Einsam oder nur allein?

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Einsamkeit macht krank, heißt es zur Zeit überall. Aber ab wann sind wir eigentlich einsam? Und wann wollen wir nur allein sein, um Zeit für uns selbst zu haben?

Vielleicht kennen Sie das Gefühl ja auch: Sie haben sich am Abend mit einer Freundin verabredet, wollen mit ihr etwas essen gehen und danach gemeinsam im Kino einen Film anschauen. Da bekommen Sie plötzlich die Mitteilung, dass es der Freundin nicht gut geht und sie für heute Abend leider absagen muss. Natürlich haben Sie sich auf das Treffen mit ihr gefreut, aber nun stellen Sie auch fest, dass sich neben einem Gefühl der Enttäuschung auch ein bisschen Freude in Ihnen breitmacht. Freude darüber, dass Sie plötzlich einen Abend für sich allein haben. Da fällt Ihnen auch schnell so einiges ein, was Sie jetzt auf einmal und ganz unerwartet tun könnten: Nur faul auf dem Sofa liegen, sich selbst etwas Feines kochen, endlich wieder mal ein gutes Buch lesen oder einfach gar nichts tun, einfach nur allein sein. Was kann das schön sein! Wer das ein wohliges Gefühl nennt, der untertreibt maßlos. Es kann die pure Glückseligkeit sein. Was soll also problematisch daran sein, wenn Sie allein sein wollen? Einsamkeit ist ein subjektives Gefühl. Zur Zeit heißt es überall: Einsamkeit mache krank. In Großbritannien wurde eigens ein Ministerium für Einsamkeit eingerichtet, weil Einsamkeit einer der häufigsten Todesursachen sei. Doch wann ist ein Mensch einsam? Bin ich es vielleicht sogar selbst? Die Frage ist tatsächlich gar nicht so leicht zu beantworten – denn grundsätzlich ist das eine subjektive Einschätzung: Man fühlt sich einsam – oder auch nicht. „Mancher lebt zwar allein (also in einem Singlehaushalt), ist aber dauernd mit Freunden zusammen, wohingegen andere zum Beispiel als Paar im fortwährenden Rosenkrieg zusammenleben und nur selten mit anderen Kontakt haben“, schreibt beispielsweise Manfred Spitzer in seinem Buch „Einsamkeit – die unerkannte Krankheit“. Wer allein lebt, muss also nicht einsam sein, und
wer mit einem Partner zusammen lebt, kann schrecklich einsam sein. Es gebe zwei Phasen im Leben, in denen der Mensch besonders häufig von Einsamkeit betroffen sei, schreibt Spitzer. Zum einen das Alter. Der Stellenwert von Ehe und Familie habe abgenommen, zudem gebe es immer mehr ältere Menschen, die im Schnitt immer älter würden. Aber auch jüngere Menschen seien betroffen – was an zwei weiteren Trends liege: Der Urbanisierung und der zunehmenden Nutzung von (sozialen) Medien. „Die Digitalisierung bringt Menschen nämlich nicht, wie oft behauptet wird, zusammen, sondern bewirkt eine Zunahme von Unzufriedenheit, Depression und Einsamkeit“, schreibt Spitzer.

 

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 3/2018

 

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