Schmerz lass nach!

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Immer mehr Menschen leiden dauernd oder immer wieder unter starken Schmerzen. Weil die ärztliche Versorgung oft unzureichend ist, behandeln sie sich meist selbst und schlucken Schmerzkiller. Doch die haben starke Nebenwirkungen. Wir zeigen drei alternative Behandlungswege.

Auch wenn Schmerzen unangenehm sind, so sind sie für unser Leben höchst wichtig. Jeder Schmerz ist ein Alarmzeichen, das darauf hinweist, dass im Körper etwas nicht stimmt. Wenn wir beispielsweise Zahnschmerzen haben oder nach einem Sturz plötzlich starke Beschwerden spüren, wissen wir, dass wir uns in ärztliche Behandlung begeben müssen. Ganz anders verhält es sich mit chronischen Schmerzen. Die Betroffenen leiden dann unter lang anhaltenden und wiederkehrenden Schmerzen, ohne dass eine Ursache zu erkennen ist. Am häufigsten leiden Patienten unter chronischen Rückenschmerzen und Kopfschmerzen. Weit oben auf der Liste der Krankheitsbilder stehen aber auch Knie- und Hüftschmerzen, gefolgt von Muskel- und Gelenkschmerzen. Doch trotz gründlicher Untersuchung kann der Arzt meist keinen eindeutigen Befund feststellen, der das Ausmaß der Schmerzen vollständig erklärt. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass beispielsweise die Stärke von Rückenschmerzen nicht mit den Veränderungen, die am Röntgenbild zu sehen sind, übereinstimmen. Deshalb kann auch meist keine Therapie verordnet werden.

Über die Ursachen von chronischem Schmerz

Im Prinzip kann jeder Schmerzreiz im Nervensystem bleibende Veränderungen hervorrufen. „Ein akuter Schmerz kann, wenn er nicht ausreichend bekämpft wird, in einen chronischen Schmerz übergehen“, erklärt der Heidelberger Physiologe Professor Jürgen Sandkühler. Das Nervensystem nimmt es uns gewissermaßen übel, wenn Schmerzen nicht behandelt wird. Dadurch kann die Schmerzschwelle so stark herabgesetzt werden, dass auch an sich harmlose Außenreize wie etwa eine leichte Berührung als schmerzhaft empfunden werden. Mitunter sind die Schmerzfasern sogar dann aktiv, wenn gar kein Reiz vorhanden ist. Auf diese Weise verselbstständigt sich das Schmerzempfinden.

Wenn schlafende Schmerzrezeptoren aktiviert werden

Wisschenschaftler haben herausgefunden, dass Entzündungsprozesse im Organismus  zu einer Überempfindlichkeit der Schmerzrezeptoren führen kann. Sie entdeckten eine Gruppe von Rezeptoren, die im gesunden Organismus weder auf Druck noch auf Wärme oder gar Hitze reagieren. Diese „stummen“ oder „schlafenden“ Rezeptoren bilden etwa ein Drittel aller Schmerzrezeptoren. Sie werden immer nur dann sensibilisiert, wenn krankhafte Vorgänge im Organismus entstehen und sich infolgedessen bestimmte Botenstoffe in dem betroffenen Gewebe ausbreiten. Bei entzündlichen Prozessen wie etwa einer Arthritis oder Arthrose kann es deshalb passieren, dass wir bereits einen Schmerz verspüren, wenn wir die betreffende Zone auch nur berühren.

So entstehen chronische Muskelschmerzen

Manche chronische Schmerzzustände können auf einer fehlerhaften Regulation der Bewegungsmuskulatur beruhen. Jeder, der schon einmal starke Rückenschmerzen oder einen Hexenschuss hatte, hat auch erfahren, wie akute Schmerzen dazu führen können, dass die umliegende Muskulatur sich total verspannt. Umgekehrt kann eine übermäßig angespannte Muskulatur wiederum Schmerzen auslösen, weil die Schmerzrezeptoren in Muskeln, Sehnen und Gelenken erregt werden. So entsteht häufig ein „Teufelskreis“, bei dem sich Muskelanspannung und Schmerzen immer weiter hochschaukeln. Dadurch hält sich ein Muskelschmerz selbst aufrecht und kann unter gewissen Umständen chronisch werden.

