Wie Liebe gelingen kann

Noch nie war das Bedürfnis nach einer stabilen Partnerschaft so groß wie heute und doch gehen so viele Beziehungen in die Brüche. Paartherapeut Hans Jellouschek gibt zehn Tipps für eine dauerhafte Liebesbeziehung.

Früher mag es genügt haben, wenn ein Paar zusammenblieb, bis das der Tod es schied. Die Konventionen waren streng, Scheidung oft keine Option und irgendwie arrangierte man sich eben miteinander. Heute dagegen stehen solche Zweckehen in einem schlechten Ruf. Traditionelle Bindungen haben sich gelockert, gleichzeitig steigen die Ansprüche an eine Partnerschaft.

Sagen die Zahlen nicht gerade, dass wir heute die Partnerliebe nicht mehr so ernst nehmen wie die Paare früherer Generationen? Nein, vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Die Menschen haben die Partnerliebe noch nie so ernst genommen wie heute und auch das Bedürfnis nach Stabilität war vielleicht noch nie so groß. Wir haben zwar ein elementares Bedürfnis nach Freiheit. Aber noch elementarer ist unser Bedürfnis nach Bindung und Verbundenheit.

Doch wie kann die Liebe in einer Paarbeziehung dauerhaft bleiben? „Es kommt immer mehr auf das Wissen und die Fähigkeiten der Partner an, die Liebe lebendig zu halten“, sagt der Psychotherapeut und Bestsellerautor Hans Jellouschek. Dauerhaftigkeit kann heute nur verwirklicht werden, wenn es den Partnern gelingt, die Beziehung so befriedigend zu gestalten, dass beide − aus freien Stücken − in ihr bleiben wollen.

Wie das auch heute noch gelingen kann, dazu hat Hans Jellouschek zehn Tipps zusammengestellt, die wir uns immer wieder in Erinnerung rufen sollten.

1. Definieren Sie Ihre Beziehung: Auch wenn der aktuelle Beziehungsstatus auf vielen Social Media Plattformen für jedermann einsehbar ist, bedeutet dies noch lange nicht, dass das jeweilige Paar die eigene Partnerschaft für sich definiert hat. Man ist irgendwann zusammengezogen, teilt Bett, Wohnung und Alltag, verharrt jedoch gern im Unverbindlichen, da immer noch etwas „Besseres“ auftauchen könnte. Doch Liebe braucht Verbindlichkeit. Dies ist kein Aufruf, sofort aufs Standesamt zu laufen und die lockere Beziehung mit einem offiziellen Schein aufzupeppen. Gemeint ist eine innere Bereitschaft, sich auf das Abenteuer einer langjährigen Partnerschaft einzulassen, ein gegenseitiges Versprechen, in guten und schlechten Tagen füreinander da zu sein. Damit wird dieser Schritt nicht eine Garantie, aber eine gute Grundlage für eine Liebe auf Dauer.

2. Lernen Sie einander gut kennen: Solange wir verliebt sind, fühlen wir uns einander innig verbunden. Ständig finden wir Eigenschaften und Charakterzüge am anderen, die uns begeistern. „In der Verliebtheit entdecken und erfassen wir, was vom anderen zu uns passt, das andere blenden wir aus“, so beschreibt der Paartherapeut diese erste Beziehungsphase. Schwierig wird es, sobald wir das Anderssein des anderen mit Befremden bemerken. Oft folgen dieser Entdeckung dann zwei klassische Handlungsmuster. Wir trennen uns oder ein Partner versucht, den anderen seinen Vorstellungen entsprechend zurechtzubiegen. Doch nur wenn es gelingt, neugierig, interessiert und staunend, auch die weniger prickelnden Seiten unseres Gegenübers kennenzulernen, kann die Beziehung den Wandel von der rosaroten Brille zum Fensterglas überleben.

3. Versöhnen Sie sich mit der Vergangenheit: Was hat die eigene Herkunftsfamilie mit der aktuellen Partnerschaft zu tun? Mehr als wir gemeinhin denken. Lehnen wir unsere Eltern ab, stecken wir als Erwachsene gar noch im Trotzalter fest, sind wir nicht frei für die Liebe. Wir wiederholen dann einfach die alten Beziehungsmuster und übertragen uralte Eltern-Kind-Konflikte auf die Partnerschaft. Für eine gelingende Liebesbeziehung ist es also von existenzieller Bedeutung, dass ich mich mit meiner Vergangenheit auseinandersetze, mich mit ihr aussöhne, denn nur so entziehe ich mich der Gefahr, sie in der Gegenwart mit meinem Partner und mit meinen Kindern zu wiederholen.

Hans Jellou-schek ist Transaktionsanalytiker (DGTA), Eheberater, Lehrtherapeut für Transaktionsanalyse, systemisch-integrative Paartherapie und Bestsellerautor. In seinen vielen in Millionenauflage erschienenen Büchern geht es meist darum, wie eine lebenslange Liebesbeziehung funktionieren kann.

Den ganzen Beitrag finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 5/2021

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