Veränderungen gut meistern –
die Natur zeigt, wie es funktioniert.

Die Natur macht keine Fehler, aber sie versucht vieles. Kein Widerspruch, denn immer bedient sie sich erprobter Muster. Eines davon ist das Arboreus-Prinzip – das Prinzip der Verästelung. Es versetzt in die Lage, Defizite auszugleichen, neue Wege einzuschlagen oder schlicht Existenz zu sichern; ganz offensichtlich ein perfekt durchdachtes Instrument, das in der Natur als universelles Überlebenskonzept zum Einsatz kommt. Lucia Brauburger, die in ihrem eigenen Leben bereits so einige Richtungswechsel vollzogen hat, hat sich dieses Phänomen genauer angeschaut – und verblüffende Schlüsse daraus gezogen. Ihre Erkenntnisse hat sie in dem Buch „Das Arboreus-Prinzip. Handlungsstrategien für ein besseres Leben“ zusammengefasst, das am 02. Mai erschienen ist. Wir sprachen mit ihr darüber, was ein Baum, eine Gehirnzelle und ein Fluss gemeinsam haben und was dies mit uns Menschen zu tun hat.

Frau Brauburger, eine Aussage, die beim ersten Blick auf Ihr Buch sofort ins Auge sticht, lautet: „In Ihrem Leben soll alles bleiben, wie es ist? Dann können Sie dieses Buch getrost zur Seite legen!“ Es geht beim „Arboreus-Prinzip“ also um das Thema Veränderung?

Das ist richtig. Es geht darum, wie wir Menschen mit unseren Herausforderungen umgehen und uns auf neue Umstände einlassen. In vielen Fällen stehen wir uns selbst im Weg oder nutzen nicht unsere Möglichkeiten, da wir höchst ungern unsere Komfortzone verlassen und Neues zulassen. Stattdessen haben wir eine stark ausgeprägte Tendenz, an Bestehendem festzuhalten, auch dann, wenn es nicht gut für uns ist.

Woran liegt das?   

Die Macht der Gewohnheit, mangelndes Selbstbewusstsein, fehlende Mittel, durchaus auch Bequemlichkeit. Hinzu kommt:  Veränderungen sind ein unberechenbarer Prozess! Wir wissen nicht, was dabei herauskommt, wenn wir uns dazu entschließen, etwas Neues oder Dinge anders anzugehen als vorher! Das heißt, wir können nicht abschätzen, ob sich der Aufwand, den wir betreiben müssen, auch tatsächlich lohnt. Es ist also durchaus nachvollziehbar, wenn jemand an seinen ausgetretenen Pfaden festhält.

Die Natur handhabt das anders…

In der Tat. Natur passt sich permanent an und genau das gewährleistet ihr Überleben. Dabei greift sie auf ein faszinierendes Instrument zurück, das immer dann auftaucht, wenn Defizite auszugleichen sind, Hindernisse überwunden werden müssen oder schlicht Existenz gesichert wird. Bei diesem Phänomen handelt es sich um das Prinzip der Verästelung. Ein etwas sperriger Begriff…

…den Sie das „Arboreus-Prinzip“ genannt haben…

Ja, basierend auf dem lateinischen Begriff arbor – der Baum. Es ist beeindruckend, wo dieses Prinzip überall anzutreffen ist. Es existiert in der Welt der Pflanzen, findet sich in Luft und Wasser, selbst in unseren Organen ist es angelegt. Flüsse verästeln sich, Organe, Baumkronen und Wurzeln… Ich habe auch erst im Rahmen meiner Recherchen festgestellt, wie präsent und vor allem wie relevant dieses Phänomen ist.

Aber was hat das Ganze mit uns Menschen zu tun?

Das Arboreus-Prinzip steht für Vielfalt und Flexibilität, für ein Vorgehen in Etappen und für Synergien, zum Beispiel durch Netzwerke. In der Natur gibt es keine geraden Linien, viele Wege führen nach Rom. Dieses faszinierende wie funktionale Grundmuster übertrage ich auf Fragestellungen, die unmittelbar unser Leben betreffen: Wie gehen eigentlich wir Menschen mit unseren Herausforderungen um? Wie flexibel sind wir? Wie agieren wir, wenn wir mit Hindernissen konfrontiert sind oder etwas schlicht nicht gelingt?

Das heißt, Sie leiten aus dem Arboreus-Prinzip Verhaltensweisen ab, die wir unserem eigenen Leben zugrunde legen sollten?

Genauso ist es. Wer sich damit befasst, wie das Arboreus-Prinzip funktioniert, erhält ein Muster an die Hand, wie wir Veränderungen positiv bewältigen können. Ich finde das nicht nur ausgesprochen interessant, meiner Meinung nach lässt sich auch ein ganz konkreter Nutzen hieraus ziehen. Insbesondere in Kontexten, in denen wir uns bislang vielleicht selbst im Weg standen und mögliche Optionen und Alternativen gar nicht erst wahrgenommen haben. Das Arboreus-Prinzip lädt dazu ein, unseren Radius zu erweitern und den für uns besten Weg zu finden.  

Wirkt das Arboreus-Prinzip auch über die individuelle Perspektive hinaus?

Unbedingt. Mit dem Phänomen der Verästelung geht auch die Fähigkeit der Vernetzung einher. Schauen Sie sich einmal an, wie unser Gehirn funktioniert oder im Erdreich Wurzeln und Pilze miteinander kommunizieren. Das Arboreus-Prinzip erweitert also nicht nur unsere Wahrnehmung für uns selbst und unsere Möglichkeiten. Es liefert auch eine Blaupause dafür, wie wir unsere individuellen Grenzen überwinden und in Kooperation mit anderen mehr erreichen können. In dem Buch geht somit auch um die Fragestellung, ob eine Gesellschaft nicht umso besser funktioniert, je mehr sie auf Kooperation, Netzwerke und Synergien ausgerichtet ist.

Was war für Sie die Motivation, über das Thema gleich ein ganzes Buch zu schreiben?

Wenn immer wir eine Entscheidung fällen oder eine Handlung durchführen, greifen wir auf ein ganz bestimmtes Repertoire zurück, das auf unsere Veranlagung, unsere Erfahrungen und unsere Prägungen zurückgeht. Je nachdem, wie sich diese Faktoren zusammensetzen, gehen wir mehr oder weniger offen mit Veränderungen um, lassen uns auf Neues ein oder nicht. Ich finde es wichtig, nicht an Grenzen zu scheitern, die wir vielleicht nur deswegen verspüren, weil einzelne Negativerfahrungen uns ihren Stempel aufgedrückt haben oder eine bestimmte Sozialisation in unserem Leben vorherrscht. Ich bin davon überzeugt, dass wir alle viel mehr können, als wir denken und die Fähigkeit, Veränderungen positiv zu bewältigen, in uns allen verankert ist. Wir müssen diese Fähigkeit nur nutzen! Genau diese Botschaft vermittelt das Arboreus-Prinzip.

„Das Arboreus-Prinzip. Handlungsstrategien für ein besseres Leben“. ISBN 978-3-940926-97-5, 160 Seiten mit zahlr. Abbildungen, € 14,90, LJB Verlag Lucia Brauburger

Lucia Brauburger ist Dozentin, schreibt Bücher, malt, arbeitet als Moderatorin und führt seit 18 Jahren ihr eigenes Unternehmen. Für einen „geraden“ Lebenslauf hat sie sich nie interessiert. Dass ihr neuestes Buch das Thema Veränderungspotenzial aufgreift, passt. Mit ihrem Buch „Das Arboreus-Prinzip. Handlungsstrategien für ein besseres Leben“ liefert sie wertvolles Anschauungsmaterial, wie Herausforderungen bewältigt und Neues erfolgreich in Angriff genommen werden kann.
Ihre These: „Die Fähigkeit zur Veränderung ist in uns allen vorhanden, wir müssen sie nur nutzen!“

 

 

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