Kintsugi

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Die japanische Form der Resilienz: Wie man aus Scherben ein neues Leben aufbaut.

Eigentlich weiß man doch, dass man beim Abwaschen der zarten Tasse, ein Erbstück von den Großeltern, besonders aufpassen muss und vor allem: sie nicht in die Spülmaschine stellen sollte. Und man weiß auch, dass die altertümliche Vase, die man vor Jahren auf einem Flohmarkt erstanden hat, einen sicheren Platz braucht und nicht leichtsinnig auf dem Fensterbrett stehen darf. Eigentlich. Doch dann zerbricht die zarte Tasse in der Spülmaschine und die schöne Vase segelt auf den Boden. Was bleibt, sind ein paar Scherben und der Ärger darüber, wie leichtsinnig man nur sein konnte.

Scherben bringen Glück

Dabei haben diese Scherben durchaus das Potential dem Besitzer weiterhin Freude zu bereiten, zumindest wenn er ein Fan des Kintsugi ist – der traditionellen Form der Keramikreparatur aus Japan. Die Japaner glauben nämlich, dass niemals etwas ganz kaputt ist. In der Praxis des Kintsugi werden die zersprungenen Stücke in ihre ursprüngliche Form zusammengesetzt – die Bruchstellen bleiben dabei sichtbar und werden sogar durch einen Goldstaub im Kleber noch besonders hervorgehoben. So entsteht ein ganz neues, kostbares Objekt, bei dem die Risse zu einem wichtigen Teil seiner Geschichte werden. Aus einem Missgeschick ist dann ein Glücksfall geworden, frei nach dem Sprichwort: „Scherben bringen Glück.“
Da liegt es nahe, das Prinzip des Kintsugi auch auf den Menschen zu übertragen, sind wir doch genauso schön und zerbrechlich wie ein Kunstgegenstand, mit derselben Eigenschaft, dass unser Leben manchmal wie eine Tasse oder Vase in unzählige Teile zerspringen kann. Nehmen wir uns aber die Kunst des Kintsugi zum Vorbild, dann heißt das, dass man sich auch nach Schicksalsschlägen wieder neu zusammensetzen kann und daraus nicht unbedingt schwächer hervorgehen muss, sondern mit ein paar Reparaturarbeiten sogar zu einem noch wertvolleren Menschen werden kann.

Immer wieder Mut zum Neuanfang

Der Psychologe Tomás Navarro tut genau dies. Er zeigt, wie wir Verletzungen erkennen, Widrigkeiten annehmen, wie wir nach einem Schicksalsschlag Resilienz und innere Stärke entwickeln können. Ob wir unser Selbstvertrauen verloren haben, unter Liebeskummer leiden, ein enger Vertrauter plötzlich aus unserem Leben geschieden ist oder den Verlust der Arbeitsstelle verarbeiten müssen – am Vorbild des Kintsugi erklärt er, wie man daraus heil und gestärkt hervorgehen kann.
Den ganzen Artikel von finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 3/2019

 

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