Waldbaden – Eintauchen in die positive Kraft der Natur

Der Wald tut uns gut. Er fördert die innere Ruhe, Optimismus und positive Gefühle und hat darüber hinaus vielfältige nachgewiesene Heilwirkungen auf den menschlichen Organismus. Beim Aufenthalt unter den Bäumen werden unter anderem Körper und Immunsystem gestärkt, der Blutdruck gesenkt und Stresshormone abgebaut.

Das Warten hat ein Ende: Endlich Frühling! Eine magisch anmutende Kraft durchströmt die Natur: Saftiges Grün, leuchtende Farben und belebende Düfte –, wohin wir gehen und schauen. Emsiges Gesumme und Gezwitscher kündet vom frohen Leben nach dem Ende der kalten Jahreszeit. Besonders intensiv können wir die unbändige Kraft der Natur wahrnehmen, wenn wir unser gewohntes Umfeld verlassen und uns auf eine Reise begeben, die uns meist schon nach wenigen Schritten in eine völlig andere Welt führt. Lassen Sie uns also eintauchen in die wunderbare Welt des Waldes und seiner positiven Energie:

Ankommen und Loslassen

Die Welt des Waldes unterscheidet sich so fundamental von unserer alltäglichen Umgebung in den Städten, auf den Straßen, dass wir gut daran tun, für einen kurzen Moment innezuhalten, wenn wir sie betreten. Machen Sie sich frei für die zahllosen Eindrücke, die Mutter Natur hier für Sie bereithält. Tragen Sie am besten für Ihren Besuch im Wald bequeme Schuhe und Kleidung, schalten Sie auf jeden Fall Ihr Mobiltelefon aus oder lassen es gleich daheim. Schreiten Sie im Geiste noch einmal kurz den Weg ab, der Sie hierher an diesen Ort geführt hat. Schließen Sie dann die Augen und atmen Sie bewusst durch die Nase ein, während Sie bis fünf zählen. Atmen Sie durch den Mund wieder aus und zählen dabei ebenfalls bis fünf. Das wiederholen Sie einige Male. Sie stehen aufrecht, aber bequem, Schultern und Arme sind entspannt. Sie fühlen, wie Ihr Brustkorb sich hebt und senkt und lassen mit jedem Atemzug den Alltag ein Stück weiter von sich gleiten. Die Alltagssorgen und all die Vorhaben für die kommenden Tage, die Ihnen wieder und wieder durch den Kopf gehen, sollen hier auf Sie warten, während Sie Ihre Augen wieder öffnen und in dem Tempo, das für Sie genau richtig ist, bewusst und achtsam in den Wald eintreten.

Mit allen Sinnen

Lassen Sie sich jetzt in den Wald hineinführen. Schauen Sie beim Gehen nicht stumpf vor sich hin, sondern öffnen Sie Ihren Blick für all die Bäume und Pflanzen, die den Weg säumen. Vielleicht finden Sie schon bald ein Plätzchen, einen Ort, an dem Sie sich besonders wohlfühlen und verweilen möchten. Dann tun Sie das – und halten kurz inne.
Die heutige Begegnung mit dem Wald unterscheidet sich von vielen anderen, bei denen er meist nur Kulisse ist und von uns kaum wahrgenommen wird. Heute wollen wir uns mit allen Sinnen dem Wald widmen. Vielleicht weht ein leichter Wind, und wir nehmen das Rauschen der Blätter über uns wahr. Vielleicht fällt uns die besondere Stille auf, die schon nach wenigen Metern herrscht, und die uns hilft, unser Gehör für die leisen Geräusche der unzähligen Waldbewohner zu schärfen, die links und rechts des Weges emsig rascheln, scharren, huschen oder zwitschern. Achten Sie auf das Geräusch Ihrer Schritte und wie sich Ihre Atmung allmählich auf Ihr Gehtempo einstellt.
Wenn wir den Blick schweifen lassen, sehen wir uns um diese Jahreszeit von frischem Grün in allen Varianten umgeben. Bäume und Sträucher haben nach der langen Winterpause all ihre Kräfte gesammelt und die in Stamm und Wurzeln gespeicherten Lebenssäfte nach oben gepumpt, wo jetzt starke, neue Triebe sprießen. Wir nehmen auch die Farbe der Stämme und Äste wahr, und wo der Blick nach oben frei ist, können wir uns unter blauem oder auch gräulich-weißem Himmel am Farbenspiel der Natur gar nicht satt sehen. Am Wegesrand oder auch am Waldboden blühen jetzt vielerlei Blumen in allen Farben der Palette. Bärlauch und Waldmeister säumen den Weg.
Atmen Sie bewusst durch die Nase ein und nehmen Sie dabei die intensiven, manchmal rauen Düfte des kraftstrotzenden Waldes wahr. Wenn es feucht ist, riechen wir die Pilze, die jeden Millimeter des Waldbodens mit ihrem Geflecht durchziehen. Wir nehmen den würzigen Duft der Bäume wahr, die sich mit Hilfe von ätherischen Ölen gegen Insekten wehren. Die Terpene, welche die Bäume dabei in die Umgebungsluft freisetzen, regen nicht nur andere Bäume zu gleichartiger Duftstoffbildung an, sondern aktivieren auch das Immunsystem des Menschen. Wir atmen tief und gleichmäßig und laben uns an der Aromatherapie des Waldes.

Auf eigenen Wegen

Pflücken Sie ruhig einmal ein junges Blatt oder einen knusprigen Trieb von einem Baum und schmecken Sie, wie viel Leben in dieser kleinen Portion „Waldsalat“ steckt. Oder zerreiben Sie ein oder zwei Nadeln eines Baumes zwischen den Fingern. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Geschmack und Würze wir hier entdecken können.
Die glatte oder auch zerklüftete Rinde von Bäumen ist ideal, um unseren Tastsinn zu aktivieren, der im Alltag leider oft zu kurz kommt. Stellen Sie sich deshalb einmal ganz nah vor einen Baum, schließen Sie die Augen und ertasten Sie seinen Stamm mit den Fingerspitzen. Vielleicht gelingt es Ihnen dabei sogar, eine geistige Verbindung zu dem Baum aufzubauen. Dann loben Sie ihn in Gedanken für seine Kraft und seinen vollendeten Wuchs.
Nico Schulze

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 3/2018

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