Gut Saunstorf: Ort der Einkehr und Stille

0

Gut Saunstorf – südlich von Wismar in Mecklenburg-Vorpommern  gelegen – ist eine Stätte der inneren Einkehr, in der man sich vom Alltag erholen und seine Mitte wieder neu finden kann. Das große Erlebnis heißt: Einfach nur ganz bei sich sein.

Im Juli wiegten sich noch die gelben Weizenfelder auf den sanften Mecklenburgischen Hügeln rund um den Weiler Saunstorf, jetzt liegen auf den Äckern die ersten herbstlichen Farben. Das Auge streift unwillkürlich darüber, wenn man das Halbrund der großen Freitreppe des Gutshauses in Saunstorf nach Süden hin in den Park hinabsteigt. Denn ganz hinten geben die Parkbäume den Blick frei auf die so landestypische Moränenlandschaft. Hier wird das Innere des Betrachters ruhiger und mäßiger. Der Wind fährt rauschend durch die Kronen der Eichen und Buchen, die die Höhe des roten Dachfirstes schon längst unter sich gelassen haben. Auf weißen Stühlen sitzt man zu ihren Füßen und lässt die Seele baumeln. Wir sind im Park des Mecklenburgischen „Gut Saunstorf“, südlich von Wismar nahe der Ostsee. Jahrzehntelang lag es in einem Dornröschenschlaf: das Dach verfallen, das Gebälk verottet, verwildert der Park. Heute ist es wie neu –aber doch viel mehr als ein Herrenhaus im alten Glanz. Es ist ein Haus der inneren Einkehr – wie gesagt, mit einem prächtigen Park. „Gut Saunstorf – Ort der Stille“ nennt die Gemeinschaft –die Sangha –, die hier lebt, ihr Zuhause. Sie folgt in ihrer inneren Orientierung einem spirituellem Meister: OM C. Parkin. Er ist Gründer und Spiritus Rektor des Ortes.

Endlich mal zur Ruhe kommen

Und wie es die Tradition der stillen Orte will, hält die Sangha die Türen offen. Seit 2010 kommen immer mehr Gäste zur inneren Einkehr, zur Auszeit, zur Regeneration und Heilung in das Hotel und nutzen die vielfältigen Angebote im Gutshaus. Die Hotelgäste wollen für ein Wochenende oder ein paar Tage „nach innen gehen“, wie sie sagen, „zur Ruhe kommen“ oder „nicht nur die Muskeln entspannen, sondern auch die inneren Verkrampfungen lösen“. Sie können hier Meditationstechniken lernen, um ihren rastlos denkenden Geist zu beruhigen. Sie können vom äußeren Lärm ihres Alltages zuerst in die äußere und dann in die innere Stille einkehren. Beim Mittagessen wird um eine Stunde Schweigen gebeten. Am Ort der Stille werden Gästen feste Meditationszeiten angeboten. Zwei Dunkelräume laden zum „Ganz für sich Sein“ ohne jede Ablenkung durch Sinnesreize ein, und zugleich lebt hier eine Gemeinschaft der Gäste und Gastgeber. Wer therapeutische Hilfe sucht, wird sie hier finden. „Ich denke, das trifft den Kern: Begegnungen, die im Herzen nachklingen“, das schrieb ein Gast, nachdem er wieder zu Hause in Berlin war, an die Gastgeber in Saunstorf. Im Gutshausgarten, in Küche, Haus und Hof bieten sich den Gästen viele Gelegenheiten auch zum Karma-Yoga, zur Mitarbeit gegen geringere Preise. Denn erfahrungsgemäß lässt sich die Stille auch im Küchenbeet finden. Wir schauen in den großen Meditationssaal, in das Herz des Hauses mit hellem Blick in den Park. Sofort atmet man tiefer, als könnte man hier eine besondere Essenz aufnehmen, die die Seele nährt. Und das ist es, was die Gäste hier letztlich erleben: Sich zu öffnen, bei sich zu sein und bei sich zu bleiben, die Kurzatmigkeit des Alltags hinter sich zu lassen und neue, tiefe Atemzüge zu nehmen – (Neu-)Entdeckung bewussten Lebens.

