Resilienz: Das Geheimnis der inneren Stärke

Warum schaffen es manche Menschen, sich nicht von ihren Lebenskrisen und Schicksalsschlägen unterkriegen zu lassen? Weil sie kreativ und flexibel reagieren, wenn andere sich hilflos fühlen. Zum Glück ist diese Fähigkeit, die als Resilienz bezeichnet wird, nicht angeboren, sondern erlernbar. Wir zeigen, wie Sie in sieben Schritten Ihre innere Widerstandskraft stärken können.

Resilienz, die erstaunliche Fähigkeit, auch an tiefen Lebenskrisen nicht zu zerbrechen, ist in den letzten Jahren Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Studien geworden. So wurden sieben Schutzfaktoren ermittelt, die unser „seelisches Immunsystem“ trainieren und stärken, sodass wir Schwierigkeiten und Krisen meistern und an ihnen sogar wachsen können. Dabei haben in schweren Krisen auch Zusammenbruch, Verzweiflung und vorübergehende Orientierungslosigkeit ihren Platz. Ja, sie gehören sogar zum Heilungsprozess dazu, weil erst dann Wiederherstellung und Erneuerung in ihrer ganzen Tiefe und Tragweite erfahren werden können. Die sieben seelischen Schutzfaktoren, die uns helfen, „Bewältigungsreserven“ anzulegen und mit Schwierigkeiten und Krisen gestaltend umzugehen, statt ihnen hilflos ausgeliefert zu sein, zeigen sich in drei Grundhaltungen und vier Fähigkeiten.

DIE DREI GRUNDHALTUNGEN

1. Optimismus
Optimismus muss nicht angeboren sein, sondern ist erlernbar. Ja, es kommt sogar gerade darauf an, von einem kindlich naiven zu einem „fundierten Optimismus“ zu gelangen, sagt die Mediatorin und Resilienz-Trainerin Monika Gruhl. Fundierter Optimismus bedeutet „Zuversicht und Vertrauen auf einen guten Ausgang im Bewusstsein der damit verbundenen Mühen und Schwierigkeiten.“
Dabei können wir eine menschliche Schwäche zu unserem Vorteil nutzen. Weil unsere innere Einstellung erwiesenermaßen wie ein Filter für unsere Wahrnehmung wirkt, sehen wir zumeist nur das, was wir erwarten. Das bedeutet umgekehrt: Wir können unseren Blick für das „Licht am Horizont“ gezielt schulen. Etwa indem wir:

*ein Sonnen-Tagebuch führen*
Sie schreiben es wie ein ganz normales Tagebuch, doch ganz bewusst nur über schöne Momente. Das können kleine Dinge sein wie z. B. das Beobachten eines Eichhörnchens oder das Glitzern des Schnees in der Sonne. Und natürlich auch die „größeren“ schönen Augenblicke wie z.B. ein nettes Telefonat mit einer Freundin oder ein Lob bei der Arbeit. Wenn Sie möchten, können Sie auch Fotos, Eintrittskarten, getrocknete Blumen und Ähnliches in Ihr Sonnen-Tagebuch einkleben und es so zu einem ganz persönlichen Sammelsurium positiver Erfahrungen und schöner Erinnerungen machen. Ein Sonnen-Tagebuch öffnet unseren Blick für die vielen schönen Momente, die das Leben jeden Tag bereithält – vollkommen unabhängig davon, wie viele Probleme wir gleichzeitig zu bewältigen haben.
In diesem Bewusstsein trauen wir uns viel eher zu, erste kleine Schritte aus der Krise zu gehen. Diese wiederum geben uns Schubkraft für die nächsten, die vielleicht größer und schwieriger sind.

2. Akzeptanz
Ein Problem zu akzeptieren, bedeutet nicht, sich ihm widerspruchslos zu fügen. Es bedeutet vielmehr, „sich Schritt für Schritt der Wirklichkeit zu öffnen“, schreibt Monika Gruhl. Gerade bei einschneidenden und leidvollen Erfahrungen kommt es darauf an, dass wir uns ausreichend Zeit gönnen um wahrzunehmen, was geschehen ist, und um uns dann der veränderten Realität nach und nach anzupassen. Meist geht es nicht darum, was zu tun ist, sondern, was wir lassen und loslassen müssen. Weil dies auch für alles gilt, was in der Vergangenheit geschehen ist, ist Akzeptanz zugleich Versöhnungsarbeit. Vielen Menschen fällt es besonders schwer, die eigenen Grenzen und Unzulänglichkeiten zu akzeptieren. Die folgende Übung kann helfen:

*sich selbst mit Mitgefühl begegnen*
Schreiben Sie einen Brief an sich selbst, aber ganz so, als wäre er an eine Freundin (oder einen Freund) gerichtet, der sie hundertprozentig vertrauen können. Teilen Sie Ihrer Freundin alles mit, was Sie gerade bewegt: Schönes, aber auch Kummer, Sorgen oder Ängste. Seien Sie ganz offen; Stil und Struktur sind vollkommen unwichtig. Wenn Sie fertig sind, legen Sie den Brief ein, zwei Tage beiseite und lesen Sie ihn dann erneut. Lassen Sie den Text einfach auf sich wirken – ohne zu urteilen.
Schreiben Sie nun in der Rolle der Freundin einen Antwortbrief. Drü-cken Sie darin Ihr Mitgefühl aus und sagen Sie auch, wie sehr Sie die Offenheit und Ehrlichkeit berührt. Finden Sie tröstende Worte oder freuen Sie sich mit. Wichtig ist, dass Sie wirklich ernst meinen, was Sie schreiben. Warten Sie wieder ein, zwei Tage, und lesen Sie dann auch diesen Brief noch einmal. Bedanken Sie sich in einem abschließenden Brief für die Anteilnahme Ihrer Freundin (oder Ihres Freundes) und schreiben Sie ihr, was diese Anteilnahme in Ihnen ausgelöst hat…

Den ganzen Artikel finden Sie in unserem bewusster leben Sonderheft Gesundheit Ausgabe 02-2017 ,,Jung bleiben“

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Ein Gedanke zu „Resilienz: Das Geheimnis der inneren Stärke“

  1. Super Zeitschrift mit Themen die genau mich interessieren. Vielen Dank an den Redakteur mit seinem Wunsch an die Leser. Bleiben Sie Gesund oder werden Sie es. Liebe Grüße von Bertram P.S. Ein gutes und gesundes neues Jahr an euch alle

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