Mauerblümchen oder Rampensau?

Jeder von uns verinnerlicht im Laufe seines Lebens ganz bestimmte Verhaltensmuster, mit denen wir bei anderen Aufmerksamkeit erregen wollen. Das kann mitunter problematisch werden – für uns und unsere Umwelt. Doch da können wir was dran ändern. Wir geben Impulse zur persönlichen Weiterentwicklung.

Im Laufe unseres Lebens haben wir alle typische Eigenarten erworben, die uns zu einem unverwechselbaren Individuum machen. Diese Eigenarten entwickeln sich nicht von ungefähr. Jeder erlebt und betrachtet die Welt aus der Perspektive seiner kulturellen, familiären und persönlichen Filter. Doch das, was wir wahrnehmen, ist nicht die Realität, sondern das, was unser Gehirn daraus macht, sagt uns die Gehirnforschung. Demnach hat jeder von uns im Laufe seines Lebens ein bestimmtes Verhaltensmuster entwickelt, dessen Ursprung in der Kindheit liegt: Als Kind wollen wir damit die Energie der Eltern erreichen und ihre volle Aufmerksamkeit gewinnen. „Wir wurden in ein Familiensystem mit ganz bestimmten Konventionen hineingeboren und haben sehr schnell gelernt, was das effektivste Verhaltensmuster ist, um unsere Eltern innerhalb dieser Gegebenheiten am besten zu erreichen“, sagt die NLP-Trainerin Jenison Thomkins. Die vier Energiemuster heißen: „Aggressiver Einschüchterer“, „Perfektionistischer Besserwisser“, „Kleines Kind“ und „Zurückzieher“. Jeder Typ zeichnet sich durch ganz besondere Eigenschaften, Einstellungen und Verhaltensweisen aus. Was dem einen leichfällt, ist für andere Energiemuster eine Herausforderung.

Erkenne dein Muster und arbeite daran

Die meisten von uns halten auch nach der Kindheit an einem dieser Energiemuster fest. Wer um sein Energiemuster weiß, der kann irgendwann selbst entscheiden: „Wo will ich diese Fähigkeit behalten?“ „Wo ist sie heute eher hinderlich?“ „Was möchte ich Neues dazulernen?“ Es kann sein, dass ein einmal erlerntes Energiemuster zwar in unserer Kindheit noch seinen Zweck erfüllt hat, heute aber für uns der Ursprung so mancher Problematik mit unserem Umfeld und unseren Mitmenschen ist. Das Modell der vier Energiemuster hilft uns, unsere innere Landkarte leichter zu entschlüsseln. Wer die vier Energiemuster als typische Ausdrucksweisen von individuellen Haltungen im beruflichen und persönlichen Alltag erkennt, kann das Wissen um sein Muster nutzen, um besser zu kommunizieren und zufriedener zu leben. Und er kann von anderen Energiemustern lernen. Doch dazu gilt es herauszufinden, welcher Typ Sie sind. Machen Sie unseren Selbsttest!

SELBSTTEST: WELCHER TYP BIN ICH?
Was ist Ihre größte Sehnsucht, was vermissen Sie am meisten in Ihrem Leben?
A: Gemeinschaft B: Anerkennung C: Geborgenheit D: Respekt

Was tun Sie am liebsten? Was macht Sie richtig glücklich?
A: gemeinsames Handeln B: Tanzen C: Genießen D: Bewegung in der Natur

Was ist Ihr größtes Laster?
A: Alkohol B: Ablenkung C: Faulsein D: Lastern

Wo und wie tanken Sie auf?
A: zu zweit mit meinem Partner B: in Gesellschaft C: in der Familie D: allein in der Natur

Was ist Ihre stärkste Motivation? Was treibt Sie an?
A: Pflichtgefühl B: Neugier C: Harmonie D: Abenteuer, der „Kick“

Was ist Ihr höchster Wert?
A: Loyalität B: Freiheit C: Ehrlichkeit D: Gerechtigkeit

Was schätzen Sie am meisten?
A: Familie/Partnerschaft B: Freunde/Freundinnen C: Tiere D: Natur

