Neuanfang: Dieses Jahr wird alles anders

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Haben auch Sie das neue Jahr wieder mit dem ein oder anderen guten Vorsatz begonnen? Doch warum verfliegen die meisten oft schon im Januar? Das muss nicht sein. Unsere Redakteurin Laura Berger hat so ihre eigenen Erfahrungen mit guten Vorsätzen gemacht. Vielleicht kann man was von ihr lernen.

Absolut unzufrieden mit meinem Leben: So fühlte ich mich im Herbst 2016. Frisch verliebt zwar, doch trotzdem: Meine damalige berufliche Situation war für mich untragbar und das negative Gefühl machte sich auch zunehmend im Privatleben bemerkbar. Hinzu kam die langjährige familiäre Belastung durch die schwere Krankheit meiner Mutter. Ich spürte, dass ich dringend eine Veränderung brauchte. Als ich mir Urlaub von der ungeliebten Arbeit nahm, packte mich der blanke Aktionismus. Ich wollte viel und alles gleichzeitig. Ich telefonierte mit interessanten Arbeitgebern, um mich nach Jobmöglichkeiten zu erkundigen, schrieb Bewerbungen, arbeitete gleichzeitig an einem Konzept für eine eigene Website mit Blog und meldete mich für einen mehrtätigen Workshop zum Thema Selbstständigkeit an – den ich dann aber verpasste, weil ich mich vor lauter Stress in der Woche geirrt hatte.

Ziel und Zeithorizont konkret benennen

Zur selben Zeit wechselte ich den Chor, in dem ich schon seit Jahren war, und meldete mich für einen privaten Gesangsunterricht an. Doch den konnte ich mir eigentlich gar nicht leisten. Und natürlich schaffte ich es auch nicht, meine Website aufzubauen, geschweige denn, den Blog zu schreiben. Das machte mich dann noch unzufriedener. Also nahm ich mir für 2017 vor, mich ausschließlich um Priorität Nummer 1 zu kümmern. Mein Vorsatz für 2017 lautete : „Trenne dich von deinem unliebsamen Job. Setze dir eine Frist, bis zu der du spätestens kündigst – unabhängig davon, ob etwas Neues in Aussicht steht oder nicht.“ 

Bis Ende März hatte ich trotz interessanter Gespräche und verheißungsvoller Angebote noch keinen neuen Job. Jedoch nach wie vor die feste Absicht, zu kündigen, um mich wieder frei und besser zu fühlen. Ende Juni war dann Schluss mit meinem alten Job. Ich gönnte mir zwei Monate Auszeit in den Bergen. Auf einer 2800 Meter hoch gelegenen Hütte arbeitete ich körperlich hart und viel. Hier oben lernte ich Disziplin, sammelte neue Lebenserfahrungen und erlebte prägende Begegnungen mit interessanten Menschen. Mein Selbstwertgefühl stieg wieder und ich begann darauf zu vertrauen, dass sich nach meiner Rückkehr alles in meinem Leben nach und nach regeln würde. Ich nahm mir vor, ab jetzt nur noch in kleinen Schritten zu denken und zu handeln.
Als die zwei Monate vorbei waren, bot sich mir und meinem Partner die einmalige Gelegenheit, ohne großen Aufwand und lange Sucherei endlich zusammenziehen – und das auch noch in eine wunderschöne Wohnung. Welch ein Glück! Mittlerweile schreibe ich auch wieder als freie Journalistin. Parallel konzentriere ich mich auf Bewerbungen und bin mir sicher, dass sich auch beruflich demnächst etwas Gutes ergeben wird.

Von guten und schlechten Vorsätzen

Das kennen Sie doch sicher auch von sich: Gute Vorsätze fallen einem schnell ein. Wenn nur auch die Umsetzung so leicht wäre. Die höchste Hürde besteht meist darin, die richtigen Ziele zu finden und den inneren Schweinehund zu überwinden. Durch den Neujahrssekt und die Geselligkeit in pure Euphorie versetzt, haben Sie sich mitten im Freudentaumel vielleicht auch selbst schon das ein oder andere Mal sagen hören: „Dieses Jahr wird alles anders!“ Und anschließend gleich einen ganzen Kanon an Dingen aufgezählt, die Sie gerne ändern, aufgeben oder neu beginnen möchten. Egal ob es der Bauchumfang ist, ob es die Glimmstängel sind, von denen man sich endgültig verabschiden will, der Wunsch nach einer gesünderen Ernährung und Lebensweise oder das Vorhaben, endlich mehr Zeit mit der Familie und mit Freunden zu verbringen.
Notker Wolf, der ein ganzes Buch über gute Vorsätze geschrieben hat, sagt: „Je genauer und konkreter der Vorsatz nach Leistung und Zeitraum quantifiziert wird, desto leichter fällt es, das Ziel zu erreichen.“ Er vergleicht dabei unsere Vorsätze mit einem Spiegel, in dem wir uns selbst ehrlich betrachten sollten und in dem wir schonungslos unsere Schwächen sehen.

