Slow Travel – Ferien im Funkloch

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Die Kunst des langsamen Reisens: Ferien im Funkloch

Gehören Sie zu denen, die finden, viel zu viel Zeit in sozialen Netzwerken zu verbringen statt mit realen Freunden in der Kneipe? Die viel öfter auf das Handy schauen statt in die Landschaft? Und die sich zuweilen dabei ertappen, die Außentemperatur vom Handy abzulesen, statt einfach mal das Fenster zu öffnen und die Nase rauszuhalten?

Wahrscheinlich haben Sie sich dann auch schon mal vorgenommen, künftig weniger Zeit mit den digitalen Medien zu verbringen. Vielleicht sogar ein paar Tage ganz darauf zu verzichten. Der Urlaub wäre eigentlich die beste Gelegenheit dazu. Es gilt, ein neues Phänomen zu betrachten: Immer mehr Stressgeplagte buchen sich in teuere “Black-Hole-Hotels” ein. Kommt Ihnen der Begriff nicht bekannt vor? Als schwarzes Loch haben wir die Langeweile bezeichnet, eine Zeit also, in der wir nichts tun, uns von nichts ablenken lassen außer den eigenen Gedanken, eine Zeit, die für unser Empfinden unendlich langsam vergeht und vor der wir uns im normalen Alltag fürchten wie der Teufel vor dem Weihwasser.

Wer heute im Urlaub wirklich abschalten und sich erholen will, macht Ferien im Funkloch, um gar nicht erst in Versuchung zu geraten, ständig auf sein Smartphone zu starren. In einem “Black-Hole-Hotel” bezahlt man dafür, dass man nicht erreichbar ist, keinen Fernseher und keinen Internetzugang hat. Auch manches abgelegene Gasthaus wirbt inzwischen damit, eben keinen Internet- und Handyempfang bieten zu können – und macht aus der Not eine Tugend.

Aber auch anspruchvolle Hotels der Fünf-Sterne-Kategorie verzichten bewusst darauf, ihren Gästen einen WLAN-Anschluss anzubieten – damit sich diese ganz und gar erholen sollen. Manche Hotels schnuren ihren Gästen sogenannte Digital-Detox-Pakete, die sie ihnen im Tausch gegen das Smartphone aushändigen. Darin enthalten sind dann z.B. Stadtpläne aus Papier, Zeitungen und Entspannungskerzen. Und wer sich durch die digitalen Medien für aktur erholungsgefährdet hält und besonders süchtig nach Facebook & Co. ist, kann in einem kalifornischen Hotel einchecken. Dort werden spezielle Sommercamps für Erwachsene angeboten, bei denen gibt man das Smartphone  am Eingang ab. Dafür besucht man dann Yogastunden, Meditationskurse und Handarbeits-Workshops und schreibt Nachrichten an die Lieben daheim mit der Schreibmaschine.

Dasselbe Bedürfnis nach Abschirmung von der digitalen Welt – allerdings wesentlich billiger – befriedigen Schweige-Urlaube im Kloster ohne WLAN-Anschluss. Doch wer eine Auszeit im Kloster plant, muss wissen, worauf er sich einlässt. Eine durchgehende Nachtruhe gibt es beispielsweise nicht, denn mehrmals in der Nacht wird zum Gebet gerufen, zu dem sich alle versammeln. Es gibt aber auch Klöster, bei denen die Regeln nicht ganz so fest sind, sodass es den Urlaubern zumindest gewährt wird, ein paar Stunden Schalf am Stück in der Nacht zu finden. Der Tagesablauf, an dem man sich beteiligen sollte, beginnt in nahezu allen Klöstern zudem sehr früh.

Tagsüber dreht sich der Alltag um die Gebete, die regelmäßig mit allen Nonnen bzw. Mönchen stattfinden. Zwischendurch stehen auch andere Aktivitäten, beispielsweise die Arbeit im Garten, in der Küche oder das Studieren der Biebel an. Jeder Bewohner hat seine eigene Aufgaben, die dabei vor allem der Gemeinschaft dienen sollen. Hier geht es schließlich nicht um den Einzelnen, sondern ausschließlich um das Wohl der Gemeinschaft.

Lesen Sie mehr zum Thema “entschleunigtes Leben” im Buch “Slow – Die Entscheidung für ein entschleunigtes Leben”

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