Nicht jede Stimmungsschwankung ist eine Depression – Traurig sein erlaubt!

Wenn wir mal genervt, gestresst oder traurig sind, dann bezeichnen wir uns schnell als depressiv. Doch nicht jede Verstimmung ist gleich eine Depression. Manchmal hilft schon eine kleine Meditation.

Wir alle sind hin und wieder mehr oder weniger schwierigen Konstellationen ausgesetzt, haben Probleme, geraten in Krisen oder erfahren Schicksalsschläge. Dann sind wir einfach nur traurig. Und dieses Traurig-sein müssen wir nicht mit einem chronischen Zahnpastalächeln überspielen. Und auch nicht mittels Alkohol oder Antidepressiva verdrängen. Trauerphasen gehören zum Leben Um psychisch gesund zu bleiben, sollten wir stattdessen rücksichtsvoll und achtsam mit uns selbst umgehen, ganz besonders in schmerzhaften Krisenzeiten. Wenn mir also etwas geschieht, was mir schwer zusetzt oder eine tiefe Traurigkeit auslöst, dann gehört es zu meiner Selbstliebe und Selbstachtung, dieser Niedergeschlagenheit oder Traurigkeit erst einmal Raum zu geben. Hinzuschauen. Mich damit anzunehmen. Ich darf auch mal schwach sein. Ich darf trauern. Ich darf niedergeschlagen sein. Bei Trennungen, Schicksalsschlägen, dem Verlust eines geliebten Menschen oder auch eines Tieres gehört eine Trauerphase dazu. Verdrängt man sie, wird sich das auf längere Sicht negativ auswirken. Stellen Sie sich also mit aller Selbstliebe und Selbstachtung Ihren schmerzhaften Gefühlen. Trauern Sie, weinen Sie – und achten Sie auf eine gesunde, tiefe Heilung Ihrer Seele. Wenn es einen Grund zur Traurigkeit gibt, dann hilft es, sie einfach nur mal auszuleben. Diese Meditation hilft dabei, sich von psychischem Ballast, alten Verletzungen, Traumata und seelischen Ohnmachtsgefühlen zu befreien. Lassen Sie sich entspannt und genussvoll darauf ein.

Eine kleine Meditation: “Es ist so schön, ich zu sein”

  • Ich entspanne mich mit tiefen Atemzügen. Ich lasse meinen Körper ganz locker. Meine Schultern sind weich und meine Bauchdecke hebt und senkt sich mit jedem Atemzug. Bilder tauchen auf – wie in einem Tagtraum …
  • Wie im Traum wandere ich über eine saftige Wiese zu meinem Lieblingsplatz am Fluss. Ich laufe barfuß und spüre das kühle Gras unter meinen Füßen. Ich genieße den frischen Duft der Natur. Schon von Weitem sehe ich den Fluss im Sonnenlicht schimmern und laufe darauf zu. Die Sonne scheint warm und ein erfrischender Wind weht durch mein Haar.
  • Am Ufer angekommen, hebe ich ein paar Kieselsteine auf und werfe sie in den klaren Fluss. Mit einem Glucksen spritzt jedes Mal eine kleine Wasserfontäne auf. Ich suche nach flachen Kieselsteinen und versuche, sie mit mehreren Sprüngen über das Wasser hüpfen zu lassen.
  • Schließlich lasse ich mich am Fluss nieder. Ein leises, murmelndes Plätschern ist zu hören, und ich betrachte die kleinen, glitzernden Wellen. Die fließende Klarheit des Flusses erfrischt mich. Und immer wenn ich hier bin, wirkt der Fluss beruhigend auf mich. Endlich finde ich Zeit für mich selbst.
  • Hier spiele ich ein Gedankenspiel, das gut zu diesem Ort passt: Ich stelle mir vor … Dass ich jetzt all meinen unangenehmen Gefühlen eine bestimmte Form verleihe. Mein Unterbewusstsein erlaubt nun den Gefühlen, die ich nicht sonderlich mag, aufzutauchen …Vielleicht sind das gerade Ärger und Wut oder Traurigkeit, Verletztheit oder auch eine meiner tiefen Ängste, die jetzt bildhaft auftauchen dürfen. Welche Form gibt mein Unterbewusstsein diesen verdrängten Gefühlen, Szenen und Bildern? Meine Fantasie darf spielen … Ich warte ab, ob mir mein Unterbewusstsein dazu etwas zeigt …
  • Solche unerwünschten Gefühle liegen jetzt als Energieformen ganz gegenständlich zu meinen Füßen … Sie besitzen eine Form, eine bestimmte Energie und eine Farbe.
  • Ich schaue sie mir an. Ich will sie nicht mehr. Das ist nur alter, störender Ballast. Ich nehme eine große Schaufel und packe diesen Gefühlsballast entschieden in Holzkisten.
  • Vielleicht fülle ich nur eine Kiste. Vielleicht fülle ich auch mehrere Kisten.
  • Die gefüllten Kisten verschließe ich und werfe sie schwungvoll in den Fluss.
  • Erleichtert schaue ich zu, wie die Strömung sie mitnimmt … Sie werden für immer fortgespült in diesem Fluss ohne Wiederkehr. Sie verschwinden auf Nimmerwiedersehen.
  • Ich atme auf. Mein Atem fließt frei und tief. Es ist ein Gefühl, als könnte ich das weite Blau des Himmels in meinen Brustkorb einatmen.
  • Befreit betrachte ich das schimmernde, seidige Wasserfließen. Das Wasser ist so klar, dass ich bis auf den Grund schauen kann, wo die goldenen Lichtreflexe der Sonne über die dicken Flusskiesel tanzen.
  • Ich lasse mich wieder am Ufer des Flusses nieder und sitze locker und entspannt.
  • Über mir erstreckt sich der Himmel in weitem Blau … Hin und wieder zieht ein kleines weißes Wölkchen über diese Weite … Doch bald zerfasert sich das weiße Wölkchen im klaren Blau des Himmels und löst sich im warmen Sonnenschein mehr und mehr auf …
  • Ich fühle mich warm und friedlich. Ich genieße, mich selbst zu spüren.
  • Sanft und gemächlich zieht der Fluss an mir vorüber. Die Sonne durchwärmt mich wohlig. Sanfter Wind streicht die Haare aus meinem Gesicht.
  • Die Sonne lässt die Wellen in ihrem Licht funkeln wie Milliarden Diamanten. So blendend und gleißend, dass ich blinzeln muss. Es erfreut mich, dieses Funkeln zu betrachten.
  • Während ich hier am Fluss sitze, fühle ich mich so still und gelassen wie ein Buddha, der am Fluss meditiert.
  • Genauso friedlich betrachte ich alles Fließen in meinem Leben. Ich ruhe dabei in mir selbst – stark und klar.
  • Mit tiefer Ruhe und Gelassenheit genieße ich es, mich selbst zu spüren.
  • Es ist so schön, ich zu sein.

(Quelle: Gabriele Rossbach „Heilsame Meditationen bei Depressionen“, Integral Verlag.)

BUCHTIPP: Gabriele Rossbach Heilsame Meditationen bei Depressionen – mit Meditations-CD 207 Seiten, 17,99 Euro

Den Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 6/2015

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