Frust durch Überforderung

Meist neigen wir dazu, uns mit allzu vielen Vorsätzen zu überfordern. Da wäre einmal die lang überfällige Diät, die nun endlich konsequent durchgezogen werden will. Gleichzeitig der Vorsatz, mindestens dreimal pro Woche zu joggen und wöchentlich ins Pilates zu gehen. Und dann will man das persönliche Herzensprojekt, endlich mit Geigenunterricht anzufangen, auch noch in die Tat umgesetzt werden. Trotz allem sollte aber noch genügend Zeit für Familie und Freunde sowie den Partner im Besonderen bleiben. Und im Bett soll es möglichst auch regelmäßig knistern.
So oder so ähnlich könnten unsere Vorsätze aussehen. Doch wahr ist eben auch: Anfang Januar erleben die Fitnessstudios immer den gleichen Anmeldeboom, der dann im Laufe der darauffolgenden Monate, spätestens bei schönstem Maiwetter, wieder verebbt.
„Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert, und wir erleben mit den guten Vorsätzen eher eine Niederlage nach der anderen“, warnt der Benediktinermönch Notker Wolf. Die eigentliche Frage lautet: Wie viel Motivation und Ausdauer habe ich, einen Vorsatz tatsächlich langfristig umzusetzen? Wenn ich mich gleich zu Beginn überfordere – entweder, weil ich mir zu viel auf einmal vorgenommen habe oder aber, weil ich mir ein zu hohes Ziel gesteckt habe –, dann verlaufen die guten Vorsätze meist im Sand. Fakt ist: Mit jedem Vorsatz, an dem wir scheitern, erleben wir eine persönliche Niederlage. Scherzhaft und wohlwollend zugleich rät Notker Wolf deshalb: „Wenn man viele Vorsätze hat, darf man auch mal einen fallen lassen.“ „Weniger ist mehr“ gilt auch in punkto guter Vorsätze.
Deshalb ist es sinnvoll herauszufinden, welche Ziele für mich absolute Priorität haben. Und dann gemäß einer Strategie der kleinen Schritte, Teilziele definieren und Teilerfolge feiern, sodass das große Ziel auch erreichbar scheint. Zur Veranschaulichung: Um beim Hausbau während der langen kräftezehrenden Phase einmal innezuhalten und mit Stolz das zu feiern, was bereits geleistet wurde, gibt es die Tradition des Richtfestes. Die Rohbauphase ist abgeschlossen, der Dachstuhl steht – bis das Haus fertig ist, fehlen jedoch noch mehrere Schritte.

Weniger ist mehr: In kleinen Schritten zum Erfolg

„Gute Vorsätze kennen ein klares Ziel, eine konkrete Strategie. Es kommt auf Regelmäßigkeit an, nicht auf Überforderung“, weiß Wolf. Selbstdisziplin ist der Schlüssel zum Erfolg. Und Vorsätze haben auch einen Sinn: „Vorsätze erinnern uns immer wieder hartnä-ckig daran, dass wir auf unserem Weg zu einem gelingenden Leben nicht nachlassen dürfen. Sie treiben uns an und rütteln uns auf, aus unseren bequemen Komfortsesseln herauszukommen und uns wieder herauszufordern“, weiß der Benediktinermönch.

Raus aus der Komfortzone!

Was mich betrifft, so bin ich heute froh, dass ich durch die Umsetzung des Vorsatzes, meinen Arbeitsplatz aufzugeben und mir eine Auszeit zu gönnen, einen Stein ins Rollen gebracht habe. Danach kam alles in Bewegung und auf einmal standen mir viele neue Möglichkeiten offen. Was ich jetzt daraus machen werde, bleibt mir überlassen. Gelernt habe ich vor allem: loszulassen, Veränderungen gelassen anzunehmen und mich in Gottvertrauen zu üben.
Was ich mir für dieses Jahr vornehme? Ich werde mir auf jeden Fall meinen Herzenswunsch erfüllen und endlich meinen eigenen Blog starten.

Laura Berger

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