Roadmap Selbstfürsorge

Ein zunehmender Optimierungswahn greift um sich: Wir fühlen uns immer öfter gestresst und unter ­Zeitdruck. Was können wir dagegen tun? Tatjana Reichhart gibt Tipps dazu, wie wir lernen, auf unsere eigenen Bedürfnisse zu hören.

Nach einer aktuellen Befragung unter berufstätigen Müttern, geben zwei Drittel an, immer 120 Prozent geben zu wollen. Sieben von zehn wollen stets alles perfekt machen. Fast jede zweite Befragte hat außerdem ständig ein schlechtes Gewissen, Familie, Partner und Freunde zu vernachlässigen. Jede zweite berufstätige Mutter erledigt die Sachen lieber selbst als vorher lange mit dem Partner darüber zu diskutieren. Repräsentative Umfragen der Techniker Krankenkasse und der PronovaBKK unter deutschen Arbeitnehmern zeigen auch kein entspannteres Bild: Mehr als 60 Prozent fühlen sich oft gestresst. Die Hälfte der Beschäftigten schätzt sich selbst als mäßig bis hoch Burnout-gefährdet ein und klagt über körperliche und psychische Beschwerden. Zum „Ausgleich“ schauen die Befragten fern oder geben an, im Internet zu surfen. Jeder Dritte trinkt Alkohol, um „runterzukommen“. Offensichtlich haben wir also verlernt, was es heißt, gut für sich selbst zu sorgen.

So wie wir unseren Körper pflegen, sollten wir das auch mit unserer Seele tun

Wir lassen uns impfen, damit unser Körper mit bestimmten Erregern leichter fertig wird, putzen Zähne um Karies zu vermeiden und waschen uns die Hände, um keine Keime zu übertragen. Da wird es Zeit, dass wir auch unsere Seele pflegen. Doch wie geht das und warum ist das so wichtig?
Gut für sich zu sorgen, ist die Basis, um den Belastungen und Anforderungen des Lebens standhalten zu können. Eine gute Selbstfürsorge steht zwischen den Extremen „Aufopferung/Ausbrennen“ und „Egoismus“. Indem wir gut für uns sorgen, uns und unsere Bedürfnisse wahr- und wichtig nehmen, stärken wir unsere Widerstandsfähigkeit. Selbstfürsorge meint, die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und zu erkennen, wo wir frei und handlungsfähig sind, um dementsprechend unser Leben bewusst und aktiv zu gestalten. Die Basis dazu ist die Selbstreflexion: über uns, unsere Bedürfnisse und unsere – sich widerholenden – Verhaltensmuster, den daraus entstehenden Konsequenzen und darüber, wie wir unser Leben gestalten wollen, was uns wirklich wichtig ist und wer wir sein wollen.
Artikel zu Ende lesen

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 5/2019

Diesen Artikel teilen

Schreiben Sie einen Kommentar