Sei du die Veränderung!

In unserer Gesellschaft breiten sich negative Emotionen wie Hass und Wut immer mehr aus. Woher kommt das? Bärbel Wardetzki plädiert dafür, dass wir uns als verantwortliche Menschen dieser Tendenz entgegen stellen. Denn sind wir nicht selbst für unsere Gefühle verantwortlich?

Dass wir in einer Zeit des großen gesellschaftlichen Wandels leben, dürfte bereits jedem klar sein. Die Schlagworte dazu sind Migration, Terrorismus, Veränderung der Arbeitswelt, Fachkräftemangel, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI).

Auch sehen wir uns im Moment konfrontiert mit der Auflösung bisher etablierter Volksparteien, denen sowohl rechtspopulistische als auch grüne Parteien den Rang ablaufen. Darüber hinaus herrscht ein Pflegenotstand, ein Bildungsnotstand, es fehlen Kita- und Kindergartenplatze, und die Qualität der Kinderbetreuung ist nicht gesichert. Obwohl wir in Europa und speziell in Deutschland bisher sicher vor äußeren Angriffen leben und einen sehr hohen materiellen Standard haben, scheinen uns all diese offenen Themen fast zu erdrücken. Trotz der guten Konjunktur gibt es sehr viele Menschen, die von ihrem Einkommen oder ihrer Rente allein nicht leben können. Wenn die eigene existenzielle Basis brüchig ist, ist es ausgesprochen schwer, sich um Themen wie Einwanderung und Digitalisierung zu kümmern. Kein Wunder, wenn sich die Angst in Aggression und Hass gegen Veränderungen allgemein und jene Menschen im Speziellen wendet, die zu uns fliehen.

Gerade in der Flüchtlings- und Zuwanderungssituation erleben wir, wie gesellschaftliche Umbrüche unsere innere Balance ins Schwanken bringen. Zuerst öffnen wir unsere Grenzen und Herzen, wollen helfen, alles zum Guten wenden, aber wenn es zu viel wird, machen wir dicht, sowohl unsere Grenzen als auch unsere Herzen. Das geschieht meist an dem Punkt, an dem wir das, was passiert, nicht mehr integrieren können oder wollen, weder äußerlich noch innerlich. Äußerlich haben wir scheinbar zu wenig Raum und Geld für so viele Menschen, innerlich entstehen Angst, Unsicherheit und die Befürchtung, zu kurz zu kommen. Wir erleben die Migranten als Beeinträchtigung unseres eigenen Lebens und unserer Werte: „Die nehmen uns was weg, wir müssen etwas von unserem hart erarbeiteten Wohlstand hergeben. Und wo bleiben wir?“ Das tut weh und ist mit Gefühlen von Neid und Rivalität gegenüber denen verbunden, die zu uns kommen. In den USA, Südamerika, Asien und einigen Ländern Europas, die den Nationalismus hochhalten, beherrscht diese Ansicht die politischen Entscheidungen.

Zum Weiterlesen: Bärbel Wardetzki, “Loslassen und Dranbleiben”, Kösel Verlag, 18 Euro

Den ganzen Artikel unserer Ausgabe bewusster leben 6/2019

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