uns wurde diese Lebenseinstellung bereits als Kind mit auf den Weg gegeben. Doch keine Sorge: Auch wenn Sie nicht zu diesen Glückskindern zählen, können Sie eine optimistische Sichtweise auf die Welt auch noch in jedem Lebensalter entwickeln. Es braucht lediglich die Entscheidung, eine positive Grundhaltung einzuüben. Und die Konsequenz, diese Entscheidung dann auch in die Tat umzusetzen.
Das klingt einfach und ist es auch, wenn man die Beschaffenheit unseres Gehirns ein bisschen kennt. Es verfügt nämlich von Haus aus über eine ausgesprochene Negativitätstendenz. Unser Gehirn ist darauf geeicht, bedrohliche Situationen blitzschnell wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Um dieser Tendenz des Gehirns, sich auf das Negative zu fokussieren und das Positive aus dem Blickfeld zu verlieren, entgegenzuwirken, rät der Neuropsychologe Rick Hanson dazu, die schönen Dinge des Lebens ganz gezielt ins Blickfeld zu holen und bewusst auszukosten.

Richten Sie Ihre Gedanken stets auf das, was in Ihrem Leben rund läuft, anstatt immer nur auf das Knirschen im Getriebe zu hören. Nehmen Sie die kleinen und großen Freuden des Lebens achtsam wahr. Anstatt sich über eine Situation zu ärgern, die Sie sowieso nicht mehr ändern können, fragen Sie sich doch einmal: Was könnte daran Positives zu finden sein?

Der „Roseto-Effekt“

Längst ist erwiesen, dass unser Geist darüber mitbestimmt, wie es unserem Körper geht. Dieser Zusammenhang ist durch die neue Mind-Body-Medizin bestens belegt. Auch wir selbst können in unserem Lebensumfeld immer wieder beobachten, dass zufriedene und zuversichtliche Menschen weit weniger anfällig sind für Infekte, psychische Störungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die eigene Lebenseinstellung scheint wie ein Kraftelixier auf die Gesundheit von Menschen zu wirken.  In der Medizin ist dieses Phänomen als der „Roseto-Effekt“ bekannt, benannt nach dem kleinen Ort Roseto im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania, dessen Einwohner über eine weit robustere Gesundheit verfügen als der Durchschnitt.
Dabei ist es nicht einmal so, dass sie besonders gesundheitsbewusst leben würden. Die Männer arbeiten schwer im Bergwerk und die Frauen in der einzigen Kleiderfabrik im Ort. Was sie aber von den Bewohnern anderer Orte unterscheidet, ist ihr ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl, das sie bei allen Schwierigkeiten zusammenrücken lässt. Mehrere Generationen leben unter einem Dach zusammen, Nachbarn helfen einander, feiern und lachen miteinander, Freunde sprechen sich ihren Kummer vom Herzen.
Zuversichtliche Menschen, so schlussfolgerten die Forscher, schaffen eine Art „geistiges Roseto“ in ihrem Leben. Indem sie liebevolle Familienbande und Freundschaften pflegen, gut für sich und andere sorgen, in regem Austausch mit der Umwelt sind und einander in guten und schlechten Zeiten beistehen, kreieren sie eine positive Lebenseinstellung, die sich wie ein Lebenselixier auf Körper und Seele auswirkt.
So entsteht die Kraft, selbst in den Stürmen des Lebens nicht zu verzagen und den vielfältigen Herausforderungen unseres Lebens beherzt entgegenzugehen.

5 GOLDENE REGELN für ein gutes Leben

Londoner Wissenschaftler haben die folgenden fünf Kriterien für die Verbesserung der Lebensqualität herausgearbeitet.
Wenn Sie diese täglich anwenden, erhöhen Sie damit nicht nur Ihren Glücksfaktor, sondern tun auch Ihrer Gesundheit Gutes:
1. Suche Gemeinschaft!
2. Bewege dich!
3. Sei neugierig und achtsam!
4. Höre nie auf zu lernen!
5. Tu etwas für andere!

Christa Spannbauer

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 06-2016

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