Guter Rat ist teuer

Zwar sind Schmerzerkrankungen inzwischen ganz gut erforscht, doch die meisten Schulmediziner haben immer noch eine sehr simple Vorstellung davon, wie Schmerzen entstehen und suchen nach der Ursache, die den Reiz auslöst. Bleibt die Suche ergebnislos, verschreiben viele Ärzte allenfalls starke Schmerzmittel wie Diclofenac. Manche Patienten greifen auch selber zu rezeptfreien Medikamenten wie Paracetamol oder Ibuprofen. Die Nebenwirkungen solcher Schmerzhemmer werden dabei meist völlig vernachlässigt. Doch deren toxischen Inhaltsstoffe belasten vor allem Nieren und Leber. Paradoxerweise können die vermeintlichen Helfer sogar selber Dauerschmerzen verursachen. Deshalb ist es besser nach alternativen und naturheilkundlichen Behandlungsmöglichkeiten zu suchen. Sie sind in der Regel nebenwirkungsfrei und lindern auf sanfte Weise die Schmerzen.

Mit Pflanzen gegen den Schmerz

In der Schmerztherapie haben sich die exotischen Pflanzen Teufelskralle und Weihrauch besonders bewährt. Beiden gemein ist, dass sie entzündungshemmende Eigenschaften haben. So enthält die aus Südafrika stammende Teufelskralle den Pflanzenstoff Harpagosid, der die Produktion von entzündungsfördernden Gewebshormonen vermindert. Da er auch die Herstellung bestimmter Enzyme, die Knorpelgewebe angreifen, hemmt, wird er häufig zur Behandlung von Arthritis und Arthrose verordnet. Damit das Mittel gegen Schmerzen wirkt, wird eine tägliche Dosis von 50 bis 100 Milligramm Harpagosid empfohlen. Ebenso wirksam ist der in der katholischen Liturgie verwendete Weihrauch, der zu den ältesten Arzneimitteln überhaupt zählt. Schon Hippokrates und Hildegard von Bingen empfahlen das duftende Baumharz bei vielen Gesundheitsproblemen. Es wird vor allem wegen seiner entzündungshemmenden Substanzen, die in den Boswelliasäuren stecken, geschätzt.
In jüngster Zeit haben Forscher die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe genauer untersucht und seine Wirkungsweise besser verstanden. So weiß man heute, dass bestimmte Substanzen die Bildung eines Enzyms hemmen, das Entzündungsreaktionen hervorrufen kann. Seine positive Wirkung zeigt Weihrauch speziell bei Arthritis und chronischen Gelenkentzündungen. Weihrauch kann innerlich als Nahrungsergänzungsmittel aber auch äußerlich angewandt werden. Beim Kauf der Mittel ist es wichtig, auf deren Herkunft zu achten. Die aus Asien stammenden Produkte können mit Schadstoffen belastet sein.

