Erfolg durch Stille

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Der Unternehmer Russell Simmons verrät, wie wir durch Meditation gesund und erfolgreich werden, denn erst durch die Erfahrung innerer Stille können wir unser ganzes Potenzial ausleben. Und dafür sind gerade mal 2 x 20 Minuten Meditation pro Tag nötig.

“Aber Russell, ich habe einfach keine Zeit, um zu meditieren.“ Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie oft ich das schon gehört habe. Häufig bitten mich Leute um Rat, wie sie im Leben vorankommen können, was sie weiterbringt; und wenn ich dann sage: „Probiere es doch einmal mit Meditation“, reagieren sie, als wollte ich der Frage ausweichen. „Echt, Russell, ich hab’ für so was keine Zeit“, protestieren sie. „Gib mir was Handfestes!“
Doch etwas Handfesteres als Meditation für Menschen, die ihr Leben verbessern wollen, gibt es nicht. Wenn sie also behaupten, sie hätten keine Zeit, antworte ich immer mit dem guten, alten Meditationsspruch: Wer sich noch nicht einmal 20 Minuten Zeit nehmen kann, um sich mittels Meditation in sich selbst zu versenken, sollte sich eigentlich zwei Stunden Zeit dafür nehmen.

Etwas Handfesteres als Meditation gibt es nicht

Wenn auch Sie zu den Menschen gehören, die meditieren würden, wenn sie bloß Zeit hätten, kann ich Ihnen nur Folgendes raten: Nehmen Sie sich die Zeit. Weil nämlich der Geist der Teil Ihres Körpers ist, den Sie am häufigsten benutzen, um den Sie sich gleichzeitig aber auch am wenigsten kümmern. Überlegen Sie einmal, wie viel Zeit und Mühe Sie in andere Bereiche Ihres Lebens investieren.
Wie die meisten von uns werden Sie wahrscheinlich sehr viel Zeit und Mühe darin investieren, Ihren Körper in Form zu halten. Das leuchtet ein. Zudem kümmern wir uns aber auch ausgiebig um unsere materiellen Besitztümer. Wir bringen unsere Hemden in die Reinigung, wenn sie schmutzig sind. Wir putzen regelmäßig unsere Schuhe. Wir polieren das Silber, waschen hingebungsvoll das Auto und schneiden den Rasen mit der Nagelschere. Doch wie viel Zeit verwenden wir darauf, unseren Geist „in Form“ zu halten? In den meisten Fällen nur einen winzigen Bruchteil der Zeit, die wir für andere Dinge reservieren. Und in den allermeisten Fällen praktisch gar keine!
Wenn ich davon spreche, sich um den Geist zu kümmern, meine ich damit nicht, ihn zu benutzen. Ich meine damit die Zeit, die Sie Ihrem Geist widmen, um ihn zu entspannen und zu stärken. In dieser Hinsicht kümmern Sie sich wahrscheinlich nicht besonders intensiv um ihn, oder?
Noch eine wichtige Frage: Hatten Sie je das Gefühl, Ihr Leben stünde kurz davor, ins Chaos abzudriften – trotz all der Zeit, die Sie mit Sport, Putzen, dem Bezahlen von Rechnungen und dem Organisieren des Alltags verbringen? Dass Sie trotz all der Mühe, die Sie sich damit geben, dem Ganzen eine Struktur zu verleihen, nur Millimeter davon entfernt sind, völlig die Kontrolle zu verlieren? Falls die Antwort auf diese Frage Ja lautet, dann sollten Sie unbedingt meditieren, und zwar jeden Tag.
20 Minuten morgens, 20 Minuten abends. Das ist sicherlich nicht einfach und der Hauptgrund, der Menschen vom Meditieren abhält. Doch wer die Zeit investiert, wer die Meditation erlebt und sie mehr als sechs Monate lang ausübt, wird niemals wieder damit aufhören. Denn es sind nicht nur die 40 Minuten, die sich großartig anfühlen, man behält dieses Gefühl den ganzen Tag lang bei.

