Selbstheilung – Wie Sie Ihren inneren Arzt aktivieren

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Nicht immer müssen wir gleich einen Arzt konsultieren, wenn es uns schlecht geht. Unser Körper verfügt über erstaunliche Kräfte zur Selbstheilung, die wir nutzen und aktivieren können.

Der bekannte Hirnforscher Gerald Hüther sagte unlängt auf dem deutschen Ärztekongress in Berlin: „Niemand und kein noch so gutes Gesundheitssystem der Welt können einen Menschen gesund machen oder heilen. Nur der Mensch selbst trägt das Potenzial für Heilung in sich.“ Mit seiner These, dass die ärztliche Heilkunst nur dazu dienen kann, die Selbstheilung des Menschen zu aktivieren, provozierte er nicht wenige der anwesenden Ärzte. Denn in der traditionellen Medizin kommt dem Arzt eine weitaus mächtigere Rolle zu. Er ist der derjenige, der das System wieder zum Funktionieren bringt, indem er wie bei einer Maschine abgenutzte Teile auswechselt oder repariert. Im Zentrum dieser „Reparaturmedizin“ steht die schnelle und effektive Beseitigung der Krankheitssymptome. Der ganze Mensch mit seinem biografischen Hintergrund und seinen persönlichen Lebenserfahrungen gerät dabei jedoch aus dem Blickfeld.

Selbstheilung: Eine neue Sichtweise in der Medizin

Warum gelingt es manchen Menschen, trotz hoher Belastungen und zahlreichen Risikofaktoren, gesund zu bleiben? Und wie schaffen es andere, sich von schweren Erkrankungen wieder zu erholen? Hatte die Schulmedizin ihr Augenmerk von jeher darauf gerichtet, was den Menschen krank macht, begann der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky vor 40 Jahren gezielt nach den Faktoren Ausschau zu halten, die Körper und Seele gesund erhalten. Damit war die Salutogenese (salus = Gesundheit, genese = Entstehung) geboren, die völlig neue Maßstäbe in der Medizin setzen und die Sichtweise von Gesundheit und Krankheit grundlegend revolutionieren sollte. Antonovsky illustrierte seine Vorstellung von Gesundheit und Krankheit anschaulich mit der Metapher von einem Fluss, in dessen Strömung wir Menschen treiben. Während die Schulmedizin immer dann einen Rettungsreifen in die Fluten wirft, wenn ein Mensch in diesen unterzugehen droht, ist die Salutogenese bestrebt, den Menschen zu einem guten Schwimmer auszubilden. Doch welche Grundausstattung befähigt uns dazu, im Fluss des Lebens den Kopf über Wasser zu halten? Und wie können wir uns diese Fähigkeit in der Hektik des modernen Alltags bewahren, in der immer mehr Menschen von gefährlichen Strudeln des Burn-out, von Stress, Ängsten und psychosomatischen Erkrankungen nach unten gezogen werden?

Die Säulen der Gesundheit

Das Geheimnis von Gesundheit liegt aus salutogenetischer Sicht in der psychischen Fähigkeit des Menschen, vorhandene Ressourcen zum Erhalt des Wohlbefindens und des inneren Gleichgewichts zu nutzen. In seinem Buch „Salute! Was die Seele stark macht“ beschreibt der Psychotherapeut Dr. Gert Kaluza vier zentrale Voraussetzungen für körperliche und seelische Gesundheit:
1. Die Selbstfürsorge befähigt dazu, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, um achtsam und liebevoll mit sich selbst umzugehen.
2. Die soziale Unterstützung in Form liebevoller Beziehungen vermittelt die Gewissheit, sich auf andere Menschen verlassen zu können. Die gesundheitsfördernde Kraft der Liebe ist in zahlreichen wissenschaftlichen Studien belegt.
3. Die Selbstwirksamkeit beinhaltet das Vertrauen in die eigene Kraft. Sie hilft mit Schwierigkeiten fertig zu werden und so Krankheiten beherzt anzugehen.
4. Die Sinnorientierung und damit die Ahnung von der tieferen Bedeutung des eigenen Lebens ermöglicht es, sogar schwierige Lebenssituationen als Chance für innere Reifung zu begreifen.

Die zentralen Fragen für den Erhalt unserer Gesundheit lauten daher: Woher bekomme ich meine Kraft? Was nährt mich? Wer stützt mich? Was gibt meinem Leben Sinn? Wie aktiviere ich dann meine Selbstheilung?

Aktivierung der Selbstheilung

„Medicus curat, natura sanat“ – „Der Arzt behandelt, die Natur heilt“. So lautet eine alte hippokratische Devise. Und wir erleben es selbst immer wieder, dass kleinere Wunden von selbst abheilen, dass harmlose Erkältungskrankheiten und Infektionen kommen und gehen. In vielen Fällen können wir der Natur ihren Lauf lassen. Die neue Mind-Body-Medizin richtet ihr Augenmerk deshalb darauf, wie wir Zugang zu den natürlichen Kraftquellen in uns finden und unsere Widerstandskräfte gezielt stärken können. Hierfür hat diese integrative Medizin ein Mehrkomponenten- Programm entwickelt, das gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, Zeiten der Entspannung ebenso beinhaltet wie verhaltenstherapeutische Methoden, um die Mobilisierung der Selbstheilungskräfte zu unterstützen. Als eine besonders alltagstaugliche Methode der Gesundheitsfürsorge und Krankheitsprophylaxe hat sich die Methode der Stressbewältigung durch Achtsamkeit in zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen herauskristallisiert. Die Achtsamkeitspraxis beinhaltet Entspannungs- und Meditationsübungen und verbindet diese mit zeitgemäßen psychologischen Erkenntnissen zu einem praktischen Selbsthilfeprogramm. Immer stehen dabei die folgenden Fragen im Mittelpunkt: Welche Lebensweise wirkt sich spürbar auf mein körperliches und seelisches Wohlbefinden aus? Was macht mich glücklich?

Heil sein ist mehr als gesund sein

Manchmal ist es nur ein grippaler Infekt, der uns ausbremst und daran erinnert, dass wir eine Ruhezeit benötigen. Manchmal aber ist es eine ernste Krankheit, die uns zum Innehalten und Nachdenken zwingt. „Wenn der Mensch nicht mehr weiter weiß, schicken ihm die Götter eine Krankheit“, sagte deshalb wohl Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie. Die Krankheit selbst kann eine therapeutische Wirkung entfalten. Gelingt es dem Menschen, sie als eine Chance zu begreifen und als Möglichkeit für Wachstum zu nutzen, kann sie den Raum öffnen für tiefere Lebenszusammenhänge. Denn die Krankheit stellt uns vor die Frage: Was ist mir wirklich wichtig im Leben? Sie ermöglicht es, in die Tiefen des eigenen Selbst zu blicken und jenen Bereich zu betreten, der weit über Gesundheit und Krankheit hinausreicht.

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer bewusster leben Sonderheft-Ausgabe 01-2016: GESUNDHEIT

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