Was ist für Sie die größte Belohnung?
A: Anerkennung von oben B: Ruhe, Nichtstun C: versorgt zu werden D: tun zu können, was Sie wollen

Was ist Ihre größte „Sünde“? Ihre Schattenseite?
A: manipulieren B: lügen C: trotzen D: sich rächen

Was würden Sie am liebsten tun, was Sie sich selbst nicht gestatten?
A: abhauen B: ausflippen C: herrschen D: rumschnauzen

Aus welchem Gefühl/Beweggrund heraus erfüllen Sie ungeliebte Aufgaben?
A: Pflichtbewusstsein B: Angst vor Schuld C: Angst vor Liebesentzug D: Angst vor Strafe

Was ist Ihr mächtigster Zwang?
A: Perfektionismus B: Gefälligkeit C: Faulheit D: Flucht

Wer ist Ihr größtes männliches Vorbild?
A: Helmut Schmidt B: Dalai Lama C: Albert Schweizer D: Albert Einstein

Wer ist Ihr größtes weibliches Vorbild
A: Simone de Beauvoir B: Hildegard von Bingen C: Alice Schwarzer D: Sophie Scholl

Welches Filmgenre liegt ihnen am meisten?
A: Western, Polit-Thriller B: Komödie C: Unterhaltung, Doku, Drama D: Horror, Doku, Satire, Parodie

Welcher Schauspieler gefällt Ihnen am besten?
A: Sean Connery B: George Clooney C: Johnny Depp D: Brad Pitt

Welche Schauspielerin gefällt Ihnen am besten?
A: Jodie Foster B: Meryl Streep C: Marilyn Monroe D: Scarlett Johannsson

Wie gehen Sie am liebsten essen?
A: deutsch B: vegetarisch C: italienisch D: asiatisch

Was für Musik hören Sie am liebsten?
A: ruhige, entspannte B: rhythmische C: leidenschaftliche D: coole

Wie oft wissen Sie, was Sie wollen und was Ihnen gefällt?
A: immer B: häufiger C: meistens D: selten

Wie erfüllen Sie die Wünsche von anderen?
A: ungehalten, aber gewissenhaft B: gerne C: später D: ungern, aber sofort

Auswertung:
Wenn Sie in der Mehrzahl Antwort A gewählt haben, dann gehören Sie vermutlich zu den “Aggressiven Einschüchterern“, bei Antwort B zu den “Perfektionistischen Besserwissern“, bei C zu den “Kleinen Kindern” und bei D zu den “Zurückziehern”.

Impulse für die persönliche Weiterentwicklung

Sie wissen nun, welcher Energietyp Sie sind. Die Kenntnis des eigenen Energiemusters kann eine gute Unterstützung sein, um sich selbst und andere besser zu verstehen und vielleicht dazu, das ein oder andere Mal etwas anders zu machen und sich aus Ihrem gewohnten Energiemuster herauszubewegen:

Wenn Sie sich als „Aggressiven Einschüchterer“ identifiziert haben, dann sollten Sie sich als erstes einmal entspannen. Es gibt Schlimmeres! Sie haben sich im Laufe Ihres Lebens eine schwere, große Last aufgebürdet, die Sie nun allmählich verringern können. Prüfen Sie, was nicht zu Ihren wirklichen Aufgaben gehört. Gehen Sie auf Distanz zu dem, was Sie emotional bedrängt. Überlegen Sie, ob andere das, was Sie für sie tun, wirklich brauchen.
Tipps: Finden Sie für Ihre Einsichten über die Welt und ihre Ungereimtheiten eine kreative Form z. B. Schreiben, Malen, Theaterinszenierungen. Unterrichten Sie andere, selbst wenn Sie es ehrenamtlich tun. Das wird Ihnen Spaß machen. Nutzen Sie Ihren Galgenhumor und lachen Sie auch einmal über sich selbst. Das entkrampft und die anderen werden Sie lieben.

