Wohne, wie du bist

Die Wohnpsychologie zeigt, wie Räume auf uns wirken und aus unseren vier Wänden ein Zuhause wird.

Das kennst du doch auch: Du kommst in eine Wohnung und fühlst dich auf Anhieb wohl. Das gleiche gilt auch umgekehrt: Du betrittst einen Raum und dir wird unbehaglich zumute. Auf den ersten Blick kannst du dir nicht erklären, was genau deine Gefühle auslöst, denn beide Räume sind objektiv schön gestaltet. Was genau löst also diese Emotionen in uns aus?

Genau damit beschäftigt sich die Wohnpsychologie. Als Teil der Architekturpsychologie befasst sie sich seit den 1970er-Jahren mit der Wohnzufriedenheit, der Wohn-umgebung und der wechselseitigen Beziehung der Umwelt mit dem Menschen. Die Wohnpsychologie wird seitdem immer mehr für die optimale Gestaltung von öffentlichen Räumen wie Krankenhäusern, Kindergärten oder Altersheimen sowie in privaten Wohnräumen eingesetzt. Die Fragen, mit denen sie sich beschäftigt, lauten: Was macht Räume aus und wie können wir sie so gestalten, damit wir uns in ihnen rundum wohlfühlen? Dabei geht es immer um den Menschen, der in den Räumen wohnt und seine ganz individuellen Bedürfnisse. Der entscheidende Kern eines authentischen Zuhauses ist der Prozess der Aneignung und der Individuation.

In der Wohnung zeigt sich der Charakter eines Menschen

Das heißt: Eine Familie mit kleinen Kindern hat andere Bedürfnisse als ein Single-Mann, der beruflich viel unterwegs ist. Ebenso sind die Bedürfnisse älterer Menschen andere als die junger Studenten oder eines Ehepaares, das keine Kinder hat. Dazu kommt die Persönlichkeitsstruktur der Bewohner. Beim Gestalten der eigenen vier Wände spielen aber noch weitere Aspekte eine wichtige Rolle: die äußere Umgebung, zeitliche Belastungen und die individuelle Lebenssituation.
In einer Wohnung bilden sich die Interessen und Charaktereigen­schaften einer oder mehrerer Personen ab. Man kann sagen: Je besser wir unsere Wohnbedürfnisse kennen, um so individueller können wir unser Zuhause danach gestalten. Die Wahl der Farben, Materialien und des Lichts in den Räumen beeinflussen unser Wohlbefinden nachhaltig.

Die Wirkung von Räumen und Farben

Immer dann, wenn wir einen Wohnraum betreten, findet eine unbewusste emotionale Reaktion in uns statt. Starten wir mal ein Experiment: Schließe deine Augen und stelle dir eine Farbe vor, die du überhaupt nicht magst. Nun stellst du dir vor, du kommst in einen Raum, in dem die Wände, der Boden und die Möbel genau diese eine Farbe haben. Wie fühlst du dich? Bei diesem Experiment ist dein Gefühl eindeutig und sehr stark ausgeprägt: Du fühlst dich unwohl! Nun könnte aber diese Farbe
vielleicht nur punktuell in dem Raum vorkommen. Vielleicht in einer Tapete oder in Form von einigen Accessoires. Die von dir ungeliebte Farbe zieht beim Betreten des Raumes nicht bewusst deinen Blick auf sich. Im Unterbewusstsein wird sie aber von dir erkannt und sie setzt dann ein unangenehmes Gefühl in dir frei.

Auch Farben beeinflussen unseren Körper und unsere Stimmung. Das passiert ganz automatisch und unmittelbar. Dazu ein paar Stichworte, wie Farben in Wohnräumen wirken:

Rosa hat eine feminine, fröhliche und positive Ausstrahlung. Freches Pink lässt sich gut mit anderen unkonventionellen Farben kombinieren. Türkis und Gelbgrün in Form verbreiten auf Küchenutensilien, Vasen oder Glasschalen Lebenslust und Lebendigkeit.
Rot steht für Leidenschaft, Feuer, Sinnlichkeit, Zuversicht und Raffinesse. In Wohnräumen verwendet, schafft die Farbe Geborgenheit und Wärme, regt aber auch an und belebt. Deshalb sollte Rot im Innenraum eher sparsam eingesetzt und nur mit gedeckten Tönen kombiniert werden.
Orange macht gute Laune und wird mit Lebensfreude, Selbstvertrauen und Neugier verbunden. Die Farbe wirkt stimmungsaufhellend, konzentrationsfördernd und stimulierend. Da Orange eine belebende Farbe ist, sollte sie mit Bedacht eingesetzt werden. Oft entfaltet schon eine orange Wand eine positive Wirkung. Im Wohn- und Esszimmer belebt Orange das fröhliche Zusammensein und den Gesprächsfluss. Anregende kräftige Orangetöne fördern nachweislich die Kreativität und können deshalb auch gut im Arbeitszimmer verwendet werden.

Caroline Fiorilli

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer bewusster leben Ausgabe 1/2024

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