Faire Mode

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Es wirkt fast irreal, wie sich aus dieser trockenen Steinwüste in Ägypten eine Oase voller Pflanzen und Lebendigkeit abhebt. Doch das Gelände kann mehr als schön aussehen. Die Kulturinitiative SEKEM bietet den Anwohnern einen fair bezahlten, sicheren Arbeitsplatz. Wie von dort ökologische und zeitgemäße Yoga-Mode nach Süddeutschland kommt, zeigt das Freiburger Modelabel YOIQI.

Anfangs gab es folgendes Problem: Während die weltweite Nachfrage nach Baumwolle wuchs, fraß die Produktion extrem viele Ressourcen. Baumwolle ist das landwirtschaftliche Erzeugnis, welches mit der höchsten Menge an Chemikalien behandelt wird. Nach Angaben der Vereinten Nationen fließen 18 Prozent der weltweit eingesetzten chemischen Pflanzenschutzwirkstoffe in den Baumwollanbau. Zudem ist er extrem wasserintensiv.

Pionierarbeit in der Baumwollwelt

Deshalb hat der Gründer der SEKEM-Initiative, Dr. Abouleish, mit einem Forscherteam eine Methode entwickelt, der es gelang, Baumwolle ohne Chemikalien und Pestizide zu produzieren. Seitdem ist deren Verwendung in Ägypten um fast 90 Prozent zurückgegangen und mit SEKEM ein Modellprojekt für nachhaltiges, zuverlässiges und ethisches Wirtschaften entstanden. Aus dem Pionierprojekt ist ein Netzwerk aus 800 Vertragspartnern herangewachsen, die heute alle auf einer Fläche von 370 Hektar nach biodynamischen Kriterien Landwirtschaft betreiben.

Fair, transparent – und erfolgreich

Um diese zu bewirtschaften und zu koordinieren, strömen Tag für Tag rund 1.700 Menschen auf das Gelände nördlich von Kairo. Ob sie schneidern, auf den Feldern oder im Büro arbeiten, in jedem Fall erhalten die Mitarbeiter von SEKEM eine faire Bezahlung. Eine Studie von Oikocredit International bestätigt, dass ihr Gehalt deutlich über dem Lohn ihrer Kollegen liegt, die in konventionellen Betrieben arbeiten. Daneben beheimatet das SEKEM-Gelände einen Waldorfkindergarten, eine Waldorfschule, eine kleine Universität für nachhaltiges Wirtschaften sowie ein Krankenhaus für die Mitarbeiter und Anwohner der umliegenden Dörfer.

Alles unter einem Dach

Eine einzigartige Besonderheit ist die geschlossene Wertschöpfungskette. Vom Landwirt über die Produktion bis zum Endverbraucher sind die Bedingungen an jeder Stelle transparent und überprüfbar. Das wird in der Textilproduktion möglich, weil die Baumwolle auf dem Gelände angepflanzt, versponnen, verwoben, zugeschnitten und produziert wird – alles nur wenige Stunden voneinander entfernt. Dieses Konzept hat auch die drei Gründer von YOIQI, Alexander Brief, Lothar Dubaschny und Stefanie Wyen, überzeugt: „Die Arbeitsbedingungen sind sehr gut und transparent. Man kann sich die Fabriken anschauen und sogar Fotos machen. Das kannten wir vorher nicht aus der Modebranche.“ Deshalb reisten sie im Jahr 2015 noch einmal an. Im Gepäck hatten sie drei Schnittmuster für Yogakleidung. Zurück kehrten sie mit einem Auftrag für über 200 Teile. Drei Jahre später ist die Kollektion auf 14 verschiedene Styles in unterschiedlichen Farben angewachsen. Ganz frisch sind drei neue Herbst Styles 2018 in Freiburg eingetroffen.

Den Yoga-Gedanken zu Ende gedacht

„Wir wollten, dass die Herstellung mit dem Produkt übereinstimmt“, erklärt Brief. „Biologische und faire Herstellung passt einfach zu unseren Yoga-Sachen und dem, was wir verkörpern wollen.“ Gleichzeitig soll die Mode natürlich ihren Zweck erfüllen. „Unser Anspruch ist, dass Yoga-Kleidung den Bewegungen des Körpers folgt“, sagt Designerin Wyen. „Keine Naht soll drücken, kein Gummiband spannen“. Damit die Teile nachhaltig Freude machen und auch außerhalb der Yogastunde tragbar sind, ist die Verarbeitung hochwertig und das Design schlicht. Die ägyptische Baumwolle aus dem biologischem Anbau bei SEKEM ist qualitativ sehr hochwertig, geschmeidig weich und strapazierfähig. Somit entstehen Lieblingsstücke, die durch die Zeit begleiten. Die Linie besteht aus Jumpsuits, Leggings und Sweatern in klarem Design und schlichten Farben, die im Onlineshop www.yoiqi.com sowie in ausgewählten Yogastudios erhältlich sind. Die Kooperation von YOIQI und der SEKEM-Initiative zeigt, dass auch in der Modewelt ein Wirtschaften nach ökologischen und ethischen Prinzipien möglich ist.

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