“Unser Geist bekommt immer wieder einen neuen Körper”

Die Schauspielerin Christine Hecke über Intuition, Reinkarnation, die Illusion des Todes und ihr Buch „Mal ehrlich“.

Erst nach einem abgebrochenen Jura-Studium und mehreren Reiseabenteuern entschied sich Christina Hecke für die Ausbildung zur Schauspielerin. Ihre Arbeit am Theater, im Film und Fernsehen wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Inzwischen unterrichtet Hecke auch als Schauspieldozentin, macht Musik und ist verheiratet mit der Fotografin Steffi Henn. In ihrem Buch „Mal ehrlich“ beschreibt sie, wie Krisen sie gelehrt haben, auf ihre Intuition zu hören und die Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Dabei geht es um existentielle Fragen: Wie erkenne ich die Seele? Was bleibt, wenn der Körper nicht mehr funktioniert? Hecke schaut hinter die Kulissen des Alltags – und auf das, was alle Menschen miteinander verbindet. Im Gespräch verrät sie uns noch mehr dazu:

Ständig wird über die Vereinsamung des Einzelnen in der Gesellschaft geklagt. Wie kommen da Sie eigentlich darauf, dass alle Menschen im Kern miteinander verbunden sein könnten?
Schneiden Sie uns doch mal auf – unter der Haut sind wir alle gleich. Unsere Körper bestehen aus Atomen. In der Wissenschaft gab es mal ein Experiment – da hat man ein Atom gespalten und nur einem der beiden Teile einen Impuls gegeben. Das andere Teilchen des zuvor Ganzen hat in exakt dem gleichen Verhaltensmuster reagiert, wie das angestoßene. Auch über die Distanz der halben Weltkugel. Wir können nicht so tun, als hätten wir miteinander nichts zu tun. Der kleinste gemeinsame Nenner ist doch wenigstens, dass wir auf dem selben Erdball wohnen. Wir kommen aus dem Kontext der Gemeinsamkeit nicht raus.

In Ihrem Buch beschreiben Sie auch Ihren dramatischen Autounfall vor einigen Jahren. Wie hat diese Erfahrung Ihre Sicht auf die Welt verändert?
Zunächst war die Tatsache, einmal „tot“ gewesen zu sein, ein Zustand, der wie ein Einblick in die gesamte Menschheitsgeschichte in nur wenigen Sekunden abgelaufen ist. Ein Einblick in die Zwischenwelt. Frei von Raum und Zeit und materielos. Also ohne Körper. Nur Bewusstsein. Diese Erfahrung hat mich vor allem gelehrt, dass es keinen „Tod“ in unserem verängstigten Verständnis gibt. Der Körper hat eine Endlichkeit. Aber der Geist bekommt immer wieder einen neuen Körper. Bis er „ausgelernt“ hat.

Sehr offen schreiben Sie über die Irrwege Ihrer Vergangenheit. Was machen Sie jetzt anders, um sich wohler in Ihrem Leben zu fühlen?
Mein Wohlgefühl ist geprägt von der Wachheit und dem Bestreben, den eben angesprochenen Wiedervereinigungszustand zu befeuern. Kurz gesagt: Ich lebe Verantwortung. Für mich und meinen Körper und damit als Teil des Ganzen. Und das ist ein Vertiefungsprozess mit unendlichem Horizont. Schüler und Lehrer zugleich. Jeden Tag!

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