Neuanfang:
Gute Vorsätze reichen nicht

Tabitha Bühne war viele Jahre ein großer Fan guter Vorsätze. Leider hat sie die meisten ihrer selbst gesteckten Ziele nur für einige Wochen durchgehalten. Erst allmählich lernte sie, wie es anders gehen kann.

An Zielen mangelt es uns meist nicht. Wir wollen eher zu viel – und das bitteschön sofort, hier und jetzt. Oder wir wissen gar nicht wirklich, was wir wollen. Wir verzetteln uns, überfordern uns und werden deshalb schnell wieder unzufrieden. Vor allem Mütter und Führungskräfte sollen besonders gut darin sein. Sie nehmen sich allein für den Montag mehr vor, als sie in der ganzen Woche schaffen können.

Realistische Ziele setzen

Vor Kurzem bekam ich eine E-Mail meiner Freundin Simone. Sie bat mich, sie beim Erreichen ihrer Ziele zu unterstützen. Die Nachricht war kryptisch. Ich verstand nicht, was sie wollte. Auf meine Nachfrage hin antwortete sie: Sie wolle einen Marathon unter drei Stunden laufen und außerdem lernen, wie man Liegestütze auf zwei Fingern macht. Ich war beeindruckt. Ich fragte sie, was für eine Zeit sie denn bisher beim Marathon gelaufen war und wie viele normale Liegestütze sie schon konnte. Ihre Antwort: Einen Marathon sei sie noch nie gelaufen. Und bei Liegestützen lag ihr Rekord bei vier am Stück – auf den ganzen Handflächen.
Vielleicht lachen Sie darüber. Aber auch wir verwechseln manchmal schöne Träume mit realistischen Zielen. Ein englischer Buchmacher kam diesbezüglich auf eine clevere Geschäftsidee: Er wettet gegen jeden, der abnehmen will. Achtzig Prozent der Teilnehmer verlieren die Wetten, vor allem Frauen. Das scheint daran zu liegen, dass ihre Ziele völlig losgekoppelt von der Realität sind. Ein bisschen abnehmen reicht uns nicht, wir müssen ja unbedingt so aussehen wie die „Victoria’s Secret“-Models.
Gern hören wir auf unsere Gefühle, obwohl die nicht immer zuverlässig und hilfreich sind. Hilfreicher ist es, die eigenen Entscheidungen in ein „Big Picture“ einzubetten, die großen Zusammenhänge im Leben zu sehen. Von einem Glas Wein werden wir noch keine Alkoholiker, und von einem Stück Kuchen kriegen wir noch kein Übergewicht. Aber um gesund und erfolgreich zu bleiben, muss man sich immer wieder fragen: „Wie passt das, was ich jetzt tue, zu dem Menschen, der ich langfristig werden möchte?“

Jahres-Highlights statt guter Vorsätze

Ich war viele Jahre ein Fan der guten Vorsätze. Leider habe ich viele meiner Vorsätze wie die meisten Menschen nur für einige Wochen durchhalten können. Besser klappte es mit Jahresmottos oder wenn ich mir ein Thema für das Jahr gegeben habe. Auf die Planung von Jahres-Highlights kam ich erst, als ich merkte, dass ich nur in der Lage war, jene Vorsätze umzusetzen, auf die ich mich gefreut hatte. Seitdem habe ich für jedes Jahr immer ein sportliches Ziel, auf das ich mich freue (wie einen Halbmarathon in einer Stadt, die ich noch nicht kenne), ein Ziel für die Seele, ein charakterliches Ziel und ein Freundschaftsziel. Eine Zeit lang habe ich mit meiner Schwester „Charakter-Pläne“ geschmiedet. Wir haben uns vor dem nächsten Monat eine Charaktereigenschaft ausgesucht, die wir gerne ändern oder verbessern wollten. Bei mir war es zum Beispiel „Geduld haben“, bei ihr „Nein sagen“.

Zum Weiterlesen:
Tabitha Bühne, “Ab morgen bin ich schön!”, Fontis Verlag, 18 Euro

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 1/2020

Diesen Artikel teilen

Schreiben Sie einen Kommentar