Was wir für Koala und Eisbär tun können

Wie Eisbär, Koala und Co. unter dem Klimawandel leiden und was wir im fernen Europa dagegen tun können.

Extreme Hitzewellen und Dürre, Stürme, Überschwemmungen, schmelzende Gletscher – in den Medien werden wir fast täglich mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert. Und das ist wichtig, denn inzwischen ist klar: Selbst wenn alle bislang getroffenen Klimaschutzmaßnahmen so umgesetzt werden wie geplant, wird die globale Erderwärmung Forschern zufolge Ende des Jahrhunderts bei 2,4 Grad liegen – und damit deutlich über dem gewünschten 1,5-Grad-Ziel. Die ökologischen Folgen des weltweiten Temperaturanstiegs sind überall spürbar. Inzwischen zahlt die Menschheit – insbesondere in den Entwicklungsländern – bereits die Rechnung: In manchen Gegenden sinkt die Ernährungssicherheit, schwinden die Wasserressourcen und werden Todesfälle durch Hitzewellen immer häufiger.

Doch nicht nur wir Menschen leiden unter dem Klimawandel, auch die Tiere sind stark betroffen.

So zum Beispiel der Eisbär – das Symbol für die Folgen des Klimawandels. Dem zweitgrößten lebenden Landraubtier schmilzt der Lebensraum buchstäblich unter den Tatzen weg. Der Eisbär lebt vor allem auf dem Packeis, welches das Polarmeer rund um den Nordpol bedeckt und wo im Frühjahr die Robben ihre Jungen zur Welt bringen. Er ist auf diese dicke, zusammenhängende Eisdecke angewiesen, um erfolgreich auf Robbenjagd gehen zu können. Allerdings ist die Klimaerwärmung ausgerechnet in der Arktis doppelt so stark wie anderswo auf der Erde, und der Eisbär droht seine Nahrungsgrundlage zu verlieren. Bären, die schon bisher Streifgebiete jenseits der Küste bevorzugten, müssen dem Eis immer weiter in den nahrungsärmeren Norden folgen, und die Weibchen verlieren den Kontakt zu ihren angestammten Wurfplätzen an Land. Jene Tiere, die den Sommer traditionell an der Küste verbringen, büßen im Frühjahr und Herbst wertvolle Jagdzeit ein, weil das Meereis früher verschwindet bzw. später zurückkommt. Forscher warnen, dass bis 2050 über 30 Prozent der Eisbären verschwunden sein könnten!

Wegen Überschwemmung ausgestorben

Tiere sind an Temperaturnischen angepasst, die sich durch den Klimawandel global verschieben. Den Wildtieren bleibt nichts anderes übrig, als sich anzupassen, oder mit ihren bevorzugten Klimabedingungen mitzuziehen. Inzwischen weiß man: Pro Jahrzehnt wandern Verbreitungsgrenzen um durchschnittlich sechs Kilometer zu den Polen hin und der Frühling beginnt im Schnitt etwa zwei Tage früher.
Also könnten die Tiere doch einfach dem Klima hinterherziehen? So einfach ist es leider nicht. Lisa Warnecke, eine in Australien lebende deutsche Biologin, die seit vielen Jahren den Einfluss des Klimawandels auf Artensterben untersucht, erklärt: „Auch wenn Tiere theo-retisch mit Temperaturnischen mitziehen können, werden sie in der Praxis aufgrund von menschlich veränderten Landschaftsstrukturen oft davon abgehalten. Selbst wenn die Temperatur stimmt, so muss das neue Habitat ein Mindestmaß an Vernetzung aufweisen, um eine gesunde Population zu unterstützen.“ Als trauriges Beispiel nennt sie die australische Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte. Sie ist ausgestorben, weil ihr Lebensraum, eine kleine Insel im Great-Barrier-Reef, immer öfter überschwemmt wurde. Experten nehmen an, dass es das erste Säugetier ist, das als direkte Folge des durch den Menschen verursachten Klimawandels ausgestorben ist.

Der Einfluss der Intensivlandwirtschaft

Ein anderes Beispiel: Wer viel mit dem Auto unterwegs ist, merkt den Unterschied: Klebten früher unzählige Insekten an der Windschutzscheibe, gibt es heute fast nichts mehr wegzuputzen. Laut einer Studie ging die Biomasse von Fluginsekten in einem Zeitraum von 27 Jahren um ganze 75 Prozent zurück. Die Gründe liegen vermutlich im Einfluss der Intensivlandwirtschaft und den dort eingesetzten Pestiziden und Düngemitteln. Seit 2020 wird vermutet, dass durch die intensivere Bodennutzung und der damit verbundenen Zunahme der Pflanzenmasse die vorhandenen Nährstoffe unter mehr Pflanzen aufgeteilt werden müssen. Die einzelnen Pflanzen enthalten nun weniger Nährstoffe, und das spüren die Insekten, die sich von ihnen ernähren. Schlecht für die Vögel, deren Hauptnahrungsquelle Insekten sind, und für die Pflanzen, die zur Bestäubung auf Insekten zählen!
Als Wahl-Australierin beschäftigt sich die Biologin Lisa Warnecke auch mit Koalas. Buschbrände sind eine große Gefahr für die Beuteltiere, die in Baumkronen leben und sich nur sehr, sehr langsam fortbewegen. Koalas können sich noch Wochen nach einem Feuer Brandwunden zuziehen, wenn sie auf Nahrungssuche gehen, bekommen Rauchvergiftungen, sind unterernährt und dehydriert, da nicht mehr genug wasserspeichernde Blätternahrung zur Verfügung steht. Zusätzlich droht ohne das schattenspendende Blätterdach eine sehr hohe Wärmebelastung. Und als ob das noch nicht genug ist, müssen die putzigen Tiere mit der Rodung ihres Lebensraums für Viehhaltung und Holzwirtschaft zurechtkommen. Seit 2012 sind Koalas national als gefährdet eingestuft, und manche Forscher befürchten, dass Koalas bis 2050 in freier Wildbahn ausgestorben sein könnten.