Wenn Sie sich als „Perfektionistischen Besserwisser“ identifiziert haben, dann wird Sie das nicht wirklich überraschen. Nehmen Sie alles ein bisschen leichter, trauen Sie sich, auch mal Fehler zu machen. Zeigen Sie Schwächen und lassen Sie sich überraschen, was dann passiert. Bestimmt weit weniger, als Sie vermuten. Arbeiten Sie weniger und genießen Sie mehr. Die gute Nachricht: Sie brauchen sich nicht länger selbst zu suchen, das „Ich“ gibt es nämlich gar nicht. Menschen können ihre Bedürfnisse kennen und herausfinden, was ihnen gefällt. Was aber die eigene Identität genau ist, kann man nicht feststellen, weil es nur ein Konzept ist.
Tipps: Achten Sie in Zukunft also mehr auf Ihre Gefühle und bleiben Sie bei sich. Spielen Sie, suchen Sie sich im Alltag Inseln, wo Sie loslassen und frei, leicht und lustig sein können. Leben Sie Ihre kreativen Elemente aus. Folgen Sie Ihrer eigenen Spur.
Wenn Sie sich als „Kleines Kind“ identifiziert haben, dann freuen Sie sich zunächst einmal! Sie sind der Sonnenschein, ein Wonneproppen und können die Welt mit allem, was es da an Schönem gibt, richtig genießen. Ohne Sie gäbe es nur Arbeit und keinen Spaß.
Tipps: Auch wenn andere Sie kritisieren, an Ihnen herumnörgeln und von Ihnen wollen, dass Sie anders sein sollten, als Sie sind: Beiben Sie sich treu! Damit sind Sie ein Vorbild für andere Energiemuster, die sich immerzu selbst in Gedanken an andere oder an Pflichterfüllung verlieren. Trotzdem: Überwinden Sie Ihre Kernkränkung. Machen Sie sich bewusst, dass Sie geliebt werden. Plappern Sie nicht einfach nur drauf los. Nehmen Sie in brenzligen Situationen erst drei Atemzüge, schauen Sie sich Ihr Umfeld genau an und fragen Sie sich, was in der jetzigen Situation angemessen wäre. Halten Sie sich öfters zurück und beschäftigen Sie sich derweil mit Beobachten und Analysieren. Das bringt Ihnen mehr Achtung ein.

Wenn Sie sich als „Zurückzieher“ identifiziert haben, dann schlagen Sie kräftig auf einen Boxsack ein und lassen erst mal Ihre ganze Wut heraus. Wenn Sie keinen Boxsack haben, gehen Sie in den Keller und brüllen Sie. Die gute Botschaft: Sie haben überlebt. Nach all Ihren schlimmen Erlebnissen und Enttäuschungen sich Sie doch dort angelangt, wo Sie nun sind. Selbst wenn Sie materiell nicht so viel haben wie andere und möglicherweise seit Jahren als Single leben, ist dies doch Ihr eigener Weg.
Tipps: Schauen Sie nicht auf Ihre Mängel und Schwächen, sondern verzeihen Sie sich und erteilen Sie sich „Absolution“. Fragen Sie sich, was das Gute an Ihrer Lage ist. Auch ihr wiederholtes Scheitern hat einen Grund. Finden Sie ihn heraus! Definieren Sie Ihre Werte. Was ist Ihnen im Leben wichtig? Finden Sie Ihren Kern, den gesunden, starken. Stellen Sie sich ihren Verletzungen, vergeben Sie Ihren Peinigern, verzeihen Sie allen, auch sich selbst. So können Sie in kleinen Schritten Ihren negativen Blick auf das Leben aufhellen. Ihr Sinn für Humor ist dabei Ihre wichtigste Stütze.

Wichtig zu wissen: Es gibt keine guten oder schlechten Energiemuster. Viele von uns sind auch Mischungen aus verschiedenen Mustern. Um sich weiterzuentwickeln, ist es aber notwendig, sich zuerst der eigenen Verhaltensweisen bewusst zu werden. Und im nächsten Schritt, von anderen Energiemustern zu lernen.

Weitere Impulse zur persönlichen Weiterentwicklung und viele interessante Artikel finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe bewusster leben 5/2022

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