Herzklopfen in Lissabon

Lissabons traditioneller Soundtrack ist der Fado, diese Sehnsuchtsmusik, die selbst denen Tränen in die Augen treibt, die kein Wort Portugiesisch verstehen. Eva Mäkler und Carina Pilz begeben sich auf die Suche nach dem wahren Herzen der Stadt, denn wer die Seele der Stadt singen hören möchte, sollte sich dorthin begeben, wo es etwas ruhiger ist.

„ Lisboa menina e moça amada, cidade mulher da minha vida“, singt der berühmteste Fado-Sänger Portugals, Carlos do Carmo. Ganz Lissabon stimmt in die Liebeserklärung mit ein: „Mein Mädchen und geliebter Schatz, du Stadt, Frau meines Lebens …“ In dem Lied ist es die Alfama, auf der seine Augen ruhen. Tausend Winkel, Treppen, Gassen und Sackgassen. Das alte, romantische Lisboa. Die Gassen gibt es noch. Aber mit Leben füllen sie vor allem Touristen und Digitalnomaden. Romantik in Zeiten von Gentrifizierung à la Airbnb: Immer noch ein Erlebnis, aber mit sehr bitterem Beigeschmack. Da lässt man sich lieber in einem Hotel verwöhnen, um nicht noch den letzten Lissabonern ihre Wohnung wegzunehmen.

Bummeln und Flanieren

Authentischer wirds hier dienstags und samstags, wenn der riesige Flohmarkt Feira da Ladra („Markt der Diebin“) Händler aus der ganzen Stadt anlockt. So kann man Stunden verbummeln, auf dem Weg vom Pantheon, in dem viele von Portugals wichtigsten historischen Größen ruhen, bis zur wunderschönen Kirche São Vicente de Fora, die auch Kloster und Museum ist. Der Besuch würde sich schon alleine für die atemberaubenden Azulejos lohnen, die künstlerisch gestalteten Kacheln, die teilweise über Wände hinweg ganze Fabeln erzählen. Einen atemberaubenden Höhepunkt verspricht ein Schritt auf die Terrasse – mit einem Ausblick, an dem man sich gar nicht satt sehen kann. Gleich nebenan liegt das historische In-Viertel Graça mit seinen berühmten Aussichtspunkten, den Miradouros da Graça und Senhora do Monte, und mit viel Streetart im interessanten Kontrast. Auch das sollte man sich unbedingt erlaufen. Hier auf der Terrasse kann man diese besondere Aussicht in aller Ruhe genießen kann.

Kirche, Kloster und Museum – mit Aussicht: São Vicente de Fora ist von außen wie von innen sehenswert. Geradezu atemberaubend wird es dann, wenn man auf die Terrasse tritt.
Fotos: Carina Pilz

Alle umliegenden Viertel atmen Geschichte, ganz besonders natürlich das Castelo, die große Festungsanlage, Keimzelle der Stadt. Sie ist so groß, dass sich die Touristenmassen nicht gegenseitig im Wege stehen, während sie maurischen, muslimischen und christlichen Spuren folgen. Ein wenig Schlange stehen lohnt sich aber zwischendurch, für die Camera obscura, die mit derselben Technik wie Loch­kameras durch ein raffiniertes Linsen- und Spiegelsystem live das Leben in der Stadt auf eine Parabol-Platte projiziert.

„No castelo, ponho um cotovelo“.

So beginnt Carlos sein Lied: Er stützt den Ellbogen auf die Mauer des Castelo auf, und die Stadt legt sich vor ihm nieder. Dass er sie dabei einer Geliebten gleichsetzt – versteht man vor diesem Panorama. Wenn man dann zum Sonnenuntergang hinunter in die Stadt läuft, überrascht vielleicht am Ende der unzähligen mittelalterlichen Gassen der rechteckige Aufbau der Baixa, der „Unterstadt“. Schuld daran ist das katastrophale Erdbeben, das Lissabon 1755 heimgesucht hat. Danach hat der Marquês de Pombal die direkt am Fluss gelegene Stadt von Grund auf neu angelegt – möglichst erdbebensicher.
Eva Mäkler

Weitere Informationen unter: www.visitlisboa.com

Den ganzen Artikel Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 2/2020

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