Kühlende Akazienstämme

Von den Koalas gibt es allerdings auch hoffnungsfrohe Nachrichten. Sie wissen nämlich ganz genau, was ihnen guttut: Bei großer Hitze verlassen sie ihre geliebten Eukalyptusbäume und suchen sich Akazien – dort finden sie zwar nichts zu fressen, aber eine kühlende Umarmung. Ihre normale leicht gebeugte Haltung in einer Astgabel bei milden Temperaturen verlagert sich bei Hitze in eine enge Baum-Umarmung, bei der der gesamte Körper an den Stamm gepresst wird. Sie scheinen genau zu wissen, dass der Stamm der Akazie kühler ist als der Stamm des Eukalyptusbaums, und sogar deutlich kühler als die umgebende Luft. Messungen mit Wärmekameras konnten in der Tat zeigen, dass der Koala dadurch seine Wärmeabgabe an die Umgebung steigern kann. Dieses Verhalten spart ihm kostbares Wasser, das er sonst zur Kühlung verbraucht hätte. Es wird vermutet, dass auch Leoparden, Affen und andere baumlebende Tiere, die sich nicht in Höhlen verkriechen können, auf diese natürlichen Klimaanlagen angewiesen sind. Fazit: Bäume, die kühle Stämme besitzen oder besonders dichten Schatten spenden, sind wichtige Komponenten der Lebensräume dieser Arten – selbst wenn sie keine Futterquellen sind.

Was wir für Koala und Eisbär tun können

Und was können wir hier, im fernen Europa, für Koala und Eisbär tun, die zwar tausende Kilometer von uns entfernt leben, aber dennoch unter den Folgen unseres Lebensstils leiden? Schon kleine Änderungen unseres Alltagsverhaltens helfen den bedrohten Tieren. Drei einfache Vorschläge:

Palmöl vermeiden
Hauptproblem ist die Vernichtung von Regenwäldern für neue Anbauflächen. Achten Sie deshalb auf die Zertifikate RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil) und POIG (Palm Oil Innovation Group). Noch besser: Biopalmöl aus kleinbäuerlicher Erzeugung oder alternativ die Verwendung von Raps- oder Sonnenblumenöl. Achtung: Besonders häufig wird Palmöl in Fertiggerichten und anderen verarbeiteten Produkten eingesetzt, weil es eine sehr billige Zutat ist und in der maschinellen Verarbeitung gut funktioniert. Palmöl taucht gerne unter kryptischen Bezeichnungen auf, die kaum jemand identifizieren kann. Oder wären Sie bei „Elaeis Guineensis“ hellhörig geworden?

Pro & Contra Avocados
Die Avocado ist ein Liebling veganer Foodblogger. Unglücklicherweise brauchen sie einerseits sehr viel Wasser, wachsen aber andererseits in Ländern besonders gut, wo Wasser knapp ist. Länder wie Chile oder Mexiko exportieren im Grunde ihr rares Trinkwasser in Form von Avocados zu uns – das ist das Gegenteil von Nachhaltigkeit. Wenn Avocados, dann am also solche aus Spanien oder Israel kaufen, am besten bio. In diesen Ländern gibt es tolle Projekte, wo mit Tröpfchenbewässerung sehr nachhaltig gearbeitet wird. Außerdem ist der Transportweg von dort kürzer und damit weniger umweltschädlich.

Kaffee ohne Klimasünden
Über den Kaffeebecher-Müllberg brauchen wir nicht viel sagen. Interessant ist, dass der eigentliche umweltbelastende Faktor der Kaffee selbst ist: Für den Anbau wurden womöglich ein gutes Stück Urwald gerodet und die Anbaufelder mit Pestiziden bearbeitet. Kaffeeanbau benötigt zudem immens viel Wasser: Die Herstellung von einem Kilo Kaffee verbraucht etwa 21 000 Liter der Ressource, stolze 140 Liter pro Tasse. Allerdings immerhin in Gegenden, die von Natur aus sehr feucht sind. Ob der Kaffee aus Südamerika, Afrika oder Asien stammt, spielt dagegen keine große Rolle – Kaffee reist ungekühlt auf dem Frachtschiff, da ist die unterschiedliche Entfernung pro Tasse nicht so entscheidend. Zu Biokaffee gibt es im Grunde keine echte Alternative. Und Achtung: Fair-trade-Kaffee ohne Biosiegel wird nicht notwendigerweise nachhaltig angebaut. Deshalb immer sparsam dosieren und nur so viel Kaffee zubereiten wie getrunken wird. Kaffee, der weggeschüttet wird, verschlechtert die Ökobilanz drastisch.

Schätzungsweise 30 Prozent der wildlebenden Pflanzen und Tierarten könnten allein durch den Klimawandel verloren gehen. Das dürfen wir nicht zulassen. Lassen Sie uns also ein kleines bisschen bewusster essen und trinken.

Stefanie Rueß

Zum Weiterlesen: Lisa Warnecke, “Tierisch heiß: Wie Koala, Elefant und Meise auf die Klimakrise reagieren”, Aufbau Verlag, 22 Euro

Den Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 4/2021

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