“Wir sind, was wir denken und deshalb fokussiere ich mich auf Positives und Freudvolles.”

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Merle Zirk musste sich schon in jungen Jahren neu erfinden: in der Krise einer schweren Krebserkrankung. Weil die Schulmedizin ihr nicht helfen konnte, krempelte Sie ihr ganzes Leben auf links. Wie sie den Krebs überwunden hat, zu sich selbst fand und heute Menschen zu mehr Lebensfreude inspiriert, erzählt sie hier. Merle Zirk können Sie auch live erleben! Auf dem BEWUSSTER LEBEN TAG am 20. Juli in Konstanz Tickets gibts hier

Liebe Merle, mit 30 hast du die Diagnose Gebärmutterhalskrebs im fortgeschrittenen Stadium erhalten. Das muss ein Schock gewesen sein?

Die Diagnose Ende 2012 hat mein Leben von Grund auf verändert. Anfangs war ich natürlich erschüttert. Da blieb kein Stein mehr auf dem anderen. Auf jeden Lebensbereich hat sich die Botschaft ausgewirkt. Nach der Akuttherapie, also Total-Operation und Entfernung von Gebärmutter, Eierstöcken und 69 Lymphknoten sowie Chemotherapie habe ich versucht, ins Leben zurück zu kommen. Dabei habe ich gemerkt, dass mir das nicht so leicht möglich ist. Es hatte sich körperlich und auch seelisch doch viel an und in mir verändert. Ich hatte sehr viele schwere Stunden, Tage und Wochen. Aber ich habe eben nie aufgegeben und immer daran geglaubt, dass ich gesund werde.
Wie kannst du anderen Frauen Mut machen, die in einer ähnlichen Situation sind?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein ganz achtsamer, authentischer Umgang mit den eigenen Sorgen und Ängsten, aber auch mit den Veränderungen, die immer wieder anstehen, ganz viel bewirken kann. Ich möchte eine Inspirationsquelle dafür sein, dass man sich trotz dunkler Stunden wieder ins Leben zurückboxen kann. Deshalb ist es so wichtig, dass jeder Einzelne aus tiefstem Herzen an sich und an die eigene Kraft glaubt. Mittlerweile habe ich mich zur veganen Ernährungsberatin ausbilden lassen und veranstalte Workshops und Seminarwochen für Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind. Als es mir selbst so schlecht ging, habe ich ein solches Angebot schmerzlich vermisst, da ich mich gerne mit jemanden austauschen wollte, um Erfahrungen zu teilen und Mut in der Gemeinschaft zu schöpfen. In meinen Seminaren reiche ich Betroffenen meine Hand und sie entscheiden dann selbst, ob sie meine Hilfe zur Selbsthilfe annehmen wollen.

In deinem Buch betonst du, wie bedeutend Eigenverantwortung ist. Warum ist dir der Punkt so wichtig?

Wir Menschen lassen uns zu oft fremdbestimmen. Wir funktionieren in unserem Job, in unserem Familienleben und in unserem Alltag. Wir stecken in einem System, in dem wir uns selbst kaum spüren und in dem wir wenig Verantwortung für unsere Träume und Wünsche übernehmen. Dabei ist Eigenverantwortung generell so wichtig in unserem Leben – und als Krebspatient ist es essentiell, zurück in die eigene Kraft und in die Selbstverantwortung zu kommen. Denn das ist der Nährboden für unsere Genesung und unser Wohlbefinden.

Welche Rolle spielte dabei das Thema Ernährung für dich?

Ich hatte nach der Diagnose und der Operation das Gefühl, dass ich ganz neu starten muss, wenn ich leben will. Wie das aussehen könnte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich habe nur gemerkt, dass mich die Beschäftigung mit der Ernährung und ganzheitlichen Heilmethoden sehr interessiert. Während der Chemotherapie habe ich angefangen, mit Lebensmitteln herumzuexperimentieren. So fing ich bspw. damit an, auf Milch zu verzichten, nachdem ich irgendwo gelesen hatte, dass Milch krebsfördernd wirkt und den Körper übersäuert. Und tatsächlich ging es mir dann schnell viel besser.Meine Wassereinlagerungen in den Beinen verschwanden und eine jahrelange Neurodermitis löste sich in Luft auf. Ich war begeistert und habe das auf andere Lebensmittel übertragen, immer mehr gelesen und geforscht. Um mein Wissen auf fundierte Beine zu stellen, habe ich mich dann entschieden, mich zur Ernährungsberaterin ausbilden zu lassen. Mittlerweile kenne ich viele Bücher und Studien, die meine eigenen Erfahrungen wissenschaftlich stützen. Kurz gesagt: Pflanzlich vollwertig, ohne Industriezucker und verarbeiteten Lebensmitteln zu leben, ist für uns die gesündeste Ernährung.

