Richtung Gipfel – Mitten ins Leben!

WanderCoaching ist mehr als Wandern und mehr als Coaching. Es führt dich auf deinen ganz eigenen Weg, hinein in ein erfülltes Leben. In Bewegung können die Gedanken frei schwingen und mit der sich verändernden Landschaft ergeben sich fast wie von selbst neue Perspektiven. Wir sprechen mit Dr. Julia Bayer, Prozessbegleiterin und Wandercoach:

Was kann man sich unter WanderCoaching vorstellen?

Fangen wir beim Coaching an: Coaching kann man als professionelle Unterstützung und Begleitung in beruflich oder privat herausfordernden Situationen begreifen, bei Entscheidungen oder Umbrüchen im Leben, die eine Neuausrichtung erfordern, bei Belastungen in Beziehungen, Schwierigkeiten im Beruf oder bei der Karriereplanung. In der Regel wird Coaching in einzelnen Stunden in Seminar- oder Coachingräumen angeboten, bei Business Coaching häufig auch im Unternehmen. WanderCoaching führt aus dem Alltag hinaus, in die Natur und in die Bewegung. Das kann von einstündigen Spaziergängen im Stadtpark bis hin zu mehrtägigen Gruppen-Wanderungen im Gebirge reichen. Aus meiner Erfahrung ist die Wirkung bei einer mehrtägigen Wanderung in der Gruppe am intensivsten und nachhaltigsten. WanderCoaching kann man als Seminar zur Persönlichkeitsentwicklung begreifen, das in Bewegung stattfindet. Man kann es aber auch einfach als begleitete, persönliche Auszeit in der Natur sehen.

Was ist das Besondere daran?

Die Kombination aus Natur, Bewegung und professioneller Begleitung. Bedürfnisse, die im Alltag oft nicht mehr wahrgenommen werden, erhalten in der Natur neue Wichtigkeit: frische Luft, freier Atem, weiter Blick, Zeit im Jetzt. Die Natur ist ohne Bewertung von gut oder schlecht, ohne Anspruch auf Besitz, Dauerhaftigkeit oder gar Perfektion. Das ermutigt dazu, feste Vorstellungen von einem bestimmten Ergebnis oder einem geplanten Leben zu hinterfragen und das zu begrüßen, was sich in dem Moment zeigt und damit zu arbeiten. Die Natur hilft dabei, nicht nur durch ihre Vorbildfunktion oder den Spiegel, den sie uns zeigt. Sie beeinflusst uns auch ganz körperlich. Schon nach wenigen Stunden in der Natur wird das Immunsystem gestärkt, Blutdruck, Kortisol und Puls sinken und damit das Stresslevel. Es kann Ruhe einkehren, die Platz macht für nötige Veränderungen und Entwicklung. Diese positive Wirkung der Natur wird durch Bewegung, insbesondere durch Wandern, noch verstärkt und fördert ganz bestimmte Qualitäten der Erkundung: Es fällt leichter, sich mit den eigenen Gefühlen zu verbinden, Perspektiven zu wechseln und „die Box“ zu verlassen. Die Kreativität wird angekurbelt und neue Ideen entstehen, wir sind offener und neugieriger. Besonders wenn Teams gemeinsam auf WanderCoaching sind, erleben wir, dass die Prozesse sehr schnell in Bewegung kommen, tiefgreifende Entwicklungen anstoßen und sich nachhaltig verankern.

Können Sie uns einen typischen Ablauf oder eine Situation schildern, die man beim WanderCoaching erlebt?

Je nach Tour kann es ablaufen wie eine typische Hüttenwanderung, teils sogar mit Übernachtung im Matratzenlager. Es kann aber auch von einem Hotel oder einem festen Hüttenstandort ausgehen. Gleich nach dem Frühstück geht es los und den Tag über wird gewandert, in einer Kombination aus etwas anspruchsvolleren Wegabschnitten, ruhigeren Phasen, Gesprächen in Kleingruppen, individuellen Coachings, inhaltlichen Workshopeinheiten und Übungen. Der Austausch mit anderen bietet die Chance voneinander zu lernen. Die Teilnehmenden erkunden ihre Anliegen von unterschiedlichen Seiten und lernen gleichzeitig Methoden der persönlichen Entwicklung kennen, die sie später auch alleine für sich nutzen können. So unterstützen wir Menschen darin, ihrer eigenen Herzenssehnsucht – oder auch dem eigenen Purpose – zu folgen und Lebenssituationen, die Veränderung brauchen, gut zu gestalten.

Für wen ist WanderCoaching das Richtige?

Für alle Menschen, die eine körperliche Grundfitness mitbringen, gerne draußen sind und den Wunsch haben, mehr über sich zu erfahren und ihr Leben in die Hand zu nehmen – so wie sie es sich wünschen. Es kommen aber auch Teams zum WanderCoaching, wenn sie ihre Zusammenarbeit verbessern möchten, Konflikte lösen oder Freiraum für kreative Prozesse brauchen.

Wie sind Sie zum WanderCoaching gekommen?

Ich bin seit fast 30 Jahren regelmäßig in den Bergen unterwegs und hatte schon lange den Wunsch, Wandern mit Coaching zu verbinden. Aber ich habe es mich nie so recht getraut. Heute weiß ich, dass die Zeit noch nicht soweit war. Der Durchbruch kam, als ich 2018 im
Himalaya das erste Mal selbst auf einer geführten Wanderung war. Ich war völlig beeindruckt davon, wieviel Freiraum entsteht, wenn es einen vorgegebenen Rahmen gibt, in den ich mich hinein entspannen darf. Ich bin sehr freiheitsliebend und ich dachte immer, dass mich eine Gruppe „einsperren” würde.
Stattdessen habe ich erlebt, wie unterstützend das sein kann und ich habe sehr deutlich gespürt, dass es genau das ist, was ich in die Welt bringen möchte. Und ich bin dankbar, dass ich andere darin unterstützen darf, ihrem ganz eigenen Weg zu folgen.

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