Was macht uns in einer immer komplexeren Welt psychisch widerstandsfähig? Die Burnout-Präventionsexpertin Mirriam Prieß ist überzeugt: Resilienz entsteht vor allem durch eine gute Beziehung und Verbindung zu sich selbst, anderen Menschen und zum Leben. Warum der Dialog die Grundlage psychischer Gesundheit ist und wie wir eine achtsame Haltung im Alltag entwickeln können, erklärt sie im Interview.
Sie definieren Resilienz anders als viele andere AutorInnen. Was genau unterscheidet Ihre Definition von anderen?
Resilienz ist Beziehungsfähigkeit, die Fähigkeit, der Begegnung. Je mehr wir kämpfen oder im Widerstand sind, umso mehr Kraft verlieren wir – am Ende steht die Erschöpfung. Je mehr wir aber dazu in der Lage sind, unsere Beziehungen gleichberechtigt im Dialog zu gestalten – also darin wesentlich vorzukommen, umso stärker werden wir. Hier geht es übrigens nicht nur um berufliche oder private Zusammenhänge, sondern auch die Beziehung zum Leben, zu Situationen, z.B. einer Trennung, Scheitern oder Krankheit oder auch die Beziehung zu dem System, in dem wir uns befinden. Kämpfen kann jeder. Sich selbst an äußeren Maßstäben auszurichten oder aufzugeben, ebenso. Echte Stärke zeigt sich dort, wo man auch unter ungünstigen Bedingungen die eigene Würde und Gleichwertigkeit wahrt. Gerade auch in den Situationen, die ich eigentlich nicht will, die ich nicht verändern oder verlassen kann, diese so zu gestalten, dass ich damit einen konstruktiven Umgang finde und daran wachse, das macht wirkliche Stärke, psychische Gesundheit und auch Charakter aus.
Woran merke ich, dass ich resilient bin?
Indem Sie überprüfen, ob Sie die drei oben beschriebenen Aspekte tatsächlich leben. Fragen Sie sich, ob Sie in einem guten Dialog mit sich selbst und den zentralen Bereichen Ihres Lebens stehen – das sind Beruf, Familie und Partnerschaft, Gesundheit, soziale Kontakte, Hobbys sowie Glaube und Spiritualität. Ich kann mich vertreten, stehe mit beiden Beinen im Leben – auch dort, wo die Dinge nicht so verlaufen, wie ich es mir wünsche. Sie können es auch daran merken, dass Sie eine konstruktive innere Haltung haben, also in schwierigen Situationen den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern versuchen, das Beste daraus zu machen. Ein weiterer Aspekt ist die Bereitschaf zu lernen, loszulassen und zu verzeihen. Weitergehen zu können, entweder im Inneren oder auch im Außen, in dem eine Situation verlassen wird.
Zum Weiterlesen: Mirriam Prieß Resilienz So entwickeln Sie Widerstandskraft & innere Stärke, Goldmann Veralg 13 Euro
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