Wohn(t)räume – Tipps für einfach schönes Wohnen

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Ein grauer Tag im Winter. Wolken verdunkeln schon seit dem Morgen den Himmel, ein eiskalter  Wind fegt durch die Straße. Regen trommelt unaufhörlich aufs Dach. Wie wunderbar ist es, heute nicht ins Freie gehen zu müssen! Im kleinen Zimmer ist es warm und hell und behaglich. Draußen verwandeln sich die prasselnden Tropfen in luftige Schneeflocken. Eine dichte weiße Decke legt sich über das Fenster. Nachbarhäuser, Bäume, Wolken, grauer Himmel, alles verschwindet. Die Außenwelt hat aufgehört zu existieren. Diese Kindheitserinnerung ist für mich eine der stärksten und glücklichsten. Sie bedeutet Geborgenheit und Wohlgefühl, sie ist der Inbegriff von einem schützenden Zuhause. Sie ist verbunden mit der Sehnsucht vieler Menschen: nach einem wohltuenden und stärkenden Rückzugsort, einem Gegenpol zum immer schneller werdenden Hamsterrad. Je mehr Verpflichtungen und Anforderungen im Berufs- und Privatleben zu bewältigen sind, desto wichtiger werden Auszeiten, in denen man wieder zu sich kommen und Energie schöpfen kann. Die eigene Wohnung und das Wohnen ollte dafür einen behaglichen Schutzraum bieten, der Geist und Seele erfrischt und den hektischen Alltag einfach mal aussperrt.

Schöner Wohnen mit unseren Einrichtungstipps

Johanna Kulzer beschreibt in ihrem Ratgeber „Refugien“ die Voraussetzungen für einen kraftspendenden Rückzugsort und erholsameres Wohnen: „Ihr Refugium erkennen Sie daran, dass Sie sich an diesem Ort wohlfühlen, dass dieser Ort Sie zur Ruhe kommen lässt und die besten Seiten in Ihnen zum Klingen bringt. Es fällt Ihnen dort leicht(er), sich auf sich einzustimmen, und je nach Gefühlslage können Sie sich zurückziehen und einfach nur die Ruhe genießen oder sich anregen lassen und Ihren besonderen Interessen folgen.“ In Familien sind es oft die Frauen, die auf ihren privaten Raum  und eigenes Wohnen verzichten: Während der Ehemann im Hobbykeller werkelt und sich die Kinder in ihr eigenes Reich zurückziehen können, ist die Mutter überall und nirgends in der Wohnung daheim. Doch auch, wenn es die Wohnverhältnisse nicht zulassen, dass sich jeder Bewohner ein privates Zimmer einrichtet, besteht immer die Möglichkeit, sich eine persönliche Ruheinsel zu schaffen, die das eigene Ich in seiner momentanen Situation am besten widerspiegelt und unterstützt. Das ist auch ein guter Anlass, das „Ge-Wohnte“ in Frage zu stellen, sich von Altem zu trennen und sich auf neue Elemente und Anordnungen einzulassen: Womöglich hat sich längst herausgestellt, dass der schicke Beistelltisch nur in der Theorie praktisch war, de facto aber noch nie genutzt wurde. Vielleicht ist es möglich, sich von alten Gewohnheiten zu lösen und einen Raum ganz anders aufzuteilen. „Wir spüren instinktiv, wenn etwas nicht mehr zu uns passt“, sagt Johanna Kulzer. „Diesem Wunsch sollte man genau nachspüren. Meist geht das in kleinen Schritten vor sich. Dann wird so lange verändert, bis der gewünschte Zustand wieder erreicht ist. Dieser Punkt, wo alles perfekt zu passen scheint, dauert meist nur kurz und dann setzt erneut eine Wandlung  ein und derselbe Zyklus beginnt von vorne.“ Spüren wir also mal in unsere Wohnung hinein und versuchen das Wohnen angenehmer zu gestalten!

Senior couple relaxing on couch --- Image by © Fancy/Veer/Corbis

 

Schritt 1: Achtsamkeit

Der erste Schritt zum neuen Wohnen ist eine Bestandsaufnahme, bei der die eigene Wohnung mit allen Sinnen wahrgenommen wird. Ein bewusster Gang durch die Wohnung öffnet den Blick für das alltäglich gewordene Umfeld und wirft ein neues Licht auf das Schöne, aber auch das Unnütze und Störende um uns herum. Vielleicht werden Sie bei einem solchen Gang feststellen, dass Sie vieles, was sich angesammelt hat, schon lange nicht mehr wirklich gesehen haben. Auf dem Couchtisch türmen sich alte Zeitschriften, in der Garderobe hängt noch das seit dem Sommerurlaub nicht mehr getragene Jäckchen, die Zimmerpflanze fordert seit Monaten mit welken Blättern mehr liebevolle Zuwendung ein. Höchste Zeit, einmal gründlich auszumisten und sich den vernachlässigten Ecken zu widmen und aktiv am schönen Wohnen zu arbeiten.

