Endlich! Die Tage werden wieder länger. Wir sehnen uns nach Sonne, frischer Luft und Frühlingsboten, die uns signalisieren: Jetzt ist auch der Sommer nicht mehr weit. Eine Ode auf die erwachende Natur.
Längst hat der Frühling in den Tälern Einzug gehalten. Gänseblümchen und Huflattich zaubern Farbkleckse auf die Wiesen, während sich Eis und Schnee aus den höheren Lagen erst langsam zurückziehen. Die Natur beginnt wieder zu atmen. Das Rauschen der Bergbäche wird intensiver, Schneereste werden zu Sprudelwasser. Lautlos und mit all ihrer Schönheit öffnen Krokusse, Enzian und Bergschlüsselblumen ihre Blüten und strecken ihre Köpfe der Sonne entgegen.
Wenn die Natur wieder erwacht
Und auch die Tierwelt wird aktiv: Murmeltiere verlassen nach dem Winterschlaf ihre Bauten. Bald schon beginnt die Paarungszeit und neue Energiereserven werden aufgebaut. Auch die Vielfalt der Vogelstimmen nimmt von Tag zu Tag zu. Die Winter-
heimkehrer erfreuen uns mit ihren Gesängen. Vielleicht haben wir Glück und bekommen auf unserer ersten Bergtour des Jahres gar eine Gämse oder einen Steinbock zu Gesicht. Die nämlich bewegen sich nun auf der Suche nach frischem Grün aus den steilen und steinigen Lagen hinab Richtung Tal. Endlich wieder Frühling! Ein neuer Lebenszyklus ist angebrochen.
Mit etwas Abstand, Respekt und großer Neugier wohne ich diesen Naturschauspielen bei. Ich bin Gast in diesem so ehrlich echten und dynamischen Bühnenbild. Ich atme die klare Bergluft, lasse meinen Blick weit schweifen und stelle mich auf Anstiegen der sportlichen Herausforderung. Nach und nach werden Wege wieder begehbar, die Eis und Schnee den Winter über zuverlässig bedeckt hielten. Hier und da muss ich noch etwas vorsichtig sein: Glatte Stellen, Schneefelder und Veränderungen, die das Wetter in den letzten Monaten hervorgerufen hat, erfordern meine Aufmerksamkeit. Aber schnell finde ich mich wieder ein in diesen gewohnten Rhythmus des Bergauf- und Bergabgehens. Spektakuläre Panoramen sind die Belohnung. Ich fühle mich leicht und zehre vom inneren Stolz, es bis zu meinem Lieblingsaussichtspunkt geschafft zu haben. Eine tiefe Zufriedenheit macht sich breit. Ich bin wieder draußen! Den ganzen Tag lang. Das zählt. Jeden Augenblick. Der Weg ist mein Ziel – ich nehme mir die Zeit dafür.
Alles ist im Wandel
Überhaupt beschert uns der jahreszeitliche Übergang Erlebnisse, die besonders stark wirken. Da sind all die Eindrücke und da ist, wie in jedem Jahr, die große Frage: Wie viel körperliche Fitness hat mich die Winterruhe gekostet? Ich lasse es langsam angehen und nehme mir keine allzu ausgedehnten Strecken vor, wenn ich mich den Eigenheiten der Natur stelle: Die Kontraste zwischen kühlem Morgen und frühsommerlichen Wärmemomenten über den Tag sind groß. Das macht etwas mit meinem Körper, den ich über viele Stunden hinweg wieder mit frischem Sauerstoff versorge, während Sonnenstrahlen meine Haut kitzeln. Es fühlt sich wie ein großes Geschenk an, dieses gleichsam schützenswerte, ruhige und kraftvolle Habitat, in dem ich hier unterwegs bin und das ich mit allen Sinnen versuche zu erkunden. Ich vernehme die Botschaft: Alles ist im Wandel. Schritt für Schritt werde ich daran erinnert, dass Neubeginn Geduld braucht.
Den ganzen Artikel findest du in unserer bewusster leben Ausgabe 2/2026