So leicht ist Meditieren

Das Ausüben der Meditation ist ein unglaublich simpler und unaufwendiger Vorgang: Sie setzen sich zweimal am Tag 20 Minuten lang mit geschlossenen Augen hin. Und das war’s auch schon. Im Gegensatz zum Gewichtheben, Krafttraining oder Laufen erfordert die Meditation weder eine spezielle Ausrüstung noch einen speziell ausgestatteten Raum. Zum Meditieren brauchen Sie buchstäblich nichts. Wie bereits erwähnt, brauchen Sie keinen eigens eingerichteten Meditationsraum mit Matte auf dem Boden, Vorhängen, die man zuziehen kann, und brennenden Räucherstäbchen. Und auch wenn manche Menschen sie hilfreich finden, brauchen Sie auch keine speziellen Meditationsbänkchen oder -kissen. Alles, was Sie brauchen, ist ein bequemer Sitz. Keine Glöckchen, keine Klangschalen, keine Geräte, keine schicken Klamotten, keine Funktionskleidung – nur Sie, Ihr Geist und eine Sitzmöglichkeit. Im Grunde brauchen Sie noch nicht einmal eine spezielle Sitzgelegenheit. Buddha fand die Erleuchtung auf der nackten Erde unter einem Bodhibaum; Kissen, Stühle, Sessel, geschweige denn ein Meditationsraum sind also eher westliche Luxusgüter.

Ihr Mantra

Nachdem Sie die für Sie optimale Sitzposition gefunden haben, ist es nun Zeit, sich mit dem Mantra zu beschäftigen. Der Ausdruck „Mantra“ stammt aus dem Sanskrit, einer sehr alten indischen Sprache, und ist schon oft und sehr unterschiedlich definiert worden. Mir gefällt die Übersetzung von Deepak Chopra besonders gut: „Man“ bedeutet „denken“ und „tra“ so viel wie „Werkzeug“ oder „Instrument“. Demnach ist das Mantra ein Werkzeug, das uns dabei hilft, den Lärm in unserem Kopf zu überwinden. Auf den ersten Blick wird Ihnen Ihr Mantra wie ein Wort vorkommen. Das ist es aber nicht. Das liegt eher daran, dass das Mantra einen Klang hat, eine Bedeutung muss es deshalb nicht haben. Ich habe dieses Mantra gewählt, damit Sie sich voll und ganz darauf konzentrieren und in die Stille kommen können. Wenn Sie nämlich bei der Meditation über die Bedeutung Ihres Mantras nachdenken, stellt dies nur eine weitere Ablenkung dar, die Sie von der Stille fernhält. Ein Beispiel: Bei dem Wort „Elefant“ werden Sie unweigerlich jedes Mal, wenn Sie es aussprechen, an ein großes, vierbeiniges Tier mit einem langen Rüssel denken. Selbst wenn Sie Ihrem Geist verbieten, sich die Bedeutung des Wortes bildlich vorzustellen, wird er es dennoch tun. Wenn Sie stattdessen allerdings das chinesische Wort für Elefant wählen, ohne zu wissen, was es bedeutet, würden Sie mit seinem Klang nichts Konkretes assoziieren. Sie könnten es hören, so oft Sie wollten, ohne dabei an einen Elefanten zu denken. So sollte es auch mit Ihrem Mantra sein. Wenn wir mit Wörtern oder Klängen etwas assoziieren, werden sie statisch. Um aber die Tiefen der Stille in Ihrem Innersten zu erreichen, muss die Beziehung zu Ihrem Mantra fließend und jederzeit frei sein. Unser Mantra ist ein sogenanntes Massenmantra. Ich habe es von einem Meister gelernt, der mir erklärte, es eigne sich – vor allem aufgrund seiner sanften Wirkung auf das Nervensystem – für eine große Bandbreite an Menschen.

Bestand aufnehmen

Während Ihre Gedanken allmählich zur Ruhe kommen, erleben Sie das erste Stadium der Meditation, das auch als leiseres Denken bezeichnet wird. Ich nenne es gern die Phase der Bestandsaufnahme. In diesem Stadium tauchen mögliche Gedanken so langsam und gemächlich auf, dass Sie sie von einem zuvor nicht gekannten Standpunkt betrachten können. Nach einigen Minuten, in denen Sie bezüglich Ihrer Gedanken und Ihrer körperlichen Empfindungen Bestand aufgenommen haben, gehen Sie in das nächste Stadium der Meditation über, das ich gern als reines Bewusstsein bezeichne. In dieser Phase legen sich die Gedanken, und Ihr Mantra ermöglicht Ihnen den Zugang zu der grenzenlosen Stille in Ihrem Inneren.

Reines Bewusstsein

Mein Lehrer Bob Roth beschreibt den Zustand des reinen Bewusstseins folgendermaßen: Stellen Sie sich Ihren Geist als Ozean vor. Die Meeresoberfläche ist rau, überall türmen sich Wellen auf. So sieht Ihr Geist aus, wenn er abgelenkt ist. Doch am Grund des Ozeans ist es sehr still und ruhig. Dies ist der Geist im Zustand des reinen Bewusstseins. Warum ist es so wichtig, Zeit dort unten zu verbringen? Das hat mein Freund David Lynch erläutert: „Ideen sind wie Fische. Wer nur auf kleine Fische aus ist, kann im seichten Wasser bleiben. Wer aber die großen Fische fangen möchte, muss sich tiefer ins Wasser begeben. Dort unten sind die Fische viel kraftvoller und reiner. Riesig und abstrakt. Und wunderschön.“ Dieses Stadium ist jedoch nicht nur die Phase, in der Sie die „großen Fische“ Ihres Geistes fangen, hier findet auch die körperliche Heilung mittels Meditation statt.
Im Zustand des Tiefenbewusstseins lässt der Druck durch Belastung und Stress, den Ihre Gedanken auf Ihr Nervensystem ausgeübt haben, nach. Während Sie zur Ruhe kommen, können sich die verschiedenen Teile Ihres Gehirns endlich wieder miteinander vernetzen, und die Amygdala hat ihren Frieden. Mit dem Stress reduziert sich auch der Blutdruck. Die Senkung des Blutdrucks und die Entlastung des Nervensystems sind die wohl größten gesundheitlichen Vorteile, die die Meditation mit sich bringt.
Das war sie nun, Ihre erste Meditationssitzung, in der Sie zunächst Ihre Gedanken zur Ruhe haben kommen lassen und in der Sie dann immer mehr in einen Zustand des reinen Bewusstseins gesunken sind. Ihre Augen sind geschlossen, Ihr Mantra hat Sie tief in den Ozean der Stille in Ihrem Inneren geführt. Vielleicht haben Sie ja sogar einen großen Fisch gefangen!

Nach der Meditation

Ist Ihre Sitzung um, sollte der Übergang von der Meditation zur Welt um Sie herum so sanft wie möglich erfolgen. Wenn Sie zusammenzucken und die Augen aufreißen, geht Ihnen ein Großteil der Ruhe verloren, die Sie beim Meditieren erfahren haben. Stellen Sie sich das wie einen Kaltstart Ihres Autos an einem frostigen Morgen vor – es geht nicht. Sie müssen dem Motor etwas Zeit geben, damit er sich aufwärmen und an die Außenbedingungen anpassen kann. Dasselbe gilt für Ihren Geist nach der Meditation. Ich werde oft gefragt, ob es in Ordnung sei, auch länger als 20 Minuten zu meditieren. Und die Antwort lautet: Natürlich! Wenn das Smartphone klingelt, Sie die Meditation aber so sehr genießen, dass Sie sie noch nicht beenden wollen, dann machen Sie weiter. Der letzte Rat, den ich Ihnen hinsichtlich der Meditation geben möchte, ist ganz schlicht: Haben Sie Geduld! Geben Sie Ihrem Geist Zeit, sich zu beruhigen. Sie wollen ihn vielleicht zur Eile zwingen, doch waren Zwang und Eile möglicherweise die größten Probleme, die Ihnen bislang so viel Stress bereitet haben. Nehmen Sie sich also Zeit und denken Sie immer daran, dass der Weg zum Leben im Hier und Jetzt kein Wettlauf ist. Ich helfe Ihnen nur dabei, Ihre Reise zu dem Ort, an dem Sie sein sollten, zu beginnen. Und dann sind Sie dran: Haben Sie Vertrauen. Wenn Sie dem Pfad folgen, den ich Ihnen vorgezeichnet habe, werden Sie sehr bald die kostbaren Juwelen finden, die in Ihrem eigenen Geist auf Sie warten.

Russell Simmons gründete 1983 das legendäre Musiklabel Def Jam und gilt seither als maßgeblicher Wegbereiter der Hip-Hop-Bewegung. Der erfolgreiche Geschäftsmann ist unter anderem an verschiedenen Modelabels und Medienunternehmen beteiligt. Er ist eine wichtige Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in den USA und praktiziert seit vielen Jahren Meditation und Jivamukti Yoga. “Erfolg durch Stille” ist sein drittes Buch und wie seine Vorgänger ein New-York-Times-Bestseller. Russell ist gebürtiger New Yorker und stolzer Vater zweier Töchter.

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