Von der Angst zum Mut

Die Angst kann ein Fingerzeig auf dem Weg zu uns selbst sein. Wir zeigen, wie es zu Panikattacken kommt, wie man ihnen begegnen und das Leben wieder neu genießen kann.

Es fühlt sich an, als wenn mein Brustkorb zu klein ist und ich nicht richtig atmen kann. Ich würde am liebsten losrennen, bin aber total wackelig auf den Beinen. Meine Hände sind eiskalt und der Boden wird zu Watte.“ So oder ähnlich beschreiben Frauen und Männer ihre Erfahrungen, wenn sie ihre Empfindungen bei einer Panikattacke in Worte fassen sollen.

Prüfungsangst in der Schule, Lampenfieber vor einem Auftritt, Furcht im Dunkeln oder Bauchflimmern vor der Achterbahnfahrt: Solche „kleinen“ Ängste fühlen wir beinahe täglich und arrangieren uns mit ihnen ohne große Probleme. In eine völlig andere Kategorie gehört die Panikstörung. Sie ist die große Unbekannte, die uns aus heiterem Himmel und ohne Vorwarnung überfallen kann.

Als Panikattacke bezeichnet man das plötzliche und einige Minuten anhaltende Auftreten einer heftigen physischen und psychischen Alarmreaktion. Oft ist den Betroffenen selbst nicht klar, dass ihre Symptome Ausdruck einer Angststörung sind. Von einer solchen spricht man erst, wenn mindestens einmal pro Woche wiederkehrende Panikatta-
cken auftreten. Dieser Zustand hält meist über Jahre an und bestimmt den Alltag. „Es gab Zeiten, in denen ich nicht einkaufen gehen konnte, geschweige denn regelmäßig in die Schule. Sämtliche Teilnahmen an Klassenfahrten waren Dramen oder fanden gar nicht erst statt“, schreibt eine Betroffene.

Körperliche Symptome einer Angststörung

Typisch ist die große Vielfalt von körperlichen Symptomen. Oft wird eine starke innere Unruhe in Verbindung mit einem unerträglichen Kribbeln und Brennen sowie beklemmender Atemnot geschildert. Auch starke Benommenheit, Sehstörungen, weiche Knie, Herzrasen, Zittern und Beben, Schwitzen, Würgen und Übelkeit treten auf. Besonders bedrohlich fühlt sich der totale Kontrollverlust an. Nach den ersten Attacken steigert sich die Angst vor einem erneuten Panikanfall meist kontinuierlich, bis das Leben irgendwann nur noch aus gefährlichen Situationen zu bestehen scheint. Selbst die totale Vermeidung von allen Situationen, in denen bereits ein Anfall aufgetreten ist, bietet keinen zuverlässigen Schutz vor der nächsten Attacke.

Derart extreme Erfahrungen gehören in Europa für etwa 60 Millionen Menschen zum Alltag. In Deutschland gelten Angststörungen als eine der häufigsten psychischen Krankheiten. Etwa 12 Millionen leiden darunter, Frauen häufiger als Männer. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass Frauen sich im Durchschnitt früher Hilfe von Therapeuten suchen und meist offener mit ihrer Angst umgehen.

Eine von zahlreichen Betroffenen ist Janett Menzel. Auf ihrer Webseite ich-habe-auch-angst.de findet sich ein vielbeachteter Blog über dieses Thema. In ihrem Buch „Mein neues Leben ohne Angst“ beschreibt sie das erste Auftreten ihrer Panikattacken so: „Als sich meine Angst mit Panik erstmals zeigte, konnte ich nicht verstehen, wieso. Mein Leben erschien oberflächlich mehr als erfüllt: Ich hatte einen sinnvollen Job, eine stabile Partnerschaft und war finanziell abgesichert. Die Beziehung zu meiner Familie und meinen Freunden war überwiegend gesund und nährend. Und doch fand ich mich in einem Gefühl wieder, das mich aus meinen vermeintlich sicheren Angeln hob.“

Zum Weiterlesen: Janett Menzel, “Mein neues Leben ohne Angst”, TRIAS Verlag, 17,99 Euro

Den ganzen Artikel mit zahlreichen Übungen sowie ein Interview mit einem Betroffenenen finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 2/2020

Wie gehen Sie mit Ihren Ängsten um? Schreiben Sie uns.

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