Systemische Enzymtherapie

Umweltgifte, falsche Ernährung und Alkohol triggern kontinuierlich Entzündungsherde im Körper. Wenn wir nicht genügend antientzündliche Kost zu uns nehmen, kann unser Organismus nicht alle entzündlichen Prozesse erfolgreich bekämpfen. Die „Brandherde“ schwelen weiter und können schließlich chronisch werden, ohne dass wir es zunächst bemerken. Die systemische Enzymtherapie hat sich deshalb bei vielen Krankheiten bewährt – besonders bei den schmerzhaften und solchen, die durch Entzündungsprozesse ausgelöst werden. Enzyme kommen natürlicherweise im menschlichen Körper vor. Sie helfen uns dabei, Eiweiße zu verarbeiten und steuern sämtliche biochemischen Reaktionen im Organismus. In der Enzymtherapie werden Enzyme wie Bromealin aus dem Strunck der Ananas und das proteinspaltende Papain aus dem Milchsaft der Papayafrucht eingesetzt. Letzteres wirkt antioxidativ, entzündungshemmend und antibakteriell. Darüber hinaus hat es eine schmerzlindernde Wirkung. Beide Enzyme unterstützen die Bildung von Killerzellen und stärken so das Immunsystem. Auch das tierische Trypsin, das aus der Schweinepankreas gewonnen wird, fördert bei schmerzhaften Entzündungsprozessen die Selbstheilungskräfte. In bestimmten Arzneimitteln werden die genannten Enzyme noch mit dem Flavonoid „Rutosid“, das aus dem japanischen Pagodenbaum gewonnen wird, kombiniert. Es ist bekannt, dass eine Enzymtherapie Entzündungswerte im Blut senken und auch eine positive Wirkung auf das Gewebe haben kann. Außerdem hilft sie bei Schwellungen, Wasserablagerungen und Schmerzen. Damit die Enzyme aktiv im Darm ankommen und von dort in die Blutbahn resorbiert werden können, werden sie in magensaftresistenten Tabletten angeboten.

Organischer Schwefel – MSM

Normalerweise klingt eine akute Entzündung nach einer gewissen Zeit ab. Doch das ist nicht immer so. „Wenn Brandherde nicht mehr völlig zum Erliegen gebracht werden können, dann steigt das Risiko für entzündungsbedingte Folgeerkrankungen“, erklärt Professorin Dr. Michaela Döll.
Sie empfiehlt den aus den USA kommenden schwefelhaltigen Naturstoff MSM (Methylsulfonylmethan), da man mit ihm sehr gut entzündungsbedingte Schmerzen behandeln kann. Schwefel ist ein wichtiger Mineralstoff, der als Baustoff für Knorpel, Sehnen, Bänder und Zähne benötigt wird. Auch spielt dieser Naturstoff, der in unseren Körperflüssigkeiten vorkommt, eine wichtige Rolle bei der Produktion von Hormonen, Enzymen sowie Abwehrstoffen. Ohne Schwefel kann der Körper keine lebenswichtigen Eiweiße herstellen. Der Naturstoff zeigt nicht nur eine schmerzstillende, sondern auch eine entzündungshemmende Wirkung. „Damit kann der Schwefelstoff bei nahezu allen schmerz- und entzündungsbedingten gesundheitlichen Problemen angewandt werden“, schreibt so die Expertin Michaela Döll. Der Schwefelstoff soll die Beweglichkeit von Gelenken fördern und die Regeneration und Neubildung von Knorpelgewebe anregen. Deshalb eignet es sich auch hervorragend zur Behandlung von schmerzhafter Arthrose.

Das Schmerzgedächtnis austricksen

Wie stark wir Schmerzen empfinden ist höchst subjektiv. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt dabei die Psyche. Wichtig ist es für Betroffene, sich nicht zu stark auf den Schmerz zu fokussieren, sondern die Aufmerksamkeit auf etwas Positives zu richten. Ungut ist es auch, sich in sein Leid einfach nur zu fügen. Denn solch eine  negative Haltung kann die Schmerzen verschlimmern und Depressionen auslösen. Besser ist es, einen wiederkehrenden Schmerz anders zu deuten: als einen Aufruf, eine Aufforderung zu mehr Selbstfürsorge!
Inge Behrens

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 1/2017 (Januar/Februar)

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1 Kommentar

  1. Vielen Dank für die drei alternative Behandlungswege! Ich leide schon länger unter chronischen Schmerzen und bin es leid mich mit Medikamenten vollzupumpen. Ich werde deine Empfehlungen auf jeden Fall mal ausprobieren und hoffe es hilft gegen meine Schmerzen.

    Hat den sonst wer hier bereits eine der alternativen Behandlungswege ausprobiert und kann von seinen Erfahrungen berichten?

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