Die Kunst der Selbstliebe

Der Weg der Selbstliebe ist eine lebenslange Reise: Carla Schäfer über die Kunst, sich selbst zu lieben.

»Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass alles, was geschieht, richtig ist – von da an konnte ich ruhig sein.«

Charlie Chaplin

Ich liebe diese Worte von Charlie Chaplin, die er anlässlich seines 70. Geburtstags sprach. In ihnen steckt so viel Herzensweisheit – vor allem die Qualität von Annahme. Als ich seine Worte las und daraufhin überlegt habe, wann ich mich selbst zu lieben begann, da habe ich festgestellt: Die Liebe zu mir selbst begann in dem Moment, als ich anfing, Licht in mein Dunkel zu bringen. Mich wahr- und anzunehmen mit allen Gefühlen, Bedürfnissen und Verletzungen hinter meiner Sonnenscheinfassade. Und all die Aspekte als gleichwertige Anteile von mir anzuerkennen: die Sonne, den Regen, manchmal auch Blitz und Donner.

Ich stellte fest: Regen macht die Luft viel klarer und erst die Kombination aller Gefühle macht mich richtig lebendig. Mein Weg zur Selbstliebe hatte nichts zu tun mit positiven Affirmationen, Selbstoptimierung, einem idealen Body-Mass-Index oder retuschierten Bildern, die mit dem Hashtag #Selbstliebe auf Instagram gepostet werden. All das zielt nur darauf ab, einem allgemeinen Bild von „liebenswert“ zu entsprechen.

Nein, es war ganz anders. Was mir wirklich geholfen hat, war, meinen Blick mehr und mehr nach innen zu richten und einfach zu fühlen – ohne Ablenkung, ohne Bewertung. Mit Gleichgesinnten Zeit zu verbringen, die gerade einen ähnlichen Prozess durchliefen. Mich zu zeigen – mit allem, was ich bin. Die Rolle des netten Mädchens abzulegen und den schönen Schein in Frage zu stellen. All das hat mich wirklich wachsen lassen.

Irgendwann begann ich die Rolle des netten Mädchens abzulegen

Ist es nicht erstaunlich, dass der Weg zum Licht oft durch die Dunkelheit führt? Gerade in unserer Zeit mit ihrer Höher-Schneller-Weiter-Mentalität und ihren äußeren Idealen von schlank, schön und erfolgreich wird man nicht ermutigt, die eigenen dunklen Ecken zu erkunden.
Auch in der spirituellen Szene mit ihrem allgegenwärtigen „Licht und Liebe“-Gesäusel wird oft nur rosa Glitzer auf alles gestreut, was sich im ersten Moment nicht schön anfühlt.

Aber Selbstliebe bedeutet ja auch, sich von äußeren Einflüssen frei zu machen und wirklich in sich selbst anzukommen, ohne sich länger äußeren Ideen anzupassen, wie man sein und was man tun sollte. Das ist gar nicht so leicht!
So hat Selbstliebe viel mit Authentizität zu tun. Nicht umsonst ist auch diese Qualität sehr in Mode gekommen. Wer authentisch ist und sich nicht anpasst, verbiegt oder verstellt, den mögen wir. Wir wissen, woran wir sind und spüren eine Verbindung. Es ist doch so: In Wahrheit und trotz unserer Prägungen will sich niemand gern verstellen, anpassen und verbiegen. Wir wollen alle wir selbst sein und geliebt werden, so wie wir sind. Warum nicht selbst damit anfangen?

Unsere Autorin Stefanie Carla Schäfer ist
Sport­wissenschaftlerin und begleitet als Coach
und Autorin Menschen auf dem Weg zu mehr
Lebendigkeit und Lebensfreude.
www.cardea-training.de

Den ganzen Beitrag finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 5/2021

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