Fernweh – schnell weg oder kurz innehalten?

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Wer kennt es nicht, dieses starke Gefühl, dass uns immer mal wieder beschleicht, uns in die Ferne und ins Exotische zieht, weg vom Schreibtisch, weg vom alten Trott, weg vom gegenwärtigen Ich?

Was ist Fernweh?

Goethe hat das Gefühl 1822 als “umgekehrtes Heimweh” oder “Sehnsucht ins Weite statt ins Enge” beschrieben, Fürst Pückler-Muskau hat den Begriff “Fernweh” 1835 das erste Mal in seinen Reiseerzählungen genutzt. Seitdem ist das Wort in unseren Alltagswortschatz übergegangen und wird von der Tourismusbranche und in der Reiseblogger-Szene geradezu inflationär gebraucht. Aber was steckt eigentlich genau dahinter? Und wie begegnet man dem Fernweh? 

Wissenschaftler der FernUni Hagen haben dazu geforscht und fanden heraus, dass es in den meisten Fällen nicht ums tatsächliche Reisen geht, sondern um die Sehnsucht nach einem Ort, an dem alles anders, alles besser ist. In der Realität findet man diesen Ort selten, auch wenn man in ferne Länder reist. Der Wunsch nach Veränderung hängt in den meisten Fällen mit uns selbst und unserer (Un)zufriedenheit zusammen. Anselm Grün schreibt in Das kleine Buch der Sehnsucht: “Viele Suchen in der Ferne die Heimat, die sie dort, wo sie wohnen, verloren haben. Doch letztlich sind sie auf der Reise nach sich selbst. In der Ferne suchen sie das, was eigentlich ganz nahe ist: das Geheimnis ihres eigenen Herzens, den inneren Raum, in dem sie wahrhaft zu Hause sein dürfen.” 

Also schnell weg oder lieber kurz innehalten?

Letzteres! Auch mit einem neuen Buch, einem Bastelprojekt oder einem Nachmittag am See kann man dem Fernweh entgegen und es sogar in vielen Fällen beruhigen. Wer sofort seine Zelte abbricht und sich blindlings ins Abenteuer stürzt, wird an einem neuen Ort wieder auf sein altes Ich treffen. 

Eine kleine Portion Fernweh schadet aber trotzdem nicht, wenn sie mit der Neugierde auf fremde Länder und Kulturen, oder einfach mit dem Wunsch nach Sonne oder anderen Naturspektakeln verbunden ist. Reisen sollte eben bewusst geschehen und genossen werden und nicht der Flucht dienen.

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