Die Stille ist das höchste Gut des Menschen

Wir streifen durchs Haus, die Treppe hinunter zum Speiseraum im Souterrain, dem ehemaligen Keller. Rohe Wände zeigen noch die Ziegelfundamente, auf denen das Haus vor gut hundert Jahren errichtet wurde. Eine lange Tafel, eine Handvoll Einzeltische, ein steinerner Tresen. Hier serviert die Küche vorwiegend Vegetarisches. Ein Teil des biologisch angebauten Gemüses wächst im eigenen Küchengarten. Ein paar Stufen die Außentreppe hinauf und man speist auf der Terrasse, fast sitzt man unter den Parkbäumen. Man möchte gar nicht mehr weg. Aber noch ein Blick in die Hotelzimmer in den oberen Stockwerken.
Als die „Stiftung Gut Saunstorf“ beschloss, die Ruine zu restaurieren, fiel ein wichtiger Entschluss. Das Gutshaus sollte konsequent nach ökologischen Standards wiederaufgebaut werden. Und so geschah es. Ein Beispiel: In den Zimmern – mal verwinkelt, mal geräumig – haben die Bauleute je eine Wand mit speziellem Lehmputz versehen. So erlebt man hier ein angenehmes Raumklima. Trotz Bio-Speisen, levitiertem Wasser zum Trinken wie zum Duschen, Wasseraufbereitungsanlage und Öko-Wänden – der Kern und Stern des Hauses ist immateriell: die Stille selbst. „Die Stille ist das höchste Gut des Menschen“, so lautet denn der Wahlspruch des Hauses. Sie ist das größte Geschenk in Saunstorf – die tiefe innere Stille, in die das Gutshaus und seine Angebote führen können. „Das Wissen um die Kraft der inneren Stille gewinnt für den modernen Menschen, der in einer unruhigen Zeit lebt, immer mehr an Bedeutung“, heißt es auf der Homepage des Hauses. „Gut Saunstorf als ein Ort des Rückzugs und der Einkehr ist der Wiederentdeckung des inneren Friedens und der inneren Stille gewidmet.“ Und wer dann von einem Besuch in Saunstorf zurückkehrt, wird vielleicht wenig zu erzählen haben. „Wie war es da in Saunstorf?“ „Wunderbar.“ „Was hast Du da denn gemacht?“ „Eigentlich nichts“.

Kloster? Hotel? Ort der Stille!

Im Foyer des Hauses bettet der heilige Hieronymus seinen Kopf auf den breiten Rücken eines Löwen. Einst zog er dem Tier einen Dorn aus der Pfote, so erzählt die Legende, seither ist der Löwe zahm. Ein Gemälde vom Heiligen und dem Raubtier hängt über dem Empfangstresen des Gutshauses. Der Löwe ist auch in der hinduistischen Tradition ein Symboltier. Er steht für das Erwachen und die Freiheit. So fließen auch auf Gut Saunstorf östliche und westliche spirituelle Tradition zusammen. Unter den christlichen Klosterregeln sind Klöster Orte des Rückzugs geworden, der Heilung, der Lehre und der Erkenntnis, Orte der Gastfreundschaft, der Arbeit, der Disziplin und der Gottesbegegnung. Gut Saunstorf ist auch ein Kloster, ein „modernes, überkonfessionelles Kloster“, ein „Ort, an dem die Lehre des stillen Geistes gelehrt und gelebt wird“, wie es auf der Homepage des Gutshauses heißt.
Hier ist der Geist eines Klosters mit dem Komfort eines Hotels verbunden. Die Initiatoren verknüpfen die Weisheitslehren des Ostens mit denen des Westens und übersetzen das uralte klösterliche Prinzip in die Gegenwart. So wird auch ein weiteres klösterliches Erbe in Saunstorf bewahrt: die Lehre. Wer mehr als Stille und Entspannung sucht, findet in Saunstorf auch mehr. Zur Erfahrung der inneren Stille bietet das Haus in Kursen und Seminaren die „Tiefenerforschung der Natur des menschlichen Geistes“, schreibt die Saunstorfer Sangha. Zu diesem Geist gehört fundamental ein „Ich“, das sich vom Ursprung getrennt hat, in einer illusionären Traumwelt lebt und leidet.
Wer diese Traumwelt in innerer Arbeit erforscht, für den kann sich der leidensfreie innere Raum der ewigen Wahrheit, der „Philosophia perennis“ öffnen.

Eine Stiftung bildet das Fundament

Getragen wird „Gut Saunstorf – Ort der Stille“ von der Stiftung Gut Saunstorf. „Die gemeinnützige Stiftung macht sich zur Aufgabe, dem Denkmalschutz (Restaurierung des Gutshauses samt Park), der Gesundheitsförderung und Heilung, der Bildung, Kunst und Kultur zu dienen“, schreiben die Initiatoren. Im Kern dient die Stiftung dazu, am Ort der Stille eine Universität der Seele zu erschaffen, „die den lebendigen Raum für die Entfaltung des wahren menschlichen Potenzials so weit öffnet, dass letzte Erkenntnisse möglich werden.“

Den Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 5/2015

INFOS:
Gut Saunstorf – Ort der Stille
Gutshaus, 23996 Saunstorf
Tel: (038424) 22 30 60
info@gut-saunstorf.de
www.gut-saunstorf.de

Share.

Hinterlass eine Antwort