Wie kam es dann dazu, mit einem eigenen Buch an die Öffentlichkeit zu gehen?

Ich hatte diesen Wunsch immer wieder mal heimlich geäußert und irgendwann bin ich per Zufall mit dem Kösel Verlag in Kontakt gekommen. So nahmen die Dinge ihren Lauf. Ich glaube fest daran, dass uns Tür und Tor geöffnet wird, wenn wir auf unserem Lebensweg sind.

Neben deiner Arbeit als Autorin und Ernährungsberaterin veranstaltest du auch Retreat-Seminare. Was ist das Besondere an diesen Retreats und wer kann daran teilnehmen?

Mit meinen Retreats wende ich mich an alle Menschen. Zu meinem Angebot gehören intensive Seminare mit Körpertherapie und Seelenarbeit, aber auch Wochen, in denen der Fokus auf die Yogapraxis gelegt wird. Immer geht es dabei auch um das Thema Ernährung. Es ist mir wichtig, dass alle Teilnehmer/innen ein für sie brauchbares Wissen mit nach Hause nehmen und die neuen Erkenntnisse leicht in ihren Alltag übertragen können. Zu den Retreats kommen die unterschiedlichsten Menschen – solche, die Krankheiten oder Krisen durchleben, aber auch vollkommen gesunde Menschen.
Ich bin ein sehr intuitiver Mensch und kann mich deshalb auch sehr gut auf die Bedürfnisse anderer einstellen, ohne Gefahr zu laufen, mich dabei selbst zu verlieren. Durch meine eigene Geschichte und mein mittlerweile erworbenes Wissen, ist es mir möglich, genau auf die Bereiche im Leben und am Körper eines jeden Einzelnen einzuwirken, die möglicherweise über lange Zeit vernachlässigt wurden. Dann ist oft schon nach kurzer Zeit eine Veränderung bemerkbar. Natürlich schaffe ich all das während eines Retreats nicht alleine – deshalb habe ich auch stets ein empathisches Team an meiner Seite.
Du teilst deine Erfahrungen auch in einem eigenen Blog, den du „Happygoluckyme“ nennst. Was ist das Wichtigste, dass du Menschen darin mit auf den Weg geben möchtest?
Meine wichtigste Botschaft, die ich allen mitgeben möchte, lautet einfach, dass das Leben wundervoll ist. Obwohl wir auch schlimme Zeiten durchmachen. Oder vielleicht gerade deshalb.
Ich möchte zeigen, dass man glücklich werden kann, auch wenn man sich von manchen Träumen verabschieden muss und dazu ermutigen, sich für ein selbstbestimmtes Leben voller Freude zu entscheiden. Nebenbei möchte ich die Menschen auch davon überzeugen, dass vegan zu leben rein gar nichts mit Verzicht zu tun hat, sondern unser Leben unglaublich bereichern kann.

Hast du immer noch Angst davor, dass der Krebs wiederkommen könnte?

Natürlich kommt bei mir manchmal noch Angst auf, dass der Krebs wiederkommen könnte. Vor allem, wenn ich einen schlechten Tag habe oder Schmerzen im Körper wahrnehme. Ich denke, Angst ist wichtig, ist sie doch eine ureigene Reaktion des Menschen. ‚Fight or flight’ war schon in der Steinzeit wichtig. Allerdings schicke ich sie nach kurzer Zeit wieder weg, denn sonst lähmt sie mich und schwächt meinen Körper. Wir sind, was wir denken und deshalb fokussiere ich mich auf Positives und Freudvolles.

Zum Schluss ein kleines Spiel. Vervollständige den Satz: Das Leben ist zu kurz, um …

… zu warten und seine Sehnsüchte aufzuschieben. Zeit ist immer jetzt.
Das Interview führte Birgit Engesser

Merle Zirk live erleben! Auf dem BEWUSSTER LEBEN TAG am 20. Juli in Konstanz
Tickets gibts hier

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