Schritt 2: Ideen entwickeln für schöner Wohnen

„Raum und Licht und Ordnung. Das sind Dinge, die der Mensch genauso braucht wie Brot oder einen Platz zum Schlafen.“ (Le Corbusier) Als Nächstes gilt es Ideen zu entwickeln, wie Ihre Räume in Zukunft genutzt und eingerichtet werden sollen. Fertige Rezepte kann es dafür nicht geben, denn jede Wohnung und jesdes persönliche Wohnen ist so individuell wie die Menschen, die darin leben. Ob Ihnen nun eine grundsätzliche Neugestaltung der ganzen Wohnung oder die Einrichtung einer Meditationsecke, eines Schreibplatzes, eines Ateliers, einer Kuschelecke oder etwas ganz anderes vorschwebt – lassen Sie sich beim Sammeln Ihrer Ideen Zeit und bleiben Sie offen für neue Impulse. Oft sind nur minimale Veränderungen beim Wohnen notwendig, um große Effekte zu erzielen. Verstehen Sie die Gestaltung als Prozess, Ihr persönlicher Kraftort soll sich mit Ihnen wandeln können. Werden Sie sich Ihrer Wünsche und Bedürfnisse bewusst und entwickeln Sie Vorstellungen, welche Farben, Stimmungen, Materialien und Gegenstände momentan für Sie passend sind. Vertrauen Sie Ihrer Intuition und lassen Sie sich auch mal auf Experimente ein: Nichts muss bleiben, wie es ist, nur weil es schon immer so war oder immer als die einzige Möglichkeit erschien. Während der Entstehung dieses Artikels kam ich das erste Mal auf die Idee, meinen Schreibtisch um 180 Grad zu drehen und ihn mehr in den Raum zu rücken. Statt auf eine Wand kann der Blick nun über eine blühende Zimmerpflanze und darüber hinweg in den Raum schweifen. Ich kehre der Welt beim Schreiben nun nicht mehr den Rücken. Ob die Gedanken somit leichter fließen? Die Praxis wird es zeigen!

Schritt 3: Ausmisten für schöner Wohnen

„In einem aufgeräumten Zimmer ist auch die Seele aufgeräumt.“ (Ernst von Feuchtersleben) Vor dem Umgestalten ist es hilfreich, den betreffenden Raum oder die Zimmerecke zunächst vollständig leer zu räumen. Gehen Sie beim Wiedereinräumen Schritt für Schritt vor und prüfen Sie bei allen Gegenständen und Möbelstücken, ob sie wirklich noch zu Ihrem jetzigen Leben passen, oder ob ihre Zeit gewissermaßen abgelaufen ist, denn „die Seele muss jedes Mal ‚Ja‘ sagen, wenn Sie den Raum betreten und die Dinge benutzen“, so bringt es Johanna Kulzer auf den Punkt. Trennen Sie sich von allem, das Sie nicht mehr benutzen oder nicht mögen. Reparieren Sie defekte Dinge oder entsorgen Sie sie. Alles Unnötige, Welke und Kaputte stört das Wohnen und hemmt den Energiefluss. Aufräumen schafft Blockaden aus dem Weg und macht den Geist frei.

Schritt 4: Wohnen mit allen Sinnen

„Die schönste Harmonie entsteht durch das Zusammenbringen der Gegensätze.“ (Heraklit) Eine Wohnung kann perfekt und aufwändig durchgestylt sein – und trotzdem seelenlos wirken, wenn sie nur das Auge anspricht. Wer sich beim Einrichten und Wohnen mit allen Sinnen nicht allein auf seine eigene Intuition verlassen will, findet wertvolle Inspirationen in den Lehren des Feng-Shui, des Zen-Minimalismus oder des indischen Vastu. Im Wesentlichen geht es immer darum, Harmonie herzustellen. Unser Wohnumfeld ist ein Spiegel dessen, wo wir momentan stehen und wie achtsam wir mit uns und unserer Umwelt umgehen. Je mehr wir im Gleichgewicht sind, desto schneller finden wir den Zugang zu dem, was uns entspricht, und desto leichter fällt es uns auch, unser Umfeld positiv zu verändern.

 

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