Mein wunderbares Bücherboot

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Jeder Mensch hat so seine Träume. Ob er sie auch in die Tat umsetzt, das steht oftmals in den Sternen. Anders bei der Engländerin Sarah Henshaw. Sie hat sich ihren Traum von einer schwimmenden Buchhandlung erfüllt. Heute ist sie damit überglücklich.

Als die englische Journalistin Sarah Henshaw im Jahr 2009 ein Boot gemeinsam mit ihrem Freund Stu kaufte und in der englischen Kleinstadt Burton-upon-Trent eine Buchhandlung auf genau diesem Boot eröffnete, lief alles zunächst richtig gut. Doch nach mehreren Rückschlägen, dem finanziellen Ruin und einer kaputten Beziehung beschließt Sarah einfach mal auszusteigen und macht sich mit ihrem Bücherboot auf eine Reise durch Englands Flusslandschaften.
Es sollte der Beginn einer wundervollen und ereignisreichen Zeit für sie werden. Insgesamt legt sie 1.600 Kilometer mit ihrem Bücherboot zurück, bezwingt dabei 707 Schleusen, lernt unzählige neugierige Menschen kennen, verkauft Bücher und entwickelt gleichzeitig einen regen Tauschhandel gegen Naturalien wie warme Mahlzeiten, heiße Duschen und andere Errungenschaften der Zivilisation. Das wenige Geld, das sie dabei verdient, gibt sie für neue Bücher aus. Wie verrückt muss man eigentlich sein, um heutzutage noch einen Buchladen aufzumachen? Noch dazu auf einem Boot. Und wie ist es möglich, dabei so glücklich auszuschauen wie die sympathische Engländerin Sarah Henshaw? Das wollen wir genau wissen und fragen ganz einfach bei ihr nach:

Sarah, wie bist du denn überhaupt auf die Idee mit dem Bücherboot gekommen?
Die Idee, Bücher auf einem Boot zu verkaufen, hatte für mich sowohl etwas Praktisches, als auch etwas Romantisches. Ich habe vorher noch nie im Einzelhandel gearbeitet, also dachte ich, die winzigen Räumlichkeiten würden die Dinge viel überschaubarer machen. Außerdem hatte ich so immer die Möglichkeit, an einen neuen Ort zu ziehen, sollte das Geschäft schlecht laufen. Vor allem aber zog mich das entschleunigte Leben auf den Kanälen an. Es schien mir ein Mittel gegen den Stress und die Beschleunigung des Lebens im 21. Jahrhundert zu sein, und ich versprach mir, gerade auch durch die Bücher, einen einfacheren, langsameren Lebensstil.

Du warst aber vorher noch keine Buchhändlerin?
Nein, ich war eine Showbiz-Journalistin in London, mit wenig Talent oder zumindest mit wenig Begeisterung für den Job. Der „Lethal Weapon“-Schauspieler Danny Glover ist bei einem meiner Interviews sogar eingeschlafen. Also kündigte ich meinen Job und verließ London. Ich verbrachte einige Zeit damit, ins Ausland zu reisen und über Vieles nachzudenken. Schließlich beschloss ich, nie wieder nach London zu meinem Job zurückzukehren.

Was hat dich dann dazu veranlasst, sechs Monate lang durch Englands Kanäle zu schippern?
Verzweiflung! Als ich den Laden eröffnete, lief es zunächst super. Ich hatte ein ordentliches Angebot an neuer und gebrauchter Literatur und hielt regelmäßig Veranstaltungen ab, die meist gut besucht waren. Aber das ist so nicht geblieben. Meine Unerfahrenheit, gepaart mit der Preiskonkurrenz durch Online- und Supermarkteinzelhändler, führte dazu, dass der Laden nur zwei Jahre später fast geschlossen werden musste. Ich war voll von Zweifeln und Schuldgefühlen. Dann habe ich mich auch noch von meinem Freund getrennt und bin auf das Boot gezogen. Ich gab mir selbst sechs Monate Zeit, um den Laden zu retten (und wenigstens einen Hauch meiner Selbstachtung), indem ich durch England tourte und versuchte, die Leute davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, unabhängige Buchhandlungen zu besuchen.

Warst du ganz allein mit dem Boot unterwegs?
Ja, aber unterwegs habe ich viele neue Freunde gefunden. Ich war immer wieder erstaunt über die Großzügigkeit der Leute, die eine vollkommen Fremde in ihrem Haus unterbrachten, ein Abendessen kochten, mir einen Drink in der Kneipe spendierten oder mir eine unterstützende E-Mail schickten.

Den ganzen Artikel finden Sie unserer bewusster leben Ausgabe 5/2018

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