Hochsensibilität – Fluch oder Segen?

Hochsensible Menschen haben wertvolle Eigenschaften, die in unserer modernen Arbeitswelt dringend benötigt werden. Wie sie Beruf und Naturell in Einklang bringen können, erklärt die Expertin Bettina Reuss.

Kennen Sie das von sich oder anderen Menschen? Emotional verletzlich, leichter genervt, dünnhäutiger, geräusch- oder geruchsempfindlich, Unterforderung durch Langeweile, Überforderung durch äußere Reize, mangelnde Konzentrationsfähigkeit, verzetteln in vielen interessanten Ideen, Schwierigkeiten in der Zielfindung, Motivation und Entscheidungsfreude. Dem entgegen stehen außergewöhnliche Begabungen wie ein intensives Feingespür für Menschen und Situationen, ein Blick für Details und Nuancen, sehr analytische Denkweise, Chancen gut benennen können, ausgeprägte Empathie, Kreativität, Sinn für Ästhetik und Schönheit, Lernfreude, starke Wissbegierde. Diese Merkmale beschreiben hochsensible Persönlichkeiten. Rund 15 bis 20 % der Menschen sind überdurchschnittlich feinsinnig und damit eine High Sensitive Person, was als HSP abgekürzt wird. Hochsensibilität wirkt sich auf das Leben, die Beziehungen sowie den Beruf aus. Der Beruf hat dabei eine bedeutsame Rolle, da er über unsere gesellschaftliche Inte­gration, die Selbstachtung und den Tagesrhythmus bestimmt. Das eigene Wohlbefinden wird damit stark vom Berufsleben beeinflusst. Wenn es dort nicht gut läuft, kann uns das um den Schlaf bringen und eine Menge Stress bereiten.

HSP fühlen sich nicht nur anders, sie sind anders. Mit ihren ausgeprägten Urinstinkten haben sie einen direkten Draht zu ihrem Höheren Selbst, das einem übersinnlichen Persönlichkeitsanteil entspricht. Sie tragen einen spirituellen Aspekt als dominantes Persönlichkeitsmerkmal in sich und können ihr Leben meistern, ohne darüber nachzudenken.

High Sensitiv Persons sind anders

Diese besondere Gabe wird damit entscheidend für ihren Beruf oder ihre Berufung. Sie nehmen unzählige Eindrücke über ihre körperlichen Sinne wahr – stets prasseln Nervenreize auf sie ein. Ihr Gehirn muss den Gedanken- und Gefühlssalat an Erinnerungen sowie die vielen Hochrechnungen ihrer Vorstellungen über die Zukunft vergleichen, verknüpfen und weiterverarbeiten. Sie empfangen viel höhere Informationsmengen, die sie intellektuell verarbeiten müssen. So leiden sie häufig unter Reizüberflutung und müssen darauf achten, sich ausreichend Ruhepausen zu gönnen, um ihren Verstand vor Dauerbelastung zu schützen. In gesellschaftliche Normen passen sie nicht. Sie verfügen über Wissen, das andere nicht haben, möchten unabhängig sein und sind wahre Schöpfer von Neuem. Für die Berufswahl spielt das eine bedeutende Rolle und wohin die berufliche Reise gehen kann, wird offenbar, wenn sie ihre Begabungen nutzbar machen.

Bettina M. Reuss ist Business-, Karriere- und Mental-Coach, Expertin für Hochsensible und Scanner-Persönlichkeiten. Sie hilft bei beruflicher Neuorientierung und die persönliche Berufung zu finden.
Mehr Informationen zu Hochsensibilität oder Vielbegabung im Job finden Sie unter www.bettina-reuss.de

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 2/2021

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