Die 4 Happiness-Typen

Wie gehen wir mit Erwartungen um? Mit den Erwartungen an uns selbst, unsere Mitmenschen und mit ihren Erwartungen an uns? Wenn wir verstehen, wie wir ticken, können wir unser Glück leichter finden. Hier können Sie herausfinden, welcher Happiness-Typ Sie sind.

Wie werden wir wirklich glücklich? Und wie hängen unsere Eigenarten mit unserem persönlichen Glück zusammen? Die amerikanische Autorin Gretchen Rubin hat sich dazu umfassende Gedanken gemacht, und festgestellt, dass es vor allem darauf ankommt, wie wir auf Erwartungen reagieren.
Am Anfang stand die Beobachtung, dass Menschen ganz unterschiedlich auf Erwartungen reagieren. Rubin fand dabei zwei Kategorien von Erwartungen heraus: Jene die von außen an uns herangetragen werden und solche, die wir selbst an uns haben. Wie wir jeweils mit diesen Erwartungen umgehen, entscheidet darüber, wie unser Weg zum Glück aussehen könnte.

Welcher Typ bin ich?

Rubin konnte in Befragungen vier Typen herauskristallisieren, deren Charaktereigenschaften und -tendenzen sich innerhalb ihrer jeweiligen Gruppe verblüffend ähneln: den Pflichterfüller, Hinterfrager, Teamplayer und den Rebellen. Wichtig hierbei: Kein Typus ist besser oder schlechter als der andere. Jeder hat seine eigenen Herausforderungen und Chancen und seinen eigenen Weg zum Glück.
Gretchen Rubin ist überzeugt: „Die vier Tendenzen bieten eine Erklärung, warum wir aktiv werden beziehungsweise warum wir inaktiv bleiben.“ Anhand ihrer Typenbeschreibungen können wir gut erkennen, je nachdem zu welchem Typus wir uns zugehörig fühlen, an welchem Punkt wir vergeblich gegen Windmühlen kämpften oder immer noch kämpfen, und warum wir dies in Zukunft besser lassen sollten. Wer wirklich glücklich werden will, sollte damit aufhören, sich gegen sein Naturell, gegen seine Eigenarten zu wehren, so der Rat von Gretchen Rubin.
Mit ihren vier Happiness-Typen zeigt sie, wie individuell verschieden der Weg ins Glück für den Einzelnen aussieht. Unser Vorschlag: Finden Sie anhand der folgenden Beschreibungen heraus, welcher Happiness-Typ Sie sind.

Der Pflichterfüller

Der Pflichterfüller begegnet den Fremd- wie Eigenerwartungen äußerst positiv und nimmt sie ernst. Wir haben es in der Regel mit einem disziplinierten Menschen zu tun. Auf Pünktlichkeit legt er besonderen Wert. Für ihn ist es eine Art Wellness, Häkchen hinter Aufgabenpunkte auf seiner To do-Liste zu machen. Überdies liebt er solche Listen, sowie Terminkalender und Regelwerke im Allgemeinen. Er möchte Klarheit und gibt Klarheit. Um etwas gebeten, enttäuscht er andere in der Regel nicht. Er verfügt über ein hohes Maß an Selbstdisziplin und ist damit in gewisser Weise Vorbild. Er erfüllt Anforderungen mit Leichtigkeit, sodass dieser Typus tendenziell am wenigsten Burn-out gefährdet ist. Natürlich kann auch er mal Probleme damit haben, Dinge zu erledigen oder unter Anforderungsdruck leiden. Mögliche Schwächen des Pflichterfüllers treten dann auf, wenn seine positiven Eigenschaften ins Gegenteil oder ins Extreme driften. Er kann sehr pedantisch werden und so sein Umfeld tyrannisieren. Oder der Klassiker, das Schulkind, welches seine Mitschüler beim Lehrer verpfeift, nicht weil es den anderen eins auswischen möchte, sondern weil die anderen schlichtweg etwas getan haben, was gegen die Regeln verstößt. Das Fehlen oder Nichteinhalten von Regeln kann für den Pflichterfüller unangenehm sein. Fünfe einfach mal gerade sein zu lassen fällt ihm ebenso schwer wie einmal gefasste Pläne wieder umzuwerfen.
Rubin rät: Ein Pflichterfüller sollte sich „die Zeit nehmen, für sich zu klären, was er will und was ihm wichtig ist.“ Darüber kann er sich eigene Prioritäten setzen und einige Punkte auf seinen Listen etwas lockerer angehen.

Der Hinterfrager

Der Hinterfrager kommt vor allem jenen Ansprüchen nach, die er an sich selbst stellt. Äußeren Ansprüchen leistet er nur dann Folge, wenn sie seiner gründlichen Prüfung standhalten können und er sie sich gewissermaßen zu eigen gemacht hat. „Für den Hinterfrager spielen Daten, Logik und Effizienz eine große Rolle“, so Rubin. Er muss stets absolut überzeugt sein von dem, was er macht. Nicht selten beginnt er Grundsatzdiskussionen, weil er einfach alles hinterfragt. Es bereitet ihm Freude, Abläufe zu verbessern und effizienter zu gestalten. Wenn ihm eine äußere Erwartung gerechtfertigt und sinnvoll erscheint, erfüllt er sie auch. Für den Hinterfrager sind fundierte Begründungen enorm wichtig. Es käme ihm überhaupt nicht in den Sinn, einfach mal etwas zu tun, nur weil es ihm gesagt wurde. Er eignet sich deshalb nicht besonders gut zum Mitläufer. Einmal zu einer Überzeugung gelangt, bleibt er bei seinem Standpunkt. Das kann in eine Art Tunnelblick oder auch Selbstüberhöhung münden. Im beruflichen Umfeld können dadurch Probleme auftreten, wenn der Hinterfrager den Anforderungen des Vorgesetzten zum Beispiel partout nicht nachkommt, weil er sie schlicht für sinnlos hält. Außerdem kann sein ständiges Hinterfragen seine Mitmenschen in den Wahnsinn treiben. Er steht sich oft selbst im Weg, indem er sich nämlich zu sehr damit aufhält, Informationen für das bestmögliche Ergebnis zu sammeln und sich dann darin verliert. Manchmal möchte man ihm zurufen: „Jetzt mach doch endlich!“
Ein guter Rat für den Hinterfrager: Mehr Vertrauen in andere üben. Wenn der Hinterfrager merkt, dass nicht gleich die Welt einstürzt, nur weil er nicht alles bis ins kleinste Detail geprüft hat, kann das für ihn eine sehr entspannende Erfahrung sein.

Der Teamplayer

Der Teamplayer stellt die zahlenmäßig größte der vier Typengruppen dar. Und das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Der Teamplayer ist ein sehr sozialer Typus. Er kommt vorrangig dem nach, was andere von ihm erwarten. Für ihn ist es Ansporn und Befriedigung, den Anforderungen anderer gerecht zu werden. Ansprüche, die er an sich selbst hat, werden denen der Außenwelt untergeordnet. Von außen sieht es vielleicht so aus, als sei der Teamplayer faul, weil er sich aus eigenem Antrieb und nur für sich selbst nicht gut aufraffen kann, etwa um eine Runde zu joggen. Wenn es aber um Verabredungen mit anderen, um ein Mannschaftsgefüge geht oder darum, etwas für andere zu erledigen, zeigt er vollen Einsatz. Die Gefahr, die Ansprüche anderer über die eigenen zu stellen, liegt klar auf der Hand: Der Teamplayer ist jener von allen vier Happiness-Typen, der am ehesten Burn-out gefährdet ist, weil es ihm passieren kann, dass er sich zu sehr aufopfert. Selbstverständlich sind Teamplayer beliebte Zeitgenossen, die gern um Gefallen gebeten werden. Umso wichtiger, dass er selbst bemerkt, wann es wichtig ist, eine gesunde Balance, zwischen Geben und Nehmen herzustellen. Er läuft Gefahr, ausgenutzt zu werden und das nicht mal unbedingt vorsätzlich.
Das Positive: Der Teamplayer kommt mit allen anderen Tendenzen sehr gut zurecht. Er kann Menschen so sein lassen, wie sie sind. Er hat verstanden, dass es in einem Gruppengefüge stets ganz unterschiedliche Typen gibt. Er möchte niemanden ändern, sondern sich für die Gruppe und das Gruppenziel einsetzen.
Rubin rät: Teamplayer sollten „Wege finden, sich ein Gleichgewicht zu schaffen, das ihre Fähigkeiten in hellem Licht erstrahlen lässt.“ Ein Engagement für die Gruppe ist gut, jedoch ist es genauso wichtig, immer wieder zu sich selbst zu kommen und sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen.

Der Rebell

Der Rebell stellt die kleinste der vier Typengruppen dar. Das ist vermutlich ganz gut so, auch wenn der Rebell ein äußerst interessanter Typ ist. Er nimmt weder Erwartungen der Außenwelt, noch eigene Erwartungen vorbehaltlos an. Man könnte auch sagen, er ist ein Rundumverweigerer und zugleich die personifizierte Freiheit. Er fühlt sich an nichts und niemanden gebunden. Ihm geht es nicht darum, nur zu tun, was ihm gefällt oder gar den angenehmsten Weg zu gehen, sondern festzustellen, dass er allein alle Möglichkeiten in der Hand hält. Das wird deutlich, wenn Rubin schreibt: „Die Ergebnisse meiner Studie zu den vier Tendenzen zeigen, dass Rebellen auf die Frage, wie sie es schaffen, gute Vorsätze durchzuhalten, meist antworten mit “Gewöhnlich lege ich mich nicht von vornherein auf etwas fest.‘“
Der Rebell macht die Dinge gern anders, als sie von ihm verlangt oder erwartet werden. In diesem Anderssein fühlt er sich regelrecht zu Hause. Nicht selten beschreiten Rebellen neue Wege und tun sich als Pioniere hervor, die das wagen, woran andere nicht einmal denken. Sein Weg ist deshalb selten ein leichter. Er eckt an und vor allem der Pflichterfüller begegnet ihm mit völligem Unverständnis.
Regeln misstraut der Rebell und lehnt sie oft sogar kategorisch ab, ganz einfach, weil er von Regeln und starren Strukturen nichts hält. Wenn der Rebell aber für eine Sache brennt, ist er mit wahrem Feuereifer dabei und kaum etwas kann ihn aufhalten. Wenn man einen Rebellen an seiner Seite für die gemeinsame Sache hat, kann man sich ob dieser geballten Energie glücklich schätzen. Wenn sie für etwas eintreten, dann furchtlos und mit Feuer und Flamme.
Der Weg des Rebells zu einem glücklicheren Leben liegt darin, nicht bei jeder Gelegenheit und allein aus Prinzip Widerstand zu leisten. Er sollte sich die Frage stellen: „Welche Regel und Norm, der ich im Einklang mit mir selbst folgen kann, verschafft mir Sicherheit und damit mehr Zufriedenheit?“

Der individuelle Weg zum Glück

Unsere Sicht auf die Welt und auf das, was für uns Glück bedeutet, hängt also entscheidend davon ab, welche charakterlichen Tendenzen in uns angelegt sind und wie wir mit den Vorzügen und Nachteilen unseres Naturells umgehen.
Die glücklichsten und erfolgreichsten Menschen sind demnach die, die wissen, wie sie ihre Typeigenschaften zu ihrem Vorteil nutzen und – was genauso wichtig ist – deren Nachteile ausgleichen können. Rubins Fazit: Jeder von uns hat die Möglichkeit, sein Leben nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Wir müssen es nur so anpacken, wie es unseren Anlagen entspricht.
Kathrin Stein

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 1/2019

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