Wie Fleisch, nur besser

Zweimal pro Woche Fleisch ist genug. Dieser Ansicht sind zumindest Hermann und Thomas Neuburger. An ihrem Standort im oberösterreichischen Ulrichsberg produzieren sie ein Lebensmittel für die Zukunft: die vegetarische Linie HERMANN. Die Basis des Produkts ist der selbstgezüchtete und ressourcenschonende Bio-Kräuterseitling.

Seit Generationen lebt die Familie Neuburger von der Fleischverarbeitung. Doch schon seit längerer Zeit sehen sie den Fleischkonsum kritisch. „Die Tierhaltung hat sich in den letzten Jahren nicht verbessert, ganz im Gegenteil. Außerdem wirkt sich zu häufiger Konsum von Fleisch negativ auf unsere Gesundheit aus“, erzählt Hermann Neuburger. Daher haben Neuburger und sein Sohn Thomas vor mehreren Jahren mit der Entwicklung einer fleischlosen Alternative begonnen. Ihre Anforderungen: Dem Genusserlebnis von Fleisch so nahe wie möglich kommen und gesunde Produkte erzeugen, die völlig ohne Zusatzstoffe auskommen sowie die Umwelt weniger belasten. Das Ergebnis heißt HERMANN.

Auf den Pilz gekommen

Bratstreifen, Rostbratwürstchen, Käsebratwurst, Schnitzel, Hack und seit Mai auch panierte Taler – sechs verschiedene Produkte findet man unter dem Namen HERMANN in den Regalen des gut sortierten Biohandels in Deutschland. Die Linie sticht nicht nur optisch heraus, sondern unterscheidet sich auch durch ihren Inhalt von der Konkurrenz: Es sind die ersten Produkte auf Basis eines Pilzes, dem Bio-Kräuterseitling.

Mehrere Reisen nach Asien sowie Versuche mit den verschiedensten Grundstoffen, wie Soja oder Seitan, haben Hermann Neuburger, der Namensgeber der Marke ist, und seinen Sohn Thomas letztendlich auf den Pilz gebracht. „Der Kräuterseitling gehört zu den Austernpilzen, erinnert in seiner Konsistenz an Fleisch und ist schon lange fixer Bestandteil der asiatischen Küche“, so Thomas Neuburger, der für den Hauptrohstoff verantwortlich ist. So hat am Ende nicht nur das faserige Fleisch des Edelpilzes überzeugt, auch beim Geschmackstest hat sich der Kräuterseitling durchgesetzt. Neben dem Pilz besteht die vegetarische Fleischalternative lediglich aus Reis, Öl, etwas Hühnerei-Eiweiß und Gewürzen. Auf Zusatzstoffe, Konservierungsmittel und Aromen wird komplett verzichtet. Die Zutaten sind alle bio und werden so regional wie möglich bezogen.

Größter Pilz-Verarbeiter Österreichs

Mittlerweile werden die Pilze sogar im eigenen Unternehmen gezüchtet. Um der Nachfrage gerecht zu werden und die Versorgung für den deutschsprachigen Raum zu sichern, wurde eine Investition von 40 Millionen Euro in den Ausbau des Unternehmensstandorts getätigt. Mit nunmehr 36 Pilzzuchthallen ist das Vater-Sohn-Duo nun der größte Pilz-Verarbeiter Österreichs. In der Pilzzucht wird nach dem Vertical Farming Prinzip gearbeitet, das sehr platzsparend und energieeffizient ist. So wird der CO2-Verbrauch im Minimalbereich gehalten. Im Schnitt sind acht bis zehn Mitarbeiter*innen in der Pilzzucht im Einsatz, die bis zu zwei Tonnen Kräuterseitlinge pro Tag per Hand ernten und weiterverarbeiten.

Nachhaltigkeit in jedem Schritt

HERMANN im Einklang mit der Natur herzustellen, hatte von Anfang an obers­te Priorität. Thomas und Hermann Neuburger arbeiten seit Beginn CO2-neutral. Um ihrem eigenen Anspruch nach noch mehr Nachhaltigkeit nachzukommen, wurde die Herstellung des Substrats, des Nährbodens für die Zucht der Kräuterseitlinge, 2020 ins eigene Haus geholt.
„Der Transportweg liegt so bei null. Gleichzeitig können wir besser vorausplanen und sind von Lieferanten ein Stück unabhängiger geworden“, so Thomas Neuburger. Bis zu 10 Tonnen Substrat werden pro Tag hergestellt. Auch die Rohstoffe (Holz, Getreide und Stroh) für die Herstellung des Substrates werden möglichst regional bezogen, um die Umwelt zu schonen.

Nach jahrelanger Entwicklung konnte im vergangenen Jahr auch auf eine nachhaltigere Verpackung aus recyclingfähiger Polyolefin-Folie und einen Umkarton aus nachhaltiger Forstwirtschaft umgestellt werden. Im Vergleich zur vorherigen Verpackung reduzierte das Unternehmen den Kunststoff-Anteil so um 80 Prozent. Die luftdichte Verpackung sorgt außerdem für eine längere Haltbarkeit der Lebensmittel, obwohl in der Produktion vollständig auf Konservierungsstoffe verzichtet wird. Die für das HERMANN Produktsortiment eigens entwickelte Polyolefin-Folie ist vollständig wiederverwertbar. Aus ihr kann Kunststoffgranulat erzeugt werden, aus dem recycelte Kunststoffe für den Non-Food-Bereich entstehen. Der Rohkarton wird aus einem Baumbestand hergestellt, der im verbrauchten Maße wiederaufgeforstet wird. Das mit dem FSC®-Gütesiegel (Forest Stewardship Council®) ausgezeichnete Papier stammt somit nicht aus Raubbau, sondern fördert sozial- und umweltverträgliche Waldwirtschaft. So ist HERMANN nicht nur innen, sondern auch außen nachhaltig.

www.